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| 08:56 Uhr

Lausitzer Geschichte
Der Dreißigjährige Krieg in der Lausitz: Schwedentrunk und Schwarze Frau

400 Jahre ist es her, dass der Dreißigjährige Krieg seinen Anfang nahm. In der Lausitz hat er Spuren hinterlassen, die zum Teil bis heute sichtbar sind. Not und Elend waren die Folge einer Auseinandersetzung um Macht, Glauben und Geld. Von Bodo Baumert

Was historisch überliefert ist: Nach dem Kriegsbeginn 1618 blieb die Lausitz zunächst von den Auswirkungen noch weitgehend verschont. Das änderte sich 1626, als der kaiserliche General Albrecht von Wallenstein mit seinen Söldner nach Cottbus kam. Die Stadtchronik weiß zu berichten: „Am 3. August 1626 zogen etwa 40 000 Mann unter dem Befehl des General Wallensteins in Cottbus und in der Umgebung ein. Während ihres zweitägigen Aufenthaltes richteten sie in der Stadt und den Dörfern großen Schaden an. Wallenstein selbst nahm Quartier auf dem hiesigen Schloss.“

 In der Folge erlebt die Stadt wie nahezu die gesamte Lausitz Durchzüge von Armeen und Söldnern. Die eigentlichen Grausamkeiten des Krieges hätten sich nicht in den Schlachten sondern zwischen Soldaten und Bauern abgespielt, wenn geplündert, vergewaltigt und gefoltert worden sei, erläutert der Berliner Historiker Herfried Münkler. Mehr zum Zusammenhang von Kriegs-Finanzierung und dem Leid der Lausitzer Bauern erfahren Sie im heutigen Video zur Serie.

Durchziehende Söldner, hier dargestellt bei einem Historienspektakel an der Festung Königstein, waren das größte Problem für die Lausitzer während des Dreißigjährigen Krieges.
Durchziehende Söldner, hier dargestellt bei einem Historienspektakel an der Festung Königstein, waren das größte Problem für die Lausitzer während des Dreißigjährigen Krieges. FOTO: Matthias Hiekel

Am 29. Juni 1631 stehen wieder Truppen vor der Stadt Cottbus. Diesmal ist es der kaiserliche Oberst Hans von Goetze. Und der ist nicht gekommen, um Quartier zu nehmen. In der Stadt stehen diesmal die protestantischen Schweden. Deren Oberst Bock versucht, die Stadt zu verteidigen, was misslingt. Schon im zweiten Ansturm werden die Mauern genommen. Bock flieht, angeblich durch einen Sprung aus dem Fenster. Oberst Goetze lässt daraufhin die Stadt plündern. Elf Bürger sterben. Zudem werden Geiseln genommen,weil die Stadt die geforderte Kontribution in Höhe von 16 000 Talern nicht aufbringen kann.

Besser standhalten kann die Festung Peitz den wechselnden Belagerungen. Im Winter 1636/37 dient sie sogar dem brandenburgischen Kurfürsten Georg Wilhelm mit seinem Hofstaat kurzzeitig als Regierungssitz.

Die Festung Peitz war im Dreißigjährigen Krieg einer der wenigen Orte, der feindlichen Belagerungen in der Lausitz trotzen konnte.
Die Festung Peitz war im Dreißigjährigen Krieg einer der wenigen Orte, der feindlichen Belagerungen in der Lausitz trotzen konnte. FOTO: Amt Peitz

Ähnlich sicher ist es nur noch im Spreewald, der damals noch so unzugänglich ist, dass er als einzige Ausnahme weitgehend von den Plünderungen verschont bleibt.

Historisch belegt sind auch die Ausbrüche der Pest und anderer Seuchen, die im Gepäck der durchmarschierenden Heere in die Lausitz kommen. 1627 etwa fallen in Cottbus fast zwei Drittel der Bevölkerung der Pest zum Opfer. Während der Epidemie 1631 brennt das Siechenhaus ab. Zwei Jahre später, 1632/1633, erleben die Cottbuser erneut diese Seuche.

Was Ortschroniken zu berichten wissen: Ein Beispiel für das, was vielen Orten der Lausitz während des Dreißigjährigen Krieges wiederfuhr, ist das heutige Doberlug-Kirchhain: Am 8. April 1637 erschienen die Schweden unter Oberst Baner vor Kirchhain, brannten die Stadt ab und plünderten sie. In Doberlug hausten sie nicht so stark. Aber 1643 verwüsteten sie Doberlug um so gründlicher, ebenso die Umgebung. Doberlug musste den Schweden Kontributionen zahlen. 31 000 Mark bares Geld, 9268 Mark Marschunkosten, 1509 Mark Bezahlung für Wegführer und 1874 Pferde, berichtet die Chronik.

Auch aus Spree-Neiße finden sich in Ortschroniken ähnliche Schilderungen. Frauen wurden verschleppt, Getreide vernichtet, Geistliche misshandelt – auch das eine Folge des Religionskonfliktes, der hinter dem Ausbruch des Krieges stand. Der Rektor Johann Seldner etwa soll durch den sogenannten „Schwedentrunk“ gestorben sein, eine damals übliche Foltermethode. Ihm wurde gewaltsam Jauche eingeflößt. Der Prediger Radochla wurde von kroatischen Söldnern mit Strohfeuer gesengt.

Für das Jahr 1642 berichtet die Spremberger Chronik: „In der Niederlausitz stand mit seinen Reitern auch der sächsische Oberstleutnant Florian Stritzky. Sein Quartiermeister war mit zwei Herren von Biberstein (Herren in Forst) am 15. Februar ganz früh von Forst nach Spremberg gekommen. Ihnen setzte aber ein schwedischer Rittmeister mit 300 Dragonern nach, die früh um sieben Uhr in Spremberg eintrafen. Vermutlich aus Verbitterung, dass ihnen ihre Beute doch entkam, gingen sie mit Misshandlungen gegen die Bevölkerung vor. Selbst das Schloss wurde Schauplatz wilder Szenen. Mehrere Leute des Herrn von Spremberg, Siegfrieds von Kittlitz, wurden erschossen, das Schloss verwüstet, Gerät und sämtliche Pferde mit fortgeführt. Nur der Höflichkeit des schwedischen Rittmeisters verdankte es der Schlossherr, dass das Zimmer seiner im Kindbett schwer darniederliegenden Gemahlin verschont wurde.“

Was in Legenden überliefert ist: In Geschichten und Legenden haben Ereignisse und Erlebnisse des Krieges bis heute überlebt. So geht beispielsweise die Barbara, die bis heute in Bad Liebenwerda jährlich neu gewählt wird, auf eine solche Legende zurück.

Die „Barbara“ ist die Symbolfigur Bad Liebenwerdas. Was viele nicht wissen: Sie beruht auf einer Legende aus dem Dreißigjährigen Krieg.
Die „Barbara“ ist die Symbolfigur Bad Liebenwerdas. Was viele nicht wissen: Sie beruht auf einer Legende aus dem Dreißigjährigen Krieg. FOTO: Frank Claus

Der ehemalige Stadtchronist Walter Hartwig hatte die Sage vom wundersamen Elsterwasser, mit der das Hirtenmädchen Pestkranke heilte, einmal zu Papier gebracht: Demnach lebte während des Dreißigjährigen Krieges die Tochter des Stadthirten mit Barbara Stirblinger in einem Dorf am Fluss. Das Hirtenmädchen fürchtete sich vor dem grausamen Geschehen in dem Dorf, in dem bereits einige Hütten leerstanden, weil die Bewohner der Pest zum Opfer gefallen waren. Eines Abends verließ Barbara das Dorf und ging Richtung Elster. An einem Erlenbusch soll eine Stimme zu ihr gesprochen haben, die ihr befahl: „Lege deine Schuhe ab, gehe erhobenen Hauptes den Pfad zur Elster, den ich dir zeigen werde. Dann schreite geradeaus durch eine Furt des Flusses bis an das gegenüberliegende Ufer.“

Die Stimme befahl ihr, dann wieder bis zur Mitte des Flusses zurückzugehen, die Hände auszubreiten und ins Wasser zu tauchen. Barbara tat, wie ihr geheißen, und nahm mit ihren Händen zwei Fische auf, die sie am Ufer tötete und dann zu Hause briet. Danach kehrte sie zur Elster zurück, schöpfte Wasser und kniete am Erlenbusch nieder. Das Wasser, so die Sage, war nun geweiht. Zusammen mit den gebratenen Fischen gab das Hirtenmädchen Barbara es an die Pestkranken im Dorf. Tag für Tag, bis alle Pestkranken des Fischerdorfes genesen waren.

In Massen bei Finsterwalde findet sich eine weitere Legende. Hier steht bis heute die Statue einer  Schwarzen Frau. Die Schweden lagerten während des Dreißigjährigen Krieges lange Zeit in Massen und quälten die Einwohner. Da kam eine Frau auf den Gedanken, sich als Teufel zu verkleiden und die Feinde in Schrecken zu versetzen, damit die Not endlich ein Ende nähme. Sie zog sich aus, beschmierte sich mit Ruß, nahm eine Ofengabel in die Hand und stellte sich hinter einem Backofen auf. In der Dämmerung kamen die Schweden. Sie trat ihnen mit Gebrüll entgegen und vertrieb die Söldner, die sie wohl für den leibhaftigen Teufel gehalten haben müssen.

Die Legende der schwarzen Frau von Massen, dargestellt auf einer Zeichnung von Peter Müller.
Die Legende der schwarzen Frau von Massen, dargestellt auf einer Zeichnung von Peter Müller. FOTO: Zeichnung: Peter Müller

Über Schadow bei Sonnewalde erzählt die Sage: „Einst stand am Nordteil des Lugkteiches mitten im Wasser das Schloss Schadow. Das Dorf dazu befand sich etwa 250 Meter westlich, ebenfalls im Sumpf. Während des Dreißigjährigen Krieges sollen alle Bewohner von Schloss und Dorf Schadow der Pest zum Opfer gefallen sein. Dadurch zerfielen alle Dorfkaten, und auch das Schloss zerfiel und versank. Bei windstillen Vollmondnächten um Mitternacht sollen heute noch mitunter die Glocken des untergegangenen Schlosses zu hören sein.

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