Sedlitz. Seltene Wasservögel im Lausitzer Seenland werden heimatlos. Denn schon in Kürze versinken die kargen Sandbänke im Sedlitzer See, auf denen hier zu Lande höchst seltene Möwenarten anzutreffen sind, unter dem Wasserspiegel. Auf den vegetationslosen Inseln brüten Tiere aus mehreren Teilen Europas.

Der Plan, den Vögeln einen geeigneten Ersatz-Lebensraum in der Bergbaufolgelandschaft anzubieten, scheint gescheitert. Das bestätigt Ferry Richter, Leiter der Naturschutzbehörde des Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Die Sturmmöwe ist im skandinavischen Raum heimisch. Die Große Silbermöwe ist an Nordsee und Mittelmeer zu Hause. Die Steppenmöwe kommt aus Vorderasien vom Kaspischen Meer. Die Schwarzkopfmöwe breitet ihre Flügel eigentlich überm Schwarzen Meer aus. Die Arten haben miteinander eigentlich überhaupt nichts zu tun. Das sind völlig getrennte Populationen. In der Lausitz aber verpaaren sie sich sogar. Das beweist: Die Evolution ist nicht abgeschlossen.

Im Jahr 2003 war die Idee für eine künstliche Ersatz-Insel nahe des Westufers des Sedlitzer Sees geboren worden. Das dortige Plateau hätte den Tieren auf 1,6 Hektar Fläche ideale Bedingungen geboten.

Auf etwa 450 000 Euro sind die Kosten geschätzt worden. Das Geld hatten Naturfreunde schon weitgehend beschafft. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) war zudem bereit, die nötigen Erdmassen für die Insel zur Verfügung zu stellen. Doch infolge des schnell steigenden Wassers im Sedlitzer See konnte nicht mehr die ursprünglich vorgesehene Fallplattenverdichtung erfolgen. Die aufwendigere Rütteldruckverdichtung kam zum Einsatz. Nachberechnungen zur Standsicherheit waren durchzuführen. Selbst für die Zusatzkosten gab es eine Lösung. Fördermittel aus dem europäischen Topf der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) standen in Aussicht. "Alles war auf dem besten Wege", resümiert Ferry Richter. "Aber die berg- und wasserrechtliche Genehmigungsplanung und der Bewilligungszeitraum für die Fördermittel hätten so viel Zeit gekostet, dass der fortschreitende Wasseranstieg im See das Projekt schließlich unmöglich machte", erklärt er. Zudem passt der Bauplan mit dem schiffbaren Kanal vom Sedlitzer zum Großräschener See (Überleiter 11) nicht mehr. Die Bergbausanierer hatten die Erdmassen vom Kanalaushub für das Aufschütten der Insel angeboten. Das Zeitfenster für diese Zusage aber war endlich. "Die LMBV hat uns in allen Belangen sehr unterstützt und selbst eine Alternative für die Schüttmassen vorgeschlagen. Deren Fachleuten kann ich nur noch Dank zollen", so Richter.

"Leider brauchen Genehmigungsprozesse viel Zeit, weil sie auch für Rechtssicherheit sorgen müssen", so der Fachmann. Mittelfristig sei nunmehr wohl das Ende der Möwen-Populationen im Kern des Lausitzer Seenlandes eingeleitet.

Frank Laqua, Stabsleiter Lausitz der LMBV, ist dagegen noch optimistisch. "Künstliche Inseln auf Pontons wären noch denkbar", sagt er. "Aber auch dafür muss die Finanzierung gesichert werden."