Die Macht des Adels in Sachsen war mal so groß, dass ein Adeliger bestimmen konnte, wie sich die Leute zu begrüßen hatten. "Glück auf!" würde heute kein Mensch sagen, hätte es nicht Abraham von Schönberg gegeben. Der war im 17. Jahrhundert Oberberghauptmann und gehörte zu einer stolzen alten Familie. Sein Amt war dem Adel vorbehalten, alle anderen hatten eben nicht die nötige Bildung.

In Öl hat sich der Oberberghauptmann von Schönberg malen lassen, mit Spitzenkragen und gepuderter Wallmähne. Das Bild ist ab dem heutigen Mittwoch in der Ausstellung zur "Geschichte des sächsischen Adels" im Dresdner Landtag zu sehen. Später mal soll es im Adelsmuseum im Nossener Schloss hängen.

Seit Jahren ist das Adelsmuseum im Gespräch. 2005 einigten sich die Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten, die von Schönberg'sche Stiftung und der Verband Sächsischer Adel auf das Projekt. Nun rückt es näher. Zu zeigen gebe es schließlich eine "schillernde Geschichte", sagte Christian Striefler, Chef der Staatlichen Schlösser am Dienstag in Dresden. Das Projekt Adelsmuseum ist für den Landesbetrieb enorm, die Kosten nur schwer abzuschätzen.

Denn noch gleicht der Südflügel des Nossener Schlosses einem heruntergekommenen Mehrfamilienhaus nach 20 Jahren Leerstand - mit bröckelndem Putz, grottigen Tapeten und rostenden Türschlössern. Der ideale Ort, um 1000 Jahre Adelsgeschichte authentisch abzubilden, meint Martina Schattkowsky vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde: Dabei geht es weniger um Glanz und Gloria, mehr um eine uralte Lebenswelt aus Ahnenstolz und Pflichtbewusstsein.

In den mehr als 800 Schlössern, die es einst in Sachsen gab, lebte es sich sittsam und spießig. Bis 1945, dann wurden Sachsens Adelige vertrieben. Ein Drittel der sächsischen Schlösser wurde später gesprengt und abgerissen, ein weiteres Drittel ist heute vom Verfall bedroht. "Wir können nicht aus jedem Schloss ein Museum machen", sagt Christian Striefler. Stattdessen nun ein zentrales Museum. Sachsens Adel hat sich großzügig gezeigt und über 900 Exponate bereitgestellt - vom Seidenkleid bis zum Prunksäbel.

Das Konzept für die museale Präsentation ist in den vergangenen Jahren immer wieder um viele Leihgaben und Exponate gewachsen. So soll das Leben derer von Adel von der Erziehung über die Hofhaltung bis zu ihrem Lieblingshobby Jagd erlebbar werden. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen, sagt Martina Schattkowsky: "Die moderne Geschichtsforschung hat sich in den vergangenen 20 Jahren wieder verstärkt mit der Geschichte des sächsischen Adels beschäftigt." Das Nossener Museum sei deshalb eine wichtige Aufgabe.

Noch nicht geklärt ist die Finanzierung des Umbaus. An dem bröckelnden Nossener Schloss müsste erheblich investiert werden. Allerdings wohl kaum aus dem Topf mit den zwölf Millionen Euro, die die Schlösser und Gärten jährlich an allen Objekten verbauen kann. "So was bestreitet man nicht einfach so aus dem laufenden Geschäft", sagt Christian Striefler.

Frau von Sahr, der Adel hat gerade im Osten viele Brüche hinter sich. Welche Rolle spielt er heute?
Es gibt keine Rolle des Adels mehr. Höchstens noch ein paar Dinge, die von außen betrachtet ungewöhnlich erscheinen, wie das enorme Netzwerk unter Angehörigen des Adels.

Was macht den Adeligen aus?
Das eigentlich Besondere am Adel ist das Bewusstsein einer Tradition über die Jahrhunderte hinweg. Man fühlt sich dem verpflichtet, man nimmt sich eher als ein Glied in einer langen Kette wahr. Das kann auch eine Last sein. Der Adel hatte immer eine wichtige Funktion. Gutsbetriebe waren gut funktionierende Einheiten, wo man füreinander sorgte. In den Dörfern war immer klar, dass die im Schloss auch

Verantwortung für ihre Leute tragen.

Ist der Adel heute noch Elite?
Nein.