Cottbus. Es war eine Reihe von Zufällen – und von Besonderheiten des DDR-Alltags, die Helmut Schmidt zu dem machten, was er heute ist: Oberarzt in der Chirurgischen Klinik des Carl-Thiem-Klinikums. Mit einem Flüchtlingstreck kam er in den Nachkriegswirren in den Spreewald, besuchte dann in Cottbus die Schule und wollte nach dem Abitur Zoologie studieren, um seiner Leidenschaft, der Ornithologie, frönen zu können. „Delegiert wurde ich dann zum Medizinstudium“, erzählt er. Zunächst in Leipzig, dann in Dresden – wieder ein Muss, aus dem nach und nach ein Wollen wurde. Denn wie schon mit seiner Abiturklasse, hatte Schmidt auch mit seinem Studienjahrgang Glück. „Wir haben bis heute engen Kontakt.“ Überhaupt scheint der Mediziner mit allen Menschen, die ihm auf seinem Lebensweg begegneten, engen Kontakt zu pflegen. Mit ehemaligen Mitschülern, Studenten, Kollegen. Ein Menschensammler, dieser Schmidt.

Nach dem Studium ließ er sich zunächst in Bautzen nieder, arbeitete dort als Landarzt. Und wieder war es eine DDR-typische Eigenheit, die ihm seine Zukunftspläne durcheinanderwirbelte. Das Haus, das er bewohnte, war nämlich derart schön, dass ein Augenarzt der Bautzener Klinik es unbedingt beziehen wollte. Wenn er also schon umziehen musste, dann lieber gleich zurück nach Cottbus. „Erst habe ich am damaligen Bezirkskrankenhaus auf der Kinderstation nachgefragt, dann in der Chirurgie.“ Dort ist er geblieben. Ließ sich in Berlin zum Gefäßchirurgen ausbilden und gründete eine Spezialabteilung in Cottbus. Was in den ersten Jahren hieß: Dauerdienst rund um die Uhr – er war schließlich der einzige Gefäßchirurg.

Sehr viel besser sieht es auch heute nicht aus in seiner Disziplin. Drei Kollegen arbeiten derzeit am CTK. „Das reicht nicht“, erklärt Schmidt, und er liefert damit auch gleich die Begründung, warum er auch nach seinem 65. Geburtstag weiterhin regelmäßig am OP-Tisch steht. Er wird schlicht und einfach gebraucht. „Allerdings bin ich in die Assistenz gewechselt, die jüngeren Kollegen sollen ja ihre Erfahrungen machen können“, sagt der 71-Jährige.

Ende des Jahres soll allerdings endgültig Schluss sein mit der Arbeit. Das hat zumindest hat der Vater dreier erwachsener Kinder seiner Frau versprochen. Sie muss ihn neben dem Krankenhaus noch mit weiteren Ehrenämtern teilen: Schmidt sitzt als Parteiloser für die Cottbuser CDU im Stadtparlament und ist Mitbegründer und Vorsitzender des Fördervereins vom Tierpark. Eine alte Liebe. Zu den Vögeln natürlich, aber auch zum früheren Tierparkdirektor Jacob – ein Mitschüler seiner Abiturklasse. „Ein guter Jahrgang, damals“, lächelt Helmut Schmidt. Und hat wohl nicht ganz unrecht damit.