Damit ist der etwa vier Jahre alte Greifvogel der deutschlandweit erste Seeadler-Pflegling, der mit einem solchen Sender ausgestattet wurde. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) spricht von einem „deutschlandweit einmaligen Projekt“. Finanziert haben den 3600 Dollar teuren solarbetriebenen Sender rund 150 Adlerpaten über den NABU sowie die Weltarbeitsgruppe für Greifvögel und Eulen (WAG). „Das ist der einzige Seeadler in Deutschland, der mit einem solchen nur 30 Gramm wiegenden Solarsender ausgestattet ist. Er kann bis zu elf Jahre aktiv bleiben und wir erhoffen uns dadurch zahlreiche Daten über die Bewegungen des Vogels“, so Prof. Dr. Bernd Meyburg, Vorsitzender der WAG.

Am 12. April wurde dem imposanten Vogel in der Kleintierklinik der Freien Universität Berlin durch ihn der kleine Sender angelegt, nachdem er durch Tierärztin Dr. Katrin Müller narkotisiert worden war. Der Sender mit gummiummantelten dünnen Stahlseilen wurde auf dem Rücken des Adlers befestigt und über dem Brustbereich fixiert. Der solarbetriebene Sender ist in einen maßgeschneiderten Rucksack verpackt. Danach wurde er von Naturwacht-Ranger Uwe Albrecht in die Greifvogelstation nach Oppelhain gebracht. Zuvor ist der Adler in der Greifvogelstation Woblitz des Vereins Aquila fit für die Lüfte gemacht worden. Das war dringend erforderlich, da der Vogel nach seiner Schulteroperation im Dezember erst wieder richtig fliegen lernen musste. „In unserer 16 Meter großen Rundvoliere ist der Seeadler einwandfrei geflogen“, freut sich der Aquila-Geschäftsführer Rainer Albrecht.

Leider können er und Prof. Meyburg bei der Auswilderung am Mittwoch nicht zugegen sein. Bevor es soweit ist, kann man dem Greifvogel seine Aufregung in der Voliere regelrecht ansehen. Nervös fliegt er darin hin und her. Deutlich zu sehen sind dabei seine beiden Ringe an den Füßen, die ihm in der Tierklinik angebracht worden sind. Auf einem ist schon von Weitem die Bezeichnung „A5 G0“ zu lesen. „Das ist ein fernablesbarer Ring, mit dem man den Vogel identifizieren kann“, sagt Uwe Albrecht. Er würde sich für die Oppelhainer Station gern eine große Voliere mit einem Durchmesser von 20 Metern wünschen, um auch Adlern bessere Flugmöglichkeiten bieten zu können. Rund 20 000 Euro würde man dafür benötigen. Daher suche man noch immer nach einem Sponsor.

Dann kommt des Adlers große Stunde: Uwe Albrecht und Forstwirtschaftsmeister Falko Göbert, der die Greifvogelstation leitet, gehen mit einer Decke und einem großen Karton „bewaffnet“ in die Voliere. „Der Karton ist mit Stroh ausgefüttert und hat den Vorteil, dass wir ihn nach dem Transport leicht entsorgen können und nicht für einen weiteren Vogeltransport erst aufwendig desinfizieren müssen“, erklärt Uwe Albrecht.

Mit etwas Geschick gelingt es den erfahrenen Männern, den viereinhalb Kilogramm schweren Vogel auf dem Boden mit der Decke zu fixieren. Falko Göbert hat dabei die Füße mit den gefährlichen langen Krallen gut im Griff.

Im Karton angelangt, verhält sich der Vogel ganz ruhig. Mit dem Transporter geht es zum Naturparadies Grünhaus zwischen Lichterfeld und Lauchhammer. Nachdem die Männer eine geeignete Stelle an der Nordkante des Heidesees gefunden haben, laden sie den großen Karton ab und setzen ihn behutsam auf den Boden. Kaum ist er geöffnet, drängt der Seeadler ins Freie. Mit kräftigem Flügelschlag erhebt er sich in die Lüfte. Doch sein erster Flug nach so langer Zeit kostet ihm offenbar viel Kraft. Schon nach einigen hundert Metern macht er Halt auf ein paar dünnen Ästen eines Baumes. Seine Flügel hängen scheinbar kraftlos herunter.

Kurz darauf startet er erneut, kommt aber wieder nur einige hundert Meter weit, um sich erneut in einem Baumwipfel auszuruhen. „Möglicherweise macht ihm die damals im Dezember erlittene Lungenquetschung noch zu schaffen“, vermutet Uwe Albrecht.

Am gestrigen Freitag trafen dann die schon erwarteten ersten GPS-Daten vom Donnerstag ein. Diese belegen, der Seeadler hält sich noch in diesem Gebiet auf. Und – er ist aufgrund der früheren Verletzungen kein Fußgänger, sondern wieder ein König der Lüfte.