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| 07:45 Uhr

Akteure
Das waren die Hauptverantwortlichen des Krieges

Eine Büste des Schwedenkönigs Gustav Adolf
Eine Büste des Schwedenkönigs Gustav Adolf FOTO: dpa / Hendrik Schmidt
Potsdam. Viele Fürsten und Politiker waren am Ausbruch und an der Verlängerung des Dreißigjährigen Krieges beteiligt. Als Hauptverantwortliche, die sich immer wieder gern auf Gott beriefen, sehen Historiker:

Friedrich von der Pfalz: 1613, noch zu Lebzeiten von William Shakespeare, gastierte dessen Londoner Theatertruppe „The King‘s Men“ im Heidelberger Schloss und führte zum ersten Mal in Deutschland ein Stück von ihm auf. Anlass dafür war die Hochzeit des pfälzischen Kurfürsten Friedrich V. (1596 bis 1632) von der Pfalz mit der Tochter des Königs von England, Elisabeth Stuart. Der Wunsch, seiner hochadeligen Gemahlin etwas bieten zu können, spielte möglicherweise mit, als er sich 1619 von böhmischen Rebellen zum König wählen ließ. Es war dieser waghalsige Schritt des 23 Jahre alten Calvinisten, der einen lokalen Konflikt in Prag zu einer großen Krise ausweitete.

Maximilian von Bayern: Nach der Vertreibung Friedrichs durch kaiserliche Truppen hätte der Konflikt zu Ende sein können. Doch nun überredete der ehrgeizige Herzog von Bayern, Maximilian I. (1573 bis 1651), den Kaiser, ihm die Kurwürde von Friedrich zu übertragen. Der Marien-Verehrer und Hexenverfolger wurde damit einer der sieben Reichsfürsten, die den deutschen König wählten. Dies war ein Rechtsbruch, der das Machtgleichgewicht zwischen Katholiken und Protestanten zerstörte. Er führte direkt zur nächsten Eskalations-Stufe – und langfristig zur Verwüstung Bayerns.

Albrecht von Wallenstein: Der neurotische Feldherr war hochgradig lärmempfindlich und ließ deshalb überall, wohin er kam, Hunde erschießen und Pferdehufe mit Tüchern umwickeln. Wallenstein (1583 bis 1634), ein Aufsteiger von unspektakulärer Herkunft aus dem heutigen Tschechien, entwickelte ein ebenso effektives wie menschenverachtendes Mittel zur Finanzierung großer Heere: Überall, wohin die Streitmacht kam, musste sie von der örtlichen Bevölkerung versorgt werden. Auch wenn dadurch ganze Landstriche ruiniert wurden. Wallenstein war ein kalt berechnender Opportunist, den Religion wenig interessierte. Stattdessen vertraute er den Sternen.

Kaiser Ferdinand II.: Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Ferdinand II. (1578 bis 1637), war im persönlichen Umgang freundlich. Als seine Diener einmal seine Pantoffeln nicht finden konnten, nahm er es locker und lief barfuß herum: „Ist doch kein kaltes Wetter.“ Er war jedoch ein religiöser Eiferer. Auf dem Höhepunkt seines militärischen Erfolgs befahl er 1629, alle seit der Reformation in protestantische Hand gelangten Kirchengüter an die Katholiken zurückzugeben. Mit diesem Restitutionsedikt war die Fortsetzung des Krieges vorprogrammiert.

König Gustav Adolf von Schweden: Ferdinands Edikt führte direkt zur Intervention des schwedischen Königs Gustav II. Adolf (1594 bis 1632). Der charismatische Mittdreißiger beteuerte, dass es ihm dabei nur um seine protestantischen Glaubensbrüder gehe. Doch in Wahrheit wollte er sich auch die deutsche Ostseeküste sichern, um Schwedens Machtstellung im Baltikum zu stärken. Sein Feldzug verselbstständigte sich, als der militärisch versierte König überraschend immer größere Teile Deutschlands bis hin nach München eroberte. Dabei verwüsteten seine Truppen ganze Regionen und tyrannisierten die Zivilbevölkerung.

Kardinal Richelieu: Nach dem Tod Gustav Adolfs in der Schlacht von Lützen und einer schweren Niederlage der Schweden in der Schlacht bei Nördlingen hätte der Krieg 1635 mit dem Frieden von Prag beigelegt werden können. Doch nun griff der französische Regierungschef ein, der katholische Kardinal Richelieu (1585 bis 1642) – und zwar auf der Seite der Protestanten. Dem Strippenzieher in Purpur ging es darum, die in Wien und Madrid regierenden Habsburger zu schwächen, damit Frankreich zur führenden Großmacht aufsteigen konnte. Dadurch zog sich der Krieg letztlich bis 1648 hin.

(dpa)