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| 12:20 Uhr

Dokumentation über Skater in der DDR
Mit dem Rollbrett in die Freiheit

Große Freiheit auf kleinen Rollen: Der Film „This Ain`t California“ über das Lebensgefühl der Skater in der DDR der 80er Jahre.
Große Freiheit auf kleinen Rollen: Der Film „This Ain`t California“ über das Lebensgefühl der Skater in der DDR der 80er Jahre. FOTO: Harald Schmitt (FFC) / Harald Schmitt
Cottbus. Sie führen ein Leben wie Rockstars. Mit staunendem Publikum, vielen Frauen und Exzess. Ihre Bühne: Der Beton auf dem Alexanderplatz in den 1980er Jahren. Die Kinoproduktion „This Ain`t California“ feiert das Lebensgefühl einer Subkultur in der DDR. Der Cottbuser Kameramann und Autor Donald Saischowa hat den Film für die RUNDSCHAU gesehen und erklärt in einem Videobeitrag, warum er unbedingt sehenswert ist. Von Christina Wessel

Begeisterung und Staunen lösen die Skater bei ihren Zuschauern durch die Akrobatik auf ihren Boards aus. Über einen Freundeskreis in Zeiten von Stasi und Überwachung hat Marten Persiel 2012 die Dokumentation „This Ain`t California“ gedreht, die zwischen Fakten und Fiktion changiert. Viele Aufnahmen stellte Regisseur Persiel für den Film nach. Er nennt ihn „eine dokumentarische Erzählung“ und gewährt mit seinen Bildern Einblick in eine Subkultur der DDR, die bislang noch keinen filmischen Ausdruck gefunden hat.

Während also der Alltag zwischen Plattenbau und Arbeit stattfindet, erobert sich die Gruppe um den wilden Denis Paracek auf kleinen Rollen die große Freiheit. Sie skaten. Damit finden sie eine Nische, in der sie fernab der Reglementierung leben können. Im Film ist dieser Denis zunächst ein ehrgeiziger Junge, der ganz im Sinn des Vaters, einem Sporttrainer, die Schwimmkarriere anstrebt. Doch irgendwann treiben ihn Drill und Wettbewerb aus seinem Magdeburger Zuhause in die Hauptstadt nach Berlin. Dort gibt es das Gegenprogramm zu Disziplin und Erfolg: Die ungezügelte Lust am Spiel, an der Bewegung und an den Tricks auf dem Brett. Denis, so erzählt es der Film, entwickelt sich zu einem Rebellen, der Grenzen überschreitet. Auf dem Dach eines Trabanten experimentiert er mit neuen Sprüngen auf dem Board und schockiert damit seine Freunde.

Irgendwann sind die Rollbrettfahrer, wie sie in der DDR-Sprachregelung genannt wurden, auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Bei der Euroskate, die 1988 in Prag stattfand, lernen sie westdeutsche Skater und internationale Stars der Szene kennen. Und Denis, so erzählt es der Film wohl in einer der fiktiven Sequenzen, lernt den Kalifornischen Skate-Veteranen Mark Gonzales kennen. Nach der Rückkehr in der DDR ist ein deutsch-deutscher Wettbewerb auf den Straßen Ost-Berlins geplant, bei dem es zum Eklat kommt. Die Stasi greift ein und verhaftet Denis, der sich zu einem Rädelsführer der DDR-Skater entwickelt hat.

Freiheit bleibt für Persiels Hauptfigur auch nach der Wende nur ein Versprechen auf vier Rollen. Denis , so steht es im Abspann der Kinoproduktion, kam 2011 als Soldat in Afghanistan ums Leben. Auch wenn diese dokumentarische Erzählung mehr Fiktion als Fakten beinhalten sollte, so bleibt das Lebensgefühl, das die nachgestellten, inszenierten Szenen und echten Amateuraufnahmen vermitteln, eine große Stärke des Films. Sehenswertes Kino, das die Kraft der Subkultur feiert.

FOTO: LR / Janetzko, Katrin