Die Zahlen sind schwindelerregend: Kostete bisher ein Reihengrab 98,70 Euro sollen es laut neuer Gebührensatzung 220,66 Euro sein. Die Einzelgrab-Kosten steigen von 115,15 Euro auf 258,96 und ein Doppelgrab von 230,30 Euro auf 517,93 Euro. Kaum noch zu toppen ist die Steigerung in einer Urnengemeinschaftsanlage. Von derzeit 82,25 Euro soll es hoch auf 448,13 Euro gehen.

Heiße Diskussion

Heiß her ging es auf der jüngsten Sonnewalder Stadtverordnetenversammlung, die gleichzeitig die letzte vor der Sommerpause sein sollte. Doch eine neue Friedhofssatzung samt Gebührensatzung führte zu einem Diskussionsmarathon.

Den Anstoß gab Cornelia Töpfer, Mitglied des Ortsbeirates in Goßmar. "Ende der Woche bekamen wir die Unterlagen, gleich am Montag setzten wir uns zusammen und am Ende gab es mehr Fragen als Antworten. Selbst ein Vertreter der Verwaltung konnte uns im Detail keine zufriedenstellenden Antworten geben. Wie sollen wir unter diesen Umständen unseren Bürger die Sachlage richtig erklären können?"

Zu viele Ungereimtheiten

Der Abgeordnete Martin Petschick pflichtete Cornelia Töpfer bei: "Auch für mich ergeben sich aus den Zahlen zu viele Ungereimtheiten und viel Klärungsbbedarf." Eine Abstimmung über die neue Gebührensatzung hielt er, und nicht nur er, unter diesen Umständen für unmöglich.

So hatten sich sechs Orte im Vorfeld positiv positioniert, zwei waren dagegen, von dreien gab es noch gar keine Rückmeldung, für die Sonnewalder Friedhöfe liegen noch nicht einmal im Ansatz Kalkulationen vor. Und wie es mit den Friedhöfen in Kirchenhand weitergehen soll, ist auch noch offen.

Angesichts dieser enormen Steigerung war die Verwaltung um Aufklärung bemüht. "Unsere alte Friedhofs- und Gebührensatzung ist sieben Jahre alt und viele Sachen gab es durch den Wirtschaftshof in der Vergangenheit zum Nulltarif. Das ist alles einfach nicht mehr kostendeckend", so Ordnungsamtsleiter Tino Lehmann.

Die ganze Wahrheit

Die ganze Wahrheit um diese enormen Steigerungen zu Lasten der Bürger sprach aber Kämmerin Rosemarie Klingel aus. "Wir haben zur Entschuldung im November 2012 vom Land 1,3 Millionen Euro bekommen. Dafür will das Land aber Gegenleistungen sehen, will unseren Sparwillen sehen und dies geht eben nur über Gebührenerhöhungen." Und dies betrifft nicht nur die Friedhofsgebühren. Passiert nichts, so kam es von Seiten der Verwaltung, müsse der Bürgermeister gar nicht mehr zu weiteren Verhandlungen nach Potsdam fahren. "Das Land übt enormen Druck aus, setzt uns unter Termindruck und will Fakten sehen", so Rosemarie Klingel.

Verständlichkeit gefragt

Bürgermeister Werner Busse versuchte es mit salomonischen Worten, ohne offen zu lassen, "dass etwas passieren muss. Für mich ist wichtig, dass der Bürger die Sache im Detail versteht und dafür sind wir gesprächsbereit. Auf alle Fälle soll es für alle verträglich werden. Wir müssen der Realität ins Auge schauen und sehen, dass sich die Beerdigungskultur in den nächsten 20 Jahren gravierend verändern wird und dem müssen wir uns anpassen. Wir brauchen einfach bezahlbare und kostendeckende Kalkulationen."

In der folgenden Abstimmung ließen sich die Abgeordneten nicht unter Druck setzen. Mit sieben Nein- und sechs Ja-Stimmen wurde die Gebührensatzung, die einhergeht mit der neuen Friedhofssatzung, abgelehnt. Dazu gab es eine Protokollbeschluss. Grundsätzlich ist man für eine Satzungsänderung, auch bei den Gebühren, aber alles muss noch einmal auf den Prüfstand und überarbeitet werden. Die Sommerpause wurde so um einen Monat verschoben, im Juli trifft man sich wieder und dafür ist der August sitzungsfrei.