Von Torsten Richter-Zippack

Gerade vor Weihnachten und Silvester herrscht bei Gunther Sell in Niemtsch viel Betrieb. Schließlich holen sich dort viele Lausitzer seit rund 30 Jahren ihre  Karpfen und weitere Fische fürs traditionelle Festtagsessen ab. In diesem Jahr ist die Stimmung beim Fischer vom Senftenberger See jedoch gedrückt. Grund ist die Rutschung an der Seeinsel in Sichtweite und die daraus resultierende Komplettsperrung des Gewässers. „Mittels einer Sondergenehmigung darf ich zwar noch auf das Wasser“, sagt Gunther Sell. Aber die Menge der gefangenen Fische halte sich in engen Grenzen. Darüber hinaus seien die Auswirkungen der Rutschung auf die Kiemenatmer bislang nicht bekannt. „Es geht für mich jetzt ums Eingemachte“, kommentiert Sell seine prekäre Situation. Zwar bewirtschaftet er auch eine Gruppe von vier Teichen bei Lindenau, die in diesem Jahr auch gute Erträge abgeworfen haben. „Aber zum Leben reicht das nicht“, stellt der Fischer klar.

Am Tag der Rutschung, so erinnert sich Gunther Sell, hatte er auf seinem Niemtscher Betriebsgelände in Sichtweite der Unglücksstelle Fische geräuchert. Quasi von einer Minute auf die andere verschwanden zahlreiche Bäume von der Insel ins Wasser. „Zu hören war davon überhaupt nichts“, sagt Sell. Zum Glück seien die Bergbausanierer der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) sowie die Bergbehörde schnell vor Ort gewesen. Seitdem stehe der Fischer mit diesen Gremien in enger Verbindung. Ganz wichtig ist Gunther Sell, dass trotz der begonnenen Sicherungsarbeiten an der Insel und der damit verbundenen Baustelleneinrichtung vor seiner Haustür sein Betrieb Fisch verkauft. „Wir sind auch weiterhin erreichbar“, so Sell.