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| 23:15 Uhr

Lausitzer Geschichte
Adels-Schätze endlich wieder vereint

Die Sammlung Dohna-Schlobitten FOTO:
Berlin/Doberlug. Mit der Sammlung Dohna-Schlobitten bekommt das Schloss Doberlug einen wahren Schatz. Ab 2020 soll sie die Basis einer neuen Dauerausstellung sein. Doch was ist das für eine Sammlung und wo kommt sie her? Wir haben nachgefragt. Von Bodo Baumert

Von einem „Glücksfall“ für Doberlug spricht Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD), von einer „einzigartige Sammlung“ Hartmut Dorgerloh, der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Bei so vielen Vorschusslorbeeren sind die Erwartungen an das, was ab 2020 in Doberlug-Kirchhain präsentiert werden soll, groß.

Um zu verstehen, was dahintersteckt, muss man drei Dinge kennen: die Geschichte der Familie, die Geschichte der Sammlung und schließlich die Sammlung selbst.

Beginnen wir mit Geschichte der Familie. Im alten Preußen gehörte das Adelsgeschlecht Dohna-Schlobitten zu den führenden Familien. Von der Gründung der preußischen Landwehr bis Stalingrad und zum Hitlerattentat vom 20.Juli lassen sich die Spuren der zumeist im Militär tätigen Schlobitter verfolgen.

Seinen Ursprung hat das Adelsgeschlecht allerdings in Sachsen. 1127 werden die Dohnas erstmals urkundlich erwähnt. Seit 1144 besitzen sie die Burggrafschaft Dohna, die allerdings 1402 an die Burggrafen von Meißen verlorengeht. Ein Teil der Adelsfamilie übersiedelt in die Schweiz, ein anderer ins heutige Polen, wo die Ländereien des ehemaligen Deutschen Ordens schrittweise in ein weltliches Herzogtum verwandelt wurden. Peter Burggraf zu Dohna spielt dabei eine wichtige Rolle und wird dafür mit der Herrschaft Schlobitten belohnt, die bis 1945 zum Stammsitz des Adelsgeschlechtes werden soll.

In der Adelsgesellschaft Preußens nahmen die Schlobitten bald eine wichtige Position ein. „Nicht Reichtum und Geld entschieden in der hierarchisch strukturierten Adelsgesellschaft über den Platz des Einzelnen, sondern das Alter seines Geschlechts, seine Nähe zum Herrscher und sein Amt“, erläutert Claudia Meckel, Sammlungskustodin bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. „Die genealogischen Beziehungen mit den regierenden Häusern verhalfen den Dohnas zu ihrer herausragenden Stellung unter den Adelsgeschlechtern. Als eine von sechs Familien gehörten die Dohnas dem Herrenstand, der Spitzengruppe des Adels an.“

So war etwa Alexander Burggraf zu Dohna (1661 bis 1728) als Feldmarschall im Dienste Friedrichs I. tätig und als Erzieher des Kurprinzen Friedrich Wilhelm. Er baute auch das Schlobitter Schloss zu einem Herrschaftssitz aus, der sich sehen lassen konnte. Preußens Könige sollten hier, wenn sie auf Reisen waren, Station machen. Deshalb wurde gezielt auf Stil und Einrichtung gesetzt, die dem Herrscherhaus aus Berlin vertraut war.

Zu seinen Prachtzeiten umfasste das Schloss Schlobitten 70 Räume, darunter ein eigenes Appartement für Aufenthalte des Königs, mit einem Chinesischen Kabinett. Dieses wurde in vergangenen Jahren auf Grundlage alter Bilder und Beschreibungen digital rekonstruiert. Ein Video finden Sie auf www.lr-online.de/geschichte.

Die Familie war aber nicht nur im Dienste Preußens tätig. „Viele Dohnas waren Offiziere und Diplomaten in europäischen Ländern. Die Dienste in andern Ländern verhinderten die Ausbreitung nationaler Vorurteile und die Verengung des politischen Horizonts“, erläutert Claudia Meckel. Auch diese Dimension lässt ich in den erhaltenen Stücken der Sammlung entdecken.

Am 1. Januar 1900 wurden die Dohnas mit dem Fürstentitel ausgezeichnet und noch weiter in der Adelshierarchie erhoben. Auch im Deutschen Reich spielte die Familie im Militär weiter eine Rolle. Heinrich Burggraf zu Dohna gehörte zu den gescheiterten Hitlerattentätern des 20. Juli. Alexander Fürst zu Dohna-Schlobitten war einer der letzten Deutschen, der aus dem Kessel von Stalingrad ausgeflogen wurde.

Der Fürst war es dann auch, der das rasche Ende des Krieges kommen sah und begann, Familie, Bedienstete und Besitz aus Ostpreußen zu evakuieren – unter großem Risiko. „Da die Nationalsozialisten Fluchtvorbereitungen unter Todesstrafe gestellt hatten, musste alles im Geheimen ablaufen“, erinnert sich Friedrich Graf zu Dohna-Schlobitten in einem Aufsatz über die Geschichte des Familien-Inventars. Unter Führung des Fürsten machte sich die Gruppe mit 330 Personen, 140 Pferden und 38 Wagen im Januar 1945 auf den Weg nach Westen. 1500 Kilometer sollten sie auf Irrwegen zurücklegen, ehe sie sicher in Norddeutschland anlangten.

Das Inventar des Schlosses war bereits zuvor in Zügen und Wagen gen Westen in Sicherheit gebracht, verteilt auf mehrere Schlösser befreundeter Adliger und Verwandter, darunter auch Muskau an der Neiße. „Von den fünf Depots überstand nur das Inventar im Schloss Laubach in Hessen den Zweiten Weltkrieg und die Wirren der Nachkriegszeit unbeschadet“, berichtet Expertin Claudia Meckel. „Schloss Schlobitten wurde noch im Januar 1945 geplündert und im März des gleichen Jahres angezündet.“ heute existiert nur noch eine Ruine.

Dass der letzte Fürst von Schlobitten solche Mühen darauf verwendete, die Familienerbstücke in Sicherheit zu bringen, lässt sich mit der besonderen Geschichte der Sammlung erklären. „Eine entscheidende Grundlage für Aufbau und Erhalt der Sammlung war das ‚Ewige Testament‘, die 1621 beschlossene Dohnasche Familienverfassung“, erläutert Claudia Meckel. Diese regelte religiöse und soziale Aspekte wie das Streben nach möglichst umfassender Bildung für die Jugend, traf aber auch Vorkehrungen für die Erbrechte. „Die im Wesentlichen durch Erbstücke, Mitgiften und Geschenke entstandene Sammlung wurde als Vermächtnis an die nachfolgenden Generationen weitergereicht“, so Claudia Meckel. Dieser „Fideikomiss“ hatte auch für das Inventar Geltung. So wurde von Generation zu Generation ein Schatz angehäuft.

Auch Alexander Fürst zu Dohna-Schlobitten fühlte sich dem verpflichtet, als er ab 1943 die Evakuierung vorantrieb. Zwar gingen dann durch die Wirrungen des Krieges zwei Drittel der Sammlung verloren. Der Fürst kämpfte aber bis ins hohe Alter, verschwundene Teile, die etwa in der DDR beschlagnahmt wurden, wieder mit dem Rest der Sammlung zusammenzuführen.

Dies mündete schließlich im Angebot an die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, die bereits 1978 Teile der Sammlung aufgekauft hatte. „Der Wunsch des Fürsten Alexander zu Dohna, das gerettete Kunstinventar des Schlobitter Schlosses als geschlossenen Komplex auszustellen, hat ihn bewogen, auch die bis zur Wiedervereinigung in den Depots verschiedener DDR-Museen bewahrten und ihm zurückgegebenen Inventarstücke den Preußischen Schlössern und Gärten zum Kauf anzubieten“, erklärt Kustodin Claudia Meckel. 1992 und 1999 gelang so die Zusammenführung der Sammlung, die allerdings nur in Teilen im Schloss Charlottenburg und später im Schloss Schönhausen in Berlin gezeigt werden konnte. „Der größere Teil ist noch deponiert“, berichtet Claudia Meckel.

Die Sammlung in ihrem vollen Gänze soll sich in Zukunft im Schloss Doberlug den Besuchern zeigen. Es handelt sich um über 1000 Einzelstücke, darunter 72 Gemälde, 35 Möbelstücke, über 200 Porzellane und Fayencen, 48 Gläser, über 600 Objekte aus edlen und unedlen Metallen, 250 kunsthandwerkliche Einzelgegenstände verschiedener Materialien und mehr als 500 Textilien. Einige Bilder der Sammlungen haben wir Ihnen hier zusammengestellt.

Zu den bedeutendsten Stücken der Sammlung gehört das Toiletteservice der Burggräfin Amalie Luise zu Dohna-Schlobitten, welches  1710 im Zusammenhang mit der Neueinrichtung des Schlobitter Barockschlosses anfertigt wurde. Das Service ist heute mit 21 Einzelteilen das einzige in solcher Vollständigkeit erhaltene Berliner Toiletteservice aus der Zeit der ersten preußischen Könige. „Des Weiteren wären zu nennen der Augsburger Kabinettschrank, Potsdamer Gläser, auch Gemälde, wie das vom Berliner Hofmaler Antoine Pesne gemalte Porträt Friedrich Wilhelms I.“, zählt die Kustodin auf. Insgesamt umfasst die Sammlung Einen Zeitraum von fünf  Jahrhunderten, vom späten 16. bis ins 20. Jahrhundert. Zu den ältesten Stücken gehört ein Inkunabel der Musikgeschichte aus dem Jahr 1592 sowie Altarkelch mit dem Dohna-Wappen und der Jahreszahl 1602. „Dieses gerettete Inventar vermag trotz der Verluste noch immer ein nahezu vollständiges Bild vom Leben und Wirken einer Folge von Generationen einer der politisch einflussreichsten Adelsfamilien vom späten 16. bis ins 20. Jahrhundert zu geben“, erklärt Claudia Meckel. Für Schloss Doberlug biete sich damit die Chance, „eine beispielgebende Darstellung der kulturgeschichtlichen Dimensionen adeligen Lebens im europäischen Kontext“ zu zeichnen. Ein wahrer Schatz.

Die Sammlung Dohna-Schlobitten FOTO: