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| 09:13 Uhr

Der Chronist im Porträt
Thietmar von Merseburg schrieb Geschichte

Eine Abbildung von Bischof Thietmar, vermutlich aus dem Jahr 1505, ist an der Chorschranke im Merseburger Dom zu sehen.
Eine Abbildung von Bischof Thietmar, vermutlich aus dem Jahr 1505, ist an der Chorschranke im Merseburger Dom zu sehen. FOTO: picture alliance/dpa / Hendrik Schmidt
Bautzen/Merseburg. Alles, was wir heute über den Friedensvertrag von Bautzen 1018 wissen, haben wir der Chronik des Bischofs zu verdanken. Von Bodo Baumert

Seine Chronik liest sich für Experten wie das „Who-is-who“ aus einer längst vergangenen Zeit: Thietmar von Merseburg (976-1018) ist mit seiner Chronik eine der wichtigsten Quellen für die Geschichte des frühen Mittelalters in Mitteldeutschland. Auch der Bautzener Frieden von 1018 ist uns dank seiner Aufzeichnungen überliefert. „Er hat die Entwicklungen als Zeitzeuge – und Parteigänger Heinrichs – miterlebt“, erläutert Friedrich Pollack vom Sorbischen Institut.

 1009 wurde Thietmar zum Bischof von Merseburg ernannt. Um 1012 begann er mit der Abfassung seiner Reichs- und Bistumschronik, die das Andenken der Ottonen, zu denen Heinrich zählte, bewahren sollte.

„Wer immer mit einem bedeutenden Werke hervortritt, erhofft sich davon Nutzen für Gegenwart und Zukunft, je nach Geschick und Begabung möglichst große Verbreitung der ihm anvertrauten Dinge und ihre Überlieferung zu immerdar lebendigem Erinnern.“ So hat es Thietmar selbst an den Beginn seiner Chronik gestellt. Das Werk besteht aus insgesamt acht Büchern, die den Zeitraum von 908 bis 1018 behandeln. Thietmar selbst starb am 1. Dezember 1018.

Eine zerstörte Lage der Originalhandschrift von Thietmar von Merseburg wird im Rahmen einer Sonderausstellung in Merseburg gezeigt.
Eine zerstörte Lage der Originalhandschrift von Thietmar von Merseburg wird im Rahmen einer Sonderausstellung in Merseburg gezeigt. FOTO: picture alliance/dpa / Hendrik Schmidt

Sein 1000. Todestag jährt sich ebenfalls in diesem Jahr. In Merseburg widmet man ihm deshalb aktuell eine Ausstellung. Unter dem Motto „Thietmars Welt. Ein Merseburger Bischof schreibt Geschichte“ werden rund 110 Exponate gezeigt. Anhand der Exponate mit Leihgaben aus dem In- und Ausland werden auf 400 Quadratmetern Kaiserkrönungen und Machtkämpfe von Herrschern ebenso wie die Sitten und Gebräuche, Nöte und Traumbilder der Menschen im Mittelalter dargestellt. Die Schau dauert bis 4. November.

Die Originalhandschrift der Chronik Thietmars gelangte im 16. Jahrhundert nach Dresden. Hier wurde sie im Zweiten Weltkrieg allerdings so beschädigt, dass sie heute kaum noch benutzbar ist. „Glücklicherweise hatte man bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine hochwertige Kopie anfertigen lassen“, erklärt Friedrich Pollack. So ist die Chronik auch heute noch für Forscher einsehbar. ⇥(mit dpa)