Mucksmäuschenstill war es im Saal, als Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) die Ergebnisse einer Untersuchung vorstellte, die deutlich machte, zu welchen Teilen die Ortsteile der Berstestadt in 40 Jahren noch bewohnt sein werden. Am Beispiel Karche-Zaacko wurde klar, dass mit dem prognostizierten Einwohnerschwund von heute 241 auf 150 im Jahr 2050 die meisten Gehöfte leer stehen werden.

„Gelingt dann noch die Versorgung?“, fragte Lehmann und zählte auf: „Der Brandschutz? Der Winterdienst? Bezahlbares Wasser?“ Es müsse radikaler darüber nachgedacht werden, wie sinnvoll es sei, Neubaugebiete auszuweisen, oder ob lieber Förderungen ausgeschrieben werden sollten für Menschen, die in leer stehende Gebäude einziehen. Lehmann fragte auch, ob weiterhin so viele Friedhöfe gepflegt werden können oder ob sie entwidmet werden müssten, ob die Straßenreinigung wie jetzt noch funktionieren kann.

Lehmanns Vortrag beleuchtete die problematische Seite des demografischen Wandels. Jens Lehmann vom Awo-Regionalverband Süd betonte, dass hohen Ansprüchen bei Pflege und Betreuung ökonomische, sprich wirtschaftliche Zwänge gegenüberstehen. „Alle Wohlfahrtsverbände werden noch stärker als bisher marktwirtschaftlich agieren müssen“, sagte er.

Dr. Johannes Plümpe vom Institut für Gerontologie und Bildung fesselte die Aufmerksamkeit der Zuhörer ebenso, konzentrierte sich aber auf ein ganz anderes Thema. „Die Gruppe der alten Menschen gibt es nicht“, lautete seine These. Viel wichtiger als die Frage, wann man alt und wann man jung ist, sei, was Menschen in ihrer Lebensentwicklung beeinflusst. Bildung und Beruf gehören dazu, ebenso der Umgang mit Krisen, die Anzahl, Art und Identität der Beziehungen und die gesellschaftliche Anerkennung. Das wiederum ergänzte einen Punkt, den Ulrich Wendte vom Land Brandenburg ansprach. Die Brüche in der Biografie vieler Ostdeutscher, die „tiefe persönliche Kränkung, nicht mehr gebraucht zu werden“, steckt ihm zufolge hinter vielen Problemen. Ehrenamtliche Arbeit könne das Gefühl vermitteln, gebraucht zu werden, und Selbstbewusstsein stärken.

Plümpe schloss: „Es fällt keine Klappe, wenn das Alter anfängt“ und brach eine Lanze für ein Bewusstsein, dass Menschen sich ein Leben lang weiterentwickeln können – in viele Richtungen.

Sozialdezernent Carsten Saß (CDU) vom Landkreis machte deutlich, dass auch in Dahme-Spreewald unter den Älteren eine große Vielfalt herrscht. 397 ausgefüllte Fragebogen zum Thema Freizeitgestaltung und Ehrenamt legten diesen Schluss nahe. Mit Hilfe dieser Aussagen will der Landkreis die Bedürfnisse seiner Senioren genauer erfassen. 2006 hatte der Kreistag sich politisch zur Arbeit für und mit Senioren bekannt. Diese Leitlinien werden seither gemeinsam mit den Seniorenbeiräten (den Kreisvorsitz hält Wolfgang Grunert) mit Leben gefüllt. Das alle zwei Jahre stattfindende Seniorenforum ist ein Teil davon.