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| 18:40 Uhr

Geschichte
Die Lausitzer Kultur war fast eine Hochkultur

Sandstein-Gussformen für einen Ring, Messer, Schmucknadeln und Rasiermesser, Alter 3300 Jahre.
Sandstein-Gussformen für einen Ring, Messer, Schmucknadeln und Rasiermesser, Alter 3300 Jahre. FOTO: Bönisch / E. Bönisch
Calau. Die Lausitzer Kultur in der Bronzezeit war beinahe eine Hochkultur. Davon ist der Prähistoriker Dr. Eberhard Bönisch vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege überzeugt.

Durch die vielen Erdbewegungen im Zuge des Braunkohletagebaus ist den Forschern erstaunlich viel über die Zeit und das Leben der Menschen von 1500 vor Christus bis etwa 450 vor der Zeitrechnung bekannt geworden.

Herr Dr. Bönisch, warum hat die Bronzezeit für die Lausitz eine solche Bedeutung?

Grabhaus mit Tür,
Groß Jauer,
9.-8. Jh. v. Chr.
Grabhaus mit Tür, Groß Jauer, 9.-8. Jh. v. Chr. FOTO: Bönisch / E. Bönisch

Bönisch Mit der Lausitzer Kultur in der Bronzezeit gab es in der Region eine frühe kulturelle Blüte. Die Lausitzer Kultur war fast eine Hochkultur. Lediglich die Schrift hat dafür als Kriterium gefehlt. Aber handwerklich und technisch war die Region damals schon sehr weit. Zudem wird schon lange auf dem Gebiet geforscht. Bereits vor 150 Jahren haben sich Gelehrte mit der Epoche auseinandergesetzt. Es gibt viel Forschung, die aufeinander aufbaut. So waren bereits viele Gräberfelder mit ihrer Lage bekannt. Sie bringen wegen der üblichen Grabbeigaben viele Erkenntnisse.

Was finden Archäologen dort?

 
  FOTO: Nerenz Matthias

Bönisch Das geht von Keramik-Urnen mit menschlichen Überresten, Keramik, über Grabbeigaben aus Bronze, wie Schmuckgegenständen bis zu Werkzeug, was Rückschlüsse
auf die dort Bestatteten, wie deren Tätigkeit zum Beispiel als Bronzegießer, zulässt. An Werkzeugen und Schmuck ist auch ein Schluss auf die handwerklichen Fähigkeiten der Zeit möglich. Die waren bemerkenswert. Kollegen haben etwa versucht, Gegenstände mit damaligen Mitteln nachzugießen. Das mit steinernen Guss-Formen hinzubekommen, war gar nicht so einfach. Die hatten schon einige Fähigkeiten damals. Die Produktionsprozesse waren nicht einfach. Bemerkenswert, was damals möglich war. Zudem gab es regen Handel. Denn die Metalle stammten aus den Mittelgebirgen, die über Handelswege in die Lausitz kamen. Bei einer Grabung bei Groß Jauer konnten wir sogar eine Art Grabhaus finden. Urnen waren mit Steinen umkleidet. Darin gab es eine Lücke, die den Zugang vereinfachte. Es stellte sich heraus, dass es sich um eine Grabtür mit richtigem Türflügel gehandelt hat. Innerhalb des Raumes waren Grabbeigaben offenbar wie im Haus des Bestatteten angeordnet.

Sind solche Funde dann besondere Forschungsdurchbrüche?

Bönisch Diese Einzelfunde sind natürlich sehr schön. Wichtig ist jedoch der Gesamtzusammenhang. Der bringt Erkenntnis. Neben den Gräberflächen sind auch die Siedlungsplätze nachweisbar.

Wie das?

Bönisch Es sind natürlich keine vollständigen Häuser erhalten, da alles aus Holz und Lehm gebaut wurde. Doch das verfaulte Holz hat Verfärbungen im Boden hinterlassen.

Ein Beispiel?

Bönisch Die Hochfläche im Tagebau Jänschwalde etwa beim früheren Ort Horno.Ursprünglich dachten wir, dass es dort nichts zu finden gibt. Aber dann erkannten wir im Boden Erosionsrinnen, in denen zeitweilig Wasser floss. Letztlich konnten daneben gut erhaltene Häuserspuren freigelegt werden. Aufgrund der Verfärbungen waren fünf fast vollständige Häuser nachweisbar. Oft können anhand der Befunde ganze Siedlungslagen aus der Bronzezeit im Nachhinein kartiert werden. Abfallgruben sind ebenfalls wichtige Fundstätten. Oft finden sich dort zahlreiche Inventargegenstände. Die Siedlungsplätze wurden immer wieder verlegt. Die Reste abgebrannter Häuser kamen dann in Abfallgruben. Deshalb sind Brandkatastrophen von damals für die Archäologie ein Glücksfall.

Mit DR. Eberhard Bönisch
sprach Jan Selmons.

Zahlreiche Gefäßscherben in Gruben bei Klein Görigk.
Zahlreiche Gefäßscherben in Gruben bei Klein Görigk. FOTO: Bönisch / E. Bönisch
Bronzezeitliche Kanne aus einem Urnengrab bei Ragow.
Bronzezeitliche Kanne aus einem Urnengrab bei Ragow. FOTO: Bönisch / E. Bönisch