| 13:38 Uhr

Gladbacher Fan-Protest
Seltsamer Schweige-Orden

Mönchengladbacher Fans haben am Samstag 19 Minuten geschwiegen, um gegen das Fußball-Projekt Leipzig zu protestieren. Für ihre Originalität haben sie sich schon vorher gefeiert. Robert Peters

Wen aber trifft dieser Protest? Die Leipziger, die nun erschüttert von 19 leisen Minuten im Stadion ihr seltsames Beteiligungssystem überdenken und sehr wahrscheinlich bald ändern? Die Deutsche Fußball Liga (DFL), die Vertretung aller Profiklubs, der jetzt bestimmt einfällt, dass die Leipziger völlig zu Unrecht die Starterlaubnis bekommen haben? Den Deutschen Fußball-Bund, der in Anerkennung berechtigter Sorge an der Basis Fußballfirmen generell verbieten wird? Wohl kaum.

Geschadet haben die selbsternannten Kämpfer um eine bessere Fußball-Welt allenfalls ihrer eigenen Mannschaft, deren Heimvorteil fast die Hälfte einer Halbzeit darin bestand, die Umgebung besser zu kennen als der Gegner. Es war eine rundherum kindische Aktion.

Dabei gibt es gute Gründe, gegen das künstliche Konstrukt Leipzig zu sein. Es ist allerdings nur der vorläufige Gipfel des Eisbergs namens Kommerzialisierung. Die DFL, damit alle Vereine, haben Leipzig für den Wettbewerb zugelassen. Und das mahnende Wort, der Fußball dürfe sich nicht zu sehr von der Basis entfernen, führen die Funktionäre lediglich in ihren Sonntagsreden. Ihr eigentliches Ziel lautet: Die Wirtschaft muss wachsen, der Rubel muss rollen.

Niemand ist verpflichtet, das zu mögen. Fans könnten dem Zirkus Bundesliga fernbleiben. Vielleicht würde das an entscheidender Stelle zum Nachdenken anregen. Wer sich weiterhin im Stadion inszeniert, der ist Teil dieses Showgeschäfts. Ob er es will oder nicht.

Man wird den Verdacht nicht los, dass große Teile der organisierten Fans stärker an ihrer eigenen Rolle auf der großen Bühne als am Fußball selbst interessiert sind. Denn Fußball wird ja auch außerhalb der Glitzerwelt Bundesliga gespielt.