Die Wiesn: Von Wiese, saftigem Gras und Blumen kann keine Rede sein. Vielmehr handelt es sich um ein 34 Hektar an sich großes ödes Gelände, auf dem in der Realität kaum ein Halm wächst. Zeigen Darstellungen aus den Anfangszeiten tatsächlich eine grüne Fläche, so dominiert heute Schotter, durchbrochen von geteerten Wegen. Ein Stück echte Wiese gibt es im Süden, davon wird ein Teil jedes Jahr für das Volksfest asphaltiert - und danach wieder neu bepflanzt.

Kindertraum: Limo, Pommes, Zuckerwatte, dazu Karussell und Geisterbahn - ein Traum für jedes Kind. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Der Lärm, die vielen Menschen und die langen Wege sind für manchen kleinen Gast zu viel. Der Wiesntag kann zum Nervenkrieg werden und endet nicht selten tränenreich. Dramen gibt es auch, wenn Kinder im Gedränge verloren gehen. Eine "Kinderfundstelle" nimmt sie auf und gibt sie an die Eltern zurück. Vormittags allerdings ist das Volksfest durchaus kindgerecht. Es gibt einen Vormittag mit gut 1000 Vorschulkindern.

Kulinarische Orgie: Eine halbe Million Hendl, gut 100 Ochsen, Schweine, Enten, Rinder in hoher Zahl werden für die Besucher zubereitet. Von Knödeln, Würsteln, Crêpes, Eis, Mandeln und Lebkuchenherzen gar nicht zu reden.

Bierorgie: Bier ist die wichtigste Essenz des ganzen Festes. Etwa sieben Millionen Liter rinnen durch durstige Kehlen. Der Gerstensaft ist mit gut sechs Prozent Alkohol stärker als gewöhnliches Bier und wird nur literweise ausgeschenkt. In der schwülen Enge der Zelte merkt mancher die Wirkung zu spät. Rund 600 Besucher mussten 2014 wegen einer Alkoholvergiftung behandelt werden. Die Zahlen gingen aber laut Bayerischem Roten Kreuz in den vergangenen Jahren leicht zurück.

Wiesn für die Sinne: Glückselig in der Masse, Selbstauflösung: Niemand fällt hier auf. Seltsame Hüte tragen, die es für ein paar Euro an den Ständen gibt. An Schießbuden auf Blech-Karnickel schießen. Türme aus Dosen mit einem Ball einwerfen. Ein Wiesnbesuch sei kathartisch, sagt die Psychologin Brigitte Veiz, reinigend für die Seele. Sie klassifizierte das Fest in ihrer vor Jahren veröffentlichten Studie als bavarisch-dionysches Ritual, ein kollektives Massenereignis, bei dem für einige sorglose Stunden eine rauschhafte Verbrüderung stattfinden kann, jenseits von Kontrolle und Etikette.

Hightech-Show: Neueste und schnellste Fahrgeschäfte erlebten ihre Premiere auf dem Oktoberfest. Der fünffache Olympia-Looping wurde 1989 als weltgrößte transportable Achterbahn eröffnet. Auf der Wiesn stehen das höchste transportable Kettenkarussell der Welt und der größte Fallturm. Dieses Jahr gibt es wieder Superlative: In der Mega-Schaukel "Konga" erleben Fahrgäste einen Flug über den Dschungel in 45 Metern Höhe - es soll die weltweit höchste und schnellste Riesenschaukel sein.

Brauchtums-Show: Tracht heißt: Lederhose für Männer, Dirndl für Frauen. Aber hier tragen Mädel Lederhose, Schotten kommen im Rock. Echte Trachtler rümpfen die Nase. Wirklich traditionsgemäß geht es beim Trachtenumzug am ersten Wiesnsonntag zu - und auf der Oidn Wiesn: historische Fahrgeschäfte, Jahrmarktsorgeln, Volkstanz.

Export-Schlager: Das Oktoberfest gilt weltweit als Synonym für Deutschland. In den USA, in England und Japan gibt es "typisch deutsche" Oktoberfeste. Auch im Rest Deutschlands wird die Wiesn kopiert, auch in der Lausitz, wo etwa das kleine München in Elbe-Elster dem großen Bruder nacheifert.