Langsamere Reaktionszeiten und die abnehmende Sehfähigkeit begünstigen Unfälle bei Fahrzeugführern betagteren Alters, schätzt Polizeisprecher Torsten Wendt ein. Häufigste Unfallursachen seien das Nichtbeachten der Vorfahrt und das falsche Einschätzen des Abstandes zu anderen Fahrzeugen im Straßenverkehr. "Senioren sind selten zu schnell", sagt Wendt mit Blick in die Statistik. Zudem halten sich die Über-65-Jährigen "überwiegend noch an die Null-Promille-Regelung", das strikte Alkoholverbot am Steuer aus DDR-Zeiten, das bei Erwerb des Führerscheines galt. Dies werde bei Verkehrskontrollen sehr deutlich. Als Radfahrer und Fußgänger fallen unfallbeteiligte Senioren dagegen oft als Ampel-Rot-Sünder auf. "Gern wird das Stop-Signal an der Fußgängerampel in der Straße der Jugend in Höhe des Cottbuser Pressehauses missachtet", sagt der Sprecher des Schutzbereiches. Dass Senioren im Unfallgeschehen laut der Verkehrsbilanz des vergangenen Jahres mehr Gas geben, liegt hauptsächlich an der demografischen Entwicklung, schätzt Polizeidirektor Olaf Fischer, der Leiter des Schutzbereichs Cottbus/Spree-Neiße, ein. "Bei einem Anteil von 27,7 Prozent an der Bevölkerung waren an 17 Prozent aller Unfälle des vergangenen Jahres Senioren beteiligt", so Fischer. Davon ist fast jede zehnte Kollision auf den Straßen in Cottbus und Spree-Neiße durch einen Verkehrsteilnehmer im Alter über 65 Jahre verursacht worden. Bei Unfällen mit verletzten Personen war es sogar jeder siebente Crash.Die betagtere Generation der Fahrer ist an Verkehrsteilnehmerschulungen allerdings "stark interessiert", sagt Polizeisprecher Torsten Wendt. "Der Hauptanteil der Besucher liegt in der Altersgruppe 50plus." Alle Angebote von Polizei und Verkehrswacht würden sehr gut besucht.