Spremberg/Cottbus. Die Beziehung zwischen Simone Jähnig und ihrer Großmutter war tiefer als es sonst zwischen Enkelin und Oma der Fall ist. Nach der Scheidung der Eltern wuchs das junge Mädchen bei seinem Vater auf, die Großmutter wurde zur wichtigen Bezugsperson. „Zu meiner leiblichen Mutter hatte ich nur sporadisch Kontakt.“

Als die Großmutter, geboren 1924, in ein Cottbuser Pflegeheim zog, besuchte Simone Jähnig sie regelmäßig. Doch im April teilten ihr die Schwestern mit, dass die Großmutter ins Krankenhaus eingeliefert worden war und dort verstorben sei.

Wieder Zuhause, telefonierte die trauernde Enkelin alle Bestattungsinstitute in Spremberg durch und versuchte, Ort und Termin der anstehenden Beerdigung herauszufinden.

„Eines der Institute bestätigte mir zwar, dass ein Auftrag zur Bestattung meiner Oma vorliegt. Meine Mutter aber habe verboten, dass mir dieser Termin oder der Ort der Grabstelle mitgeteilt würde.“ Auch über die Friedhofsverwaltung erhielt Simone Jähnig keine Auskunft. In ihrer Verzweiflung besuchte sie sogar frische Grabstellen auf einem Spremberger Friedhof, um so vielleicht die letzte Ruhestätte ihrer Großmutter zu finden. Vergeblich.

„Aber solange ich nicht an ihrem Grab war, kann ich nicht mit meiner Trauerarbeit abschließen“, sagt sie unter Tränen. Doch nur der Zufall kann ihr jetzt noch helfen. „Rechtlich sind Bestatter an den Wunsch eines Kunden gebunden“, so die Auskunft des Bundesverbandes für Bestattungswesen. Kunde ist in diesem Fall die Mutter von Simone Jähnig. Sie hat als nächste Angehörige das Nutzungsrecht der Grabstelle ihrer Mutter – und damit steht auch der Datenschutz auf ihrer Seite. Gerd Schmiedel, zuständiger Amtsleiter in Spremberg: „Unsere Friedhofsverwaltung dürfte in gar keime Fall Informationen über Grabstellen weitergeben, außer an den beerdigungspflichtigen Angehörigen selbst. Diese Auffassung unterstützt auch der Datenschutzbeauftragte des Landes Brandenburg.

„Doch was sind das für Gesetze, die mir verbieten, meiner Omi die letzte Ehre zu erweisen?“ Simone Jähnig überlegt jetzt, auf dem Klageweg an die gewünschten Auskünfte zu gelangen. Ihre Mutter wollte sich nicht zu dem Fall äußern.