"Es gibt drei Knackpunkte: Im Schadensfall, bei geändertem Risiko und bei Abschluss des Vertrags", zählt Wolfgang Römer, Ombudsmann des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin, auf. So laufen Verbraucher Gefahr, den Versicherungsschutz zu verlieren, wenn sie einen Schaden nicht schnell genug melden. Im Versicherungsdeutsch wird gefordert, das müsse "unverzüglich" - also sofort - geschehen. In manchen Verträgen sei aber auch eine Frist von drei Tagen festgelegt.

Bei Einbruch schnell handeln
Schnelles Handeln wird unter anderem bei Wohnungseinbrüchen erwartet. "Mantel ausziehen, gucken, was die Diebe durchwühlt haben, dann umgehend Polizei und Versicherung anrufen", laute die Maßgabe. Eine Mitteilung erst nach zwei Wochen akzeptieren die Gesellschaften nicht, sagt Römer - der Geschädigte geht dann leer aus. Ausnahmen sind bei Unfällen möglich. So räumt mancher Autoversicherer eine 14-Tages-Frist für Scha dens meldungen ein.
Auch die private Unfallversicherung kennt längere Zeiträume. Denn liegt jemand mehrere Tage lang bewusstlos im Krankenhaus, könne er die Unfallversicherung nicht informieren, erläutert Römer. Wer dagegen einen gebrochenen Arm hat, dem muten die Unternehmen zu, zumindest einen Vertrauten zu beauftragen.
Pflicht ist ein Anruf auch beim Wohnungswechsel - bei jedem Umzug sollte die neue Adresse der Versicherung mitgeteilt werden. Denn ein Ortswechsel kann Folgen für die Hausrat- oder Gebäudeversicherung haben. Hintergrund ist, dass die Versicherungsunternehmen anhand der Ortsdaten das Risiko einstufen. Der Wechsel in einen anderen Stadtteil kann teurere Jahresbeiträge nach sich ziehen. "Die Kommunen sind in unterschiedliche Tarifzonen unterteilt", erläutert Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Die neue Adresse zu vertuschen oder falsche Angaben zu machen, sei eine "verletzte Obliegenheit" - dann zahle die Versicherung nicht.
Zur Gefahrenerhöhung kann auch der Umzug aus der Stadtwohnung in ein reetgedecktes und daher brandgefährdetes Häuschen führen. Ebenso werden Pizzeria oder Döner-Bude im Erdgeschoss als riskant eingestuft. "Restaurants und Gewerbebetriebe gelten generell als feuergefährlich", erläutert Rudnik. Nicht nur Mieter sind in der Pflicht - Immobilienbesitzer müssen die Ansiedlung eines Betriebs der Gebäudeversicherung melden.
In die Rubrik "Gefahrenerhöhung" fallen außerdem Gerüste am Haus, eine Abwesenheit von mehr als 60 Tagen und der Leerstand der Immobilie, denn in diesen Fällen steige die Gefahr eines Einbruchs. "Drei Tage Gerüst sind in Ordnung. Alles, was länger dauert, sollte gemeldet werden", rät Ombudsmann Römer. Thorsten Rudnik empfiehlt Mietern, das Informationsschreiben des Vermieters vorab an die Versicherung weiterzuleiten.
In der Autoversicherung gilt: "Wo sich Nachteile ergeben, muss der Kunde informieren", sagt Karin Benning vom Versicherer Huk-Coburg. Er habe gegenüber dem Unternehmen eine Bringschuld, denn es könne eine Vertragsänderung notwendig sein. "Da, wo es ihm finanzielle Vorteile bringt, wäre der Kunde aber dumm, nicht zu melden." Dafür gibt es allerdings nur wenige Beispiele, etwa den Tausch "Laternenparker" gegen "Garagenparker". Im umgekehrten Fall droht wiederum der Verlust des "Garagen-Rabatts". Auch über Ortswechsel wollen Autoversicherer Bescheid wissen, weil sich laut Benning die Regionalklasse und damit der Beitrag ändern kann. Ähnliches trifft zu, wenn zusätzlich zu den Eltern erwachsene Kinder beginnen, das Familienauto mitzunutzen.

Zusätzliche Prüfverfahren
Eile ist im Fall einer Berufsunfähigkeit (BU) geboten. "Der Antrag auf BU-Rente sollte parallel zu dem der gesetzlichen Rentenversicherung eingereicht werden. Wird erst der Bescheid abgewartet, muss der Antragsteller noch einmal monatelang auf sein Geld warten", sagt Franz Begas, Mitglied des Bundesverbands der Versicherungsberater. Grund sei ein zusätzliches Prüfverfahren der Versicherung. Über Berufswechsel müssen Kunden dagegen nicht informieren: "Im Normalfall gilt die zuletzt ausgeübte Tätigkeit."
Häufig müssen Versicherte schon bei Vertragsabschluss möglichst umfassende Informationen bereitstellen. "Um späteren Streit zu vermeiden, sollten bei Krankheit oder Berufsunfähigkeit wirklich alle Beschwerden und gesundheitlichen Probleme aufgeführt werden", rät Wolfgang Römer. Bei größeren "Vergesslichkeiten" drohe selbst Jahre später der Verlust des Versicherungsschutzes.