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| 10:54 Uhr

Eine Heimatforscherin erzählt
200-jährige Cottbuser Baumkuchen-Tradition noch älter?

 In diesem Kochbuch aus dem Jahr 1781, verfasst von dem Stadtkoch Marcus Loofft in Itzehoe, 12. verbesserte Auflage, gedruckt in Lübeck, finden sich verschiedene Baumkuchen-Rezepte - lange vor der Gründung der auch heute noch als erste Adresse und Wiege der Baumkuchenproduktion in Deutschland geltenden Gründung der "Ersten Salzwedeler Baumkuchenfabrik Hennig". Sie geht auf auf Johannes Andreas Schernikow zurück, der die Baumkuchenfabrik 1807 in Salzwedel gründete und als königlicher Hoflieferant mit einem besonderen Rezept noch im 19. Jahrhundert den Baumkuchen zur weltweiten Berühmtheit brachte.
In diesem Kochbuch aus dem Jahr 1781, verfasst von dem Stadtkoch Marcus Loofft in Itzehoe, 12. verbesserte Auflage, gedruckt in Lübeck, finden sich verschiedene Baumkuchen-Rezepte - lange vor der Gründung der auch heute noch als erste Adresse und Wiege der Baumkuchenproduktion in Deutschland geltenden Gründung der "Ersten Salzwedeler Baumkuchenfabrik Hennig". Sie geht auf auf Johannes Andreas Schernikow zurück, der die Baumkuchenfabrik 1807 in Salzwedel gründete und als königlicher Hoflieferant mit einem besonderen Rezept noch im 19. Jahrhundert den Baumkuchen zur weltweiten Berühmtheit brachte. FOTO: Sammlung Dora Liersch / LR
Cottbus. Die Cottbuser Baumkuchen-Tradition ist seit 1819 verbrieft, könnte aber weitaus länger zurückreichen – Ein Ausflug in die Historie mit der Cottbuser Heimatforscherin Dora Liersch. Von Beate Möschl

„Bei Baumkuchen kann ich nicht Nein sagen“, scherzt Dora Liersch. Das trifft sowohl auf den Genuss des in Konditor-Kreisen gern „königlich“ genannten Kuchens zu als auch auf die Beschäftigung mit der Historie. Selbst Carsten Hajek, Inhaber und Geschäftsführer der Cottbuser Baumkuchen Manufaktur und der Conditorei Lauterbach, verweist Neugierige, die mehr wissen wollen, gern an die bekannte Cottbuser Heimatforscherin. Von ihr und aus dem Nachlass von Max Lauterbach und Nachfolgern hat auch er sein Wissen zur Tradition und Besonderheit des Cottbuser Baumkuchens.

Cottbuser Baumkuchen in Japan beliebt

Zweimal pro Woche gibt er es bei öffentlichen Führungen und dem Schaubacken in seiner Cottbuser Baumkuchen Manufaktur anschaulich weiter. Mit einer Begeisterung, die seine Gäste gerne festhalten - in Form von Fotos und Baumkuchen als Souvenir. So kommt die Cottbuser Spezialität einmal mehr hinaus in die Welt, wo begeisterte Genießer von Cottbus und der tollen Tradition berichten. Und davon, dass die Stadt an der Spree selbst in Japan als dritte weltweit bekannte deutsche Baumkuchen-Stadt nach Salzwedel und Dresden einen Namen hat.

Aber, ist Baumkuchen tatsächlich eine lokale oder regionale Spezialität? Schließlich bäckt bis heute jede gute Konditorei, die etwas auf sich hält, noch oder wieder Baumkuchen. „Das ist gut so und wird der Historie sogar gerecht“, sagt Heimatforscherin Dora Liersch. Schließlich habe es auch in Cottbus schon immer mehrere Baumkuchen-Bäcker gegeben – ihres Zeichens „Pfefferküchler“ und „Konditormeister“.

„Die Reihe der Ahnen können Cottbuser und Besucher der Stadt jederzeit verfolgen und nachlesen. An der Fassade des Hauses Mühlenstraße 45/Ecke Spremberger Straße 4, dem Sitz der „Cottbuser Baumkuchen-Manufaktur“, lädt sie zum historischen Stadtspaziergang ein. Zwischen den Fenstern der zweiten Etage prangen an sechs Glastafeln die Namen aller Meister in der Tradition von Maria Groch, die 1819 die Spezialität in der Cottbuser Altstadt herstellte. Darunter sind Hermann Friedland, Marie Nicus, Hermann Engemann, Julius Schneider, Karl Tinius, Albert Reinsberg, Max Lauterbach, Hermann Seidel, Bruno Gerlach, Georg Prinz und Hermann Buchwald.

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Cottbuser Baumkuchenmanufaktur FOTO:

Cottbuser Bauchkuchen-Tradition 200 Jahre und älter?

„Maria Groch soll als Erste 1819 mit der Baumkuchenherstellung begonnen haben in Cottbus“, berichtet Dora Liersch anhand alter Adressbücher und Zeitungen aus privaten Nachlässen und dem Stadtarchiv. „Hinter den 200 Jahren steht ein großes Fragezeichen. Ob Baumkuchen in Cottbus tatsächlich erst 200 Jahre Tradition hat, das lässt sich so eindeutig nicht belegen“, sagt Dora Liersch. Sie verweist auf ein Kochbuch aus dem Jahr 1781, verfasst von dem Stadtkoch Marcus Loofft in Itzehoe.

 Kopien aus der Sammlung der Cottbuser Heimatforscherin Dora Liersch geben Auskunft über die einzig noch verfügbaren Nachweise für die Anfänge und Bedeutung der Baumkuchen-Bäckerei in Cottbus. Per Anzeigen in den damals üblichen Adressbüchern oder im "Cottbuser Anzeiger" warb Wilhelmine Kluge, geb. Groch,  die Tochter von Maria Groch,  für die traditionsreiche Baumkuchenspezialität ais dem Familienbetrieb. Natürlich wirbt man auch damals schon mit verdienten Lorbeeren: Maria Groch war königliche Hoflieferantin. Die Preise für die in aufwändiger Handarbeit mit viel Geschick hergestellte Spezialität waren auch für damalige Verhältnisse schon königlich.
Kopien aus der Sammlung der Cottbuser Heimatforscherin Dora Liersch geben Auskunft über die einzig noch verfügbaren Nachweise für die Anfänge und Bedeutung der Baumkuchen-Bäckerei in Cottbus. Per Anzeigen in den damals üblichen Adressbüchern oder im "Cottbuser Anzeiger" warb Wilhelmine Kluge, geb. Groch, die Tochter von Maria Groch, für die traditionsreiche Baumkuchenspezialität ais dem Familienbetrieb. Natürlich wirbt man auch damals schon mit verdienten Lorbeeren: Maria Groch war königliche Hoflieferantin. Die Preise für die in aufwändiger Handarbeit mit viel Geschick hergestellte Spezialität waren auch für damalige Verhältnisse schon königlich. FOTO: LR

„Darin finden sich mehrere Baumkuchenrezepte, die sich vor allem durch die Anzahl der verwendeten Eier und in den Gewürzen unterscheiden“, schildert sie und sagt: „Das belegt, dass die Herstellung von Baumkuchen schon im 18. Jahrhundert bekannt war. Das Rezept der Maria Groch bildet in Cottbus bis heute die Grundlage für die Herstellung der Spezialität. Es lebt in der Cottbuser Baumkuchen Manufaktur fort. Dass die Kochfrau überhaupt als erste Baumkuchenbäckerin in Cottbus bekannt wurde, geht auf Überlieferungen einer ihrer Töchter zurück. „Kochfrauen waren die ersten Hersteller des Baumkuchens – bekannt geworden sind sie damit meistens nicht. Maria Groch ist eine Ausnahme“, so die Heimatforscherin.

Maria Groch erste Baumkuchenbäckerin in Cottbus

Wann Maria Groch, geborene Haupt, nach Cottbus kam und wo sie vermutlich als Kochfrau arbeitete, ist bisher nicht bekannt, auch nicht wann sie ihren späteren Ehemann Matthes Groch kennenlernte. „Geheiratet haben sie am 1. Januar 1826“, berichtet Dora Liersch. Das geht aus alten Kirchenbüchern hervor. Ebenso, dass Maria Groch drei Kinder geboren hat.

Maria Groch verstarb am 26. Februar 1864 im Alter von 62 Jahren. „Einen besonderen Nachruf, der auf den Fleiß und die Tätigkeit der Maria Groch als Kochfrau oder Baumkuchenherstellerin hinweist, gibt es nicht“, bedauert Dora Liersch und merkt an, dass das freilich der damaligen Zeit geschuldet ist, die den Frauen keinen besonderen Platz einräumte.

Den hat sich allerdings Maria Grochs Tochter Karoline Wilhelmine, verheiratete Kluge, erarbeitet. Sie erhielt auf Antrag ihrer Tochter Klara den Titel „Kronprinzliche Hoflieferantin“. In Geschäftsanzeigen, die Karoline Wilhelmine Kluge in Adressbüchern aus dem Jahre 1891 und 1905 schaltete, ist der Zusatz „erstes ältestes Baumkuchengeschäft“ erstmals zu lesen.

Maria Groch-Denkmal in Cottbus

1989/90 setzte die Stadt Cottbus Maria Groch ein Denkmal - mit dem Marktbrunnen auf dem Cottbuser Altmarkt. Die Figurengruppe auf der Mittel-Stele zeigt einen Fischer, eine Marktfrau und Maria Groch – in Biedermeier-Tracht und einen Baumkuchen in der Hand haltend.

 Die Figurengruppe auf der Mittel-Stele zeigt einen Fischer, eine Marktfrau und Maria Groch mit Baumkuchen in der Hand.
Die Figurengruppe auf der Mittel-Stele zeigt einen Fischer, eine Marktfrau und Maria Groch mit Baumkuchen in der Hand. FOTO: Michael Helbig