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| 19:12 Uhr

Interview mit Uwe Kockisch
„Eigentlich gibt es zu wenig Preise!“

Uwe Kockisch verrät seinen Lieblinsgfilm nicht vorher, den er am Sonntag um 15 Uhr im Weltspiegel präsentiert. Wie jedoch aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war, soll es sich um eine tschechoslowakische komödie aus den späten 60er-Jahren handeln.
Uwe Kockisch verrät seinen Lieblinsgfilm nicht vorher, den er am Sonntag um 15 Uhr im Weltspiegel präsentiert. Wie jedoch aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war, soll es sich um eine tschechoslowakische komödie aus den späten 60er-Jahren handeln. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Der aus Cottbus stammende Schauspieler ist in diesem Jahr Mitglied der internationalen Festival-Jury. Von Peter Blochwitz

Der 1943 in Cottbus geborene Schauspieler Uwe Kockisch („Weissensee“, „Donna Leon“) ist in diesem Jahr Mitglied der fünfköpfigen Festival-Jury in Cottbus. Er entscheidet mit über die wichtigsten Preise des Festivals, die am Samstag vergeben werden. Das sind der Hauptpreis für den besten Film, der Preis für die beste Regie sowie die Preise für eine herausragende Darstellerin und einen herausragenden Darsteller. Die RUNDSCHAU sprach mit Uwe Kockisch.

Herr Kockisch, schön, Sie wieder mal in Cottbus begrüßen zu können. Wie ist denn eigentlich noch die Verbindung zu der Stadt, aus der Sie stammen?

Kockisch Mein Bruder lebt noch hier in Cottbus, und dadurch bin ich auch immer über Cottbus ganz gut informiert. Ansonsten, wo ich auch bin, lese ich alles, was ich über Cottbus finde.

Da  sind Sie auch gut im Bilde, was das Festival angeht?

Kockisch Auf jeden Fall. Vom Festival wusste ich immer schon. Ich wusste auch von der Bedeutung. Es ist ja eine gewisse Einmaligkeit, wie so ein Brückenkopf –  natürlich nicht militärisch, sondern kulturell – zwischen Osteuropa und Mitteleuropa. Das finde ich sehr wichtig und sehr gut. Ich finde auch, was ich bisher gesehen und gehört habe, dass sehr interessante Filme hier laufen.

Sie sind bei diesem Festival Mitglied der Internationalen Jury, die den  Hauptwettbewerb Spielfilm unter die Lupe nimmt. Wie ist denn Ihr Grundeindruck von dem, was Sie gesehen haben?

Kockisch Grundsätzlich bin ich sehr erstaunt über die hohe Qualität der Filme – ich bin echt begeistert. Ich habe ja schon einiges gehört über die Filme bei diesem Festival, und jetzt bin ich hier und sehe das alles konkret! Und ich muss sagen, ich bin einfach auch als Cineast echt begeistert über die Qualität und über die Vielfalt. Die ist sehr groß, sodass es nicht so einfach ist  zu bewerten. Als Juror muss ich sagen: Eigentlich gibt es zu wenig Preise! Es haben so viele etwas verdient. Bei diesem hohen Niveau der Filme ist es sehr schwer, da welche nicht mit Preisen zu bedenken. Eine Auswahl zu treffen, ist wirklich schwierig.

Ich stelle mir das ohnehin schwierig vor, in  einer Jury zu Entscheidungen zu kommen. Jemand sieht die Filme vielleicht eher mit den Augen eines Regisseurs, ein anderer eher als Schauspieler, möglicherweise spielen auch unterschiedliche Lebensalter und Prägungen eine Rolle ... Fliegen denn da die Fetzen?

Kockisch Nee, überhaupt nicht. Das ist ja nicht meine erste Jury-Arbeit, und ich gehe natürlich immer von meinen Eindrücken aus, und dann müssen wir uns irgendwann einigen. Und wenn dann mein Favorit nicht dabei ist, hab’ ich Pech, das ist eine Mehrheitsentscheidung. Das ist eigentlich relativ einfach: Jeder bringt seine Meinung mit, dass ist ja kein Basar, wo man was hin-und hertauscht. Schwieriger ist es für mich selbst. Ich habe, sagen wir mal eine Zahl, vier Favoriten, aber irgendwann muss ich mich selber entscheiden. Das ist sehr schwer. Ich habe immer das Gefühl, dass ich jemand anderen oder eigentlich mehrere, die es im Grunde genommen gleichfalls verdient haben, ausschließe. Das Selektieren ist furchtbar schwer.

Nun sind die Wettbewerbsfilme ja auch gewissermaßen der Extrakt aus den vielen Filmen, die vom Festival im Laufe des Jahres gesichtet und sortiert wurden ...

Kockisch Eben, es sind noch so viele übrig – und zu wenig Preise zu vergeben!

Außer der Jury-Arbeit haben Sie noch einen Festival-Termin am Sonntag im Weltspiegel, Sie stellen Ihren Lieblingsfilm vor. Welcher das ist, wollten Sie am Dienstag bei der Festival-Eröffnung nicht verraten. Immer noch nicht?

Kockisch Nee!

Ein Wort zu neuen Projekten, Fernseh-Arbeiten?

Kockisch Wir arbeiten ja weiter an „Weissensee“ im kommenden Jahr, auch in Italien („Donna Leon“, d. A.), Filme die noch geschrieben werden – ja, es reicht dicke.

Mit Uwe Kockisch
sprach Peter Blochwitz