Die Zukunft, die Lazar Bodroža in seinem Science-Fiction-Film „Ederlezi Rising“ für das Jahr 2148 imaginiert, ist eine düstere: Zum einen hat die Menschheit hat die Erde so sehr ausgebeutet, dass sie neue Planten besiedeln muss. Und zum anderen können Männer auch in 130 Jahren noch im völligen Ernst sagen: „Eine Frau an Bord meines Raumschiffes? Niemals!“

Kosmonaut Milutin (mit übertrieben tiefer, rauer Bassstimme: Sebastian Cavazza), von dem diese Worte stammen, kann aufatmen: Keine echte Frau soll mit ihm fliegen, sondern eine Androidin, die nach seinen Vorstellungen gebaut ist, deren Verhalten er einstellen kann und die ihm vollends gehorsam sein wird. Eine quasi (fast) menschgewordene Männerfantasie also und eine Figurenkonstellation, die in der Filmgeschichte wahrlich keine Neuheit ist. Unterstützt von der Androidin Nimani 1345 (überzeugend: Stoya) soll Milutin für den Konzern Ederlezi im Sonnensystem von Alpha Centauri Planeten ausfindig machen, die kolonisiert werden können.

Milutins Qualifikation als Weltraumpionier beschränkt sich allerdings augenscheinlich auf ein paar markige Sprüche, denn man sieht ihn, von einem Außeneinsatz ohne erkennbaren Sinn abgesehen, tatsächlich nie irgendetwas Austronautenspezifisches machen. Sobald Nimani das erste Mal hochgefahren ist, schaltet Milutin sie sofort in den „intimen Modus“, um mit ihr Sex zu haben. Diverse Sexszenen später fällt ihm auf, dass er es doch langweilig findet, dass Nimani ihm aufgrund ihrer Programmierung immer gehorcht. Er will sehen, was passiert, wenn er mit ihr auf eine Art kommuniziert, die dem von ihm eingestellten Setting widerspricht. Da es sich ja um einen weiblichen Androiden handelt, fällt Milutin offensichtlich nichts anderes ein, als sie zu vergewaltigen (nicht ohne ihr Verhalten zuvor auf „jung“, „schüchtern“ und „erstes Mal“ einzustellen). Eine Stimme aus dem Off bemüht sich im Nachhinein zu erklären, dass es sich dabei nicht etwa um eine Sexfantasie von ihm gehandelt hätte, sondern dass er nur einen anderen Weg gesucht habe, um mit ihr zu kommunizieren. Es darf bezweifelt werden, dass er einen männlichen Androiden ebenfalls vergewaltigt hätte, um mit ihm zu „kommunizieren“.

Der Gedanke, dass Nimani nur aufgrund ihrer Programmierung weiterhin mit ihm schläft, kratzt an Milutins Ego, zudem beginnt er, sich in die Androidin zu verlieben. Sie soll ihn jetzt auch wollen. Er will also „eine Person“ aus ihr machen, indem er das Programm löscht, mit dem er ihr Verhalten steuern kann. Dies gelingt ihm schließlich (wobei er fast das Raumschiff schrottet). Das neue Verhalten von Nimani ist nun nur noch durch die Erfahrungen, die sie mit ihm gemacht hat, beeinflusst. Geradezu komisch ist deshalb Milutins fassungsloser Gesichtsausdruck als er feststellen muss, dass die Nimani ohne Verhaltensprogramm ihm keineswegs, wie er erwartet hatte, um den Hals fällt, sondern ihn wissen lässt, dass es von nun an keinen Sex mehr gäbe. Und dass sie ihn überdies hasse.

Ab diesem Zeitpunkt verfällt Milutin in schwarzes Loch aus Selbstmitleid. Er habe Nimani befreit, zu einer Person gemacht und zur Strafe quäle sie ihn nun. Ederlezi Rising ist ein Film, in dem man einen Mann allen Ernstes über eine Frau sagen hört: „Ich habe sie emanzipiert.“ Und der dann nicht damit klarkommt, dass sie ihm (vorerst) nicht um den Hals fällt.

Nimani ist für den überwiegenden Teil des Films in verschiedenen Graden nackt zu sehen, sodass man sich irgendwann fragt, warum es tatsächlich Szenen gibt, in denen sie vollständig bekleidet ist. An ihrem Bekleidungszustand ändert sich paradoxerweise auch nichts, als Milutin das Verhalten der Androidin nicht mehr steuern kann.

Das alles hätte nun ein spannender Film sein können über das Verhältnis Mensch-Maschine und die Fragen, ob eine künstliche Intelligenz eine Person sein kann, ob Gefühle programmierbar sind und ob es dann nicht eigentlich Menschenrechte für Roboter bräuchte. Dafür interessiert sich der Film allenfalls an der Oberfläche. Es hätte sogar trotz der ewig im Selbstmitleid versinkenden Hauptfigur ein Film sein können, der machohafte Männlichkeit einmal durchspielt und ihre Problematik aufzeigt. Leider bleibt Ederlezi Rising artig dem Klischee treu. Natürlich hat die Androidin Nimani am Ende doch Gefühle für Milutin, so dass sie nicht nur um ihn weint, sondern sich selbst für die Ursache seiner Depression hält, die er entwickelt (übrigens weil seine sexuellen Bedürfnisse nicht mehr erfüllt werden, wie ein Test ergibt). Da kann es natürlich nur einen Ausweg geben: Sie muss sich selbst zerstören, um seine gekränkte Männlichkeit zu retten. Nimani zerstört ihre Ladestation, sorgt also dafür, dass sie ihren Akku nicht mehr laden kann. Das versetzt Milutin in die Position, endlich noch einmal heldenhaft sein zu können. Ausgerechnet außen am Raumschiff gibt es nämlich noch eine Ladestation für ihre Batterie (warum auch immer). Aufgrund der Nähe zum Stern Alpha Centauri ist es aber eigentlich schon zu warm für einen Weltraumspaziergang. Milutin wagt es – wer hätte das gedacht – natürlich trotzdem. Auf die Idee, nach dem Einstöpseln des Akkus in das Raumschiff zurückzukehren und dort zu warten, bis dieser aufgeladen ist, kommt er im Übrigen nicht und zieht sich deshalb lebensbedrohliche Verbrennungen zu. In letzter Sekunde setzt er Nimanis Batterie wieder ein. Der Film endet dann im völligen Ernst damit, dass Nimani Milutin – ihren Vergewaltiger, daran sei noch einmal erinnert – aus Liebe und Dankbarkeit küsst.

„Ederlezi Rising“ ist deshalb ein Film, der die Hypervirilität seiner Hauptfigur nur oberflächlich in Frage stellt, im Kern aber bestätigt: Am Ende ist er doch ein toller Held, der Nimani unter Einsatz seines Lebens rettet und natürlich liebt sie ihn dafür. Vergessen ist alle Gewalt. Einen Pluspunkt gibt es jedoch für die innovative Raumschiffgestaltung. So ein dreckiges Stahlungetüm, das als einzige Ausstattung ein Bett und ein Cockpit besitzt und ansonsten nur aus leeren, zum Teil an eine rostige Waschmaschinentrommel erinnernden Räumen besteht, sieht man selten. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Menschen in Zukunft auf so einer Weltraummission völlig überflüssig sind. Androidin Nimani und der mit weiblicher Stimme sprechende Bordcomputer hätten den Flug zu Alpha Centauri allein weitaus störungsärmer hinbekommen. Jedes Problem, das Milutin gelöst hat, hat er zuvor selbst erzeugt.