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| 15:15 Uhr

Spremberg
Filmschau-Preis gewonnen, alles gut? Mitnichten!

Moderator r Christian Matthée interviewt Andreras Köfer, der den Hauptpreis entgegengenommen hat.
Moderator r Christian Matthée interviewt Andreras Köfer, der den Hauptpreis entgegengenommen hat. FOTO: Michael Helbig
Spremberg/Cottbus. Alexandra Gafke aus Spremberg erhält Hauptpreis der Jury  Cottbus. Ihre Unterstützer nutzen diesen Anlass nicht nur zum Feiern.

Das Werk einer jungen Frau aus Spremberg hat am Montagabend den Hauptpreis der Cottbuser Filmschau im Weltspiegel gewonnen. Ihre Unterstützer nutzen diesen Anlass nicht nur zum Feiern, sondern auch zur Kritik: Sie vermissen für die Spremberger Filmschule eine öffentliche Förderung, die über warme Worte hinausgeht.

Montag, 14 Uhr. In fünf Stunden wird die Cottbuser Filmschau beginnen. Derweil zweifeln zwei Männer in Spremberg daran, dass sich ihr Einsatz lohnt. Holger Fahrland leitet die Lausitziale, das Filmfest aus Spremberg, das sich im Jahr 2013 gegründet hat. Der Kameramann Andreas Köfer, Sohn des Schauspielers Herbert Köfer,  betreut die Filmschule, in der junge Leute lernen, was zu diesem Handwerk gehört.

Beide sind „einigermaßen verzweifelt“, wie Andreas Köfer sagt. Er unterstützte die 18-jährige Alexandra Gafke aus Spremberg bei ihrem Kurzfilm mit der berühmten Schauspielerin Carmen-Maja Antoni. Seit 40 Jahren arbeitet er als Kameramann, unter anderem für den Polizeiruf und die ZDF-Krimiserie „Stubbe – von Fall zu Fall“.

Und nun denkt er darüber nach, sein ehrenamtliches Projekt in Spremberg aufzugeben. „Seit vier Jahren bemühen wir uns, mit der Filmschule was auf die Beine zu stellen“, erklärt Andreas Köfer. „Ich wundere mich darüber, dass wir keine Unterstützung seitens der Stadt bekommen.“

Der Lausitziale-Vorsitzende Holger Fahrland pflichtet ihm bei. „Im Grunde stehen wir doch vor der Frage, ob wir uns diesen Aufwand künftig noch leisten können.“

Später am Abend, im Cottbuser Weltspiegel, vergessen sie für einen Moment ihre Sorgen. Denn unter 15 eingereichten Kurzfilmen wählt die Jury das Werk von Alexandra Gafke für ihren Hauptpreis aus. In ihrer Begründung heißt es: „Die Stärke des Films besteht darin, dass er sich statt auf Dialoge ganz auf das kinematografische Erzählen verlässt.“ Die junge Frau kann den Preis nicht persönlich entgegen nehmen, da sie nach Irland gezogen ist. Erst mal will sie ein halbes Jahr dort bleiben, „um einfach den Kopf freizubekommen“, wie sie hofft, „weit weg vom gewohnten alltäglichen Stress“.

Ihre Förderer äußern sich verblüfft, als herauskommt, dass der Hauptpreis der Jury nach Spremberg geht. „Ich bin dermaßen begeistert“, sagt Andreas Köfer. „So ein Erfolg, und das bei dieser starken, hochwertigen Konkurrenz.“

Da wirbt eine Sprembergerin für ihre Stadt, auch wenn sie gerade in Irland weilt. Doch von der Stadt kommt nichts zurück. So sieht es Andreas Köfer. Unterm Strich, sagt er, seien sie mit ihrer Initiative allein. Auf diese Weise sehe er keine Chance mehr, die Filmschule weiter zu führen. Die Technik, die Ausstattung, die vielen Fahrten von einem Ort zum anderen – all das koste schließlich Geld. Der Kameramann erinnert sich daran, dass ihm die Mitarbeiter des Rathauses zwar mal Räume für die Filmschule anboten. Doch dafür hätte er eine Miete samt Nebenkosten zahlen müssen. „Das kann ich mir nicht leisten.“

Ohnehin scheinen die Fachleute in ihren Gesprächen über den Strukturwandel in der Lausitz einen Aspekt zu vergessen, wie der Kameramann feststellt. „Mindestens genau so wichtig wie die technischen Fragen ist doch eine kulturelle Basis“, gibt Andreas Köfer zu bedenken. „Wo es an solchen Angeboten fehlt, siedelt sich auch kein Dax-Unternehmen an.“

Dabei finden die Aktionen der Lausitziale durchaus Anklang in Spremberg und anderen Städten der Region. Als Beispiel nennt der Vorsitzende Holger Fahrland einen Abend vom Sommer im Speicher vor vollem Saal. Dort sahen die Besucher neben weiteren Filmen von Schülern erstmals auch das fertige Werk von Alexandra Gafke, das am Montagabend den Hauptpreis der Jury in Cottbus erhalten hat.