"Cottbuser Bier war begehrt", heißt es in einem neuen Spreewald-Reiseführer. "Hier wurde um 1650 erstmals in Deutschland Weißbier gebraut - es ist also keine bayerische Erfindung, wie oft behauptet wird." Während dem ersten Satz alle Experten zustimmen, gibt es zu Cottbus als Urquelle des Weißbiers deutlichen Protest. Allerdings war das Cottbuser Bier, und darunter auch das aus Weizen gebraute Weißbier, über viele Jahrzehnte ein Renner. "Zwischen 1750 und 1800 ist Cottbuser Bier nach Sachsen, Berlin und sogar nach Stockholm exportiert worden", sagt der Historiker Christian Friedrich. Noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts sei Cottbuser Bier auch bei auswärtigen Kunden äußerst beliebt gewesen. In der Überlieferung wird dem Gerstensaft eine sehr angenehme Geschmacksrichtung und große Süffigkeit bescheinigt.

Vom Export nach Skandinavien haben die Brauer zur DDR-Zeit nicht einmal geträumt. Realität waren Kunden, die in den Kaufhallen die Bierflaschen umdrehten, um sie bei eventuellen Ausflockungen zurückzustellen.

An mangelndem Können der Brauer lag das nicht. Wolfgang Grimm, langjähriger Produktionsdirektor im VEB Getränkekombinat Cottbus, erinnert sich an irrwitzig hohe Planauflagen. "Das Bier braucht Zeit zum Reifen", sagt der Babower. "Wir aber mussten es im Schnelldurchgang durch die Phasen der Gärung und Reifung jagen."

Die gleiche Erfahrung hat auch Hans-Joachim Schultze gemacht. Der Enkel des Gründers der Brauerei Gustav Schultze Söhne, im Volksmund Pupen-Schultze genannt, spricht von "Tausend und noch mal Tausend Hektolitern mehr" - ohne die nötige Reiferuhe. Im Januar 1973 sei die Brauerei Gustav Schultze Söhne KG Cottbus unter das Dach des Getränkekombinats gezwungen worden. Der Braumeister und Ingenieurökonom wurde Leiter für neue Technik und war bis zur Rente im Kombinat beschäftigt.

1992 wurde das Brauen in Cottbus eingestellt, 1994 war auch die Bierhandelsgesellschaft am Ende. "Damit hatte eine mehr als 600-jährige Tradition ihr vorläufiges Ende gefunden", stellt Christian Friedrich fest. Im Lands kron-Brauhaus Cottbus wurde ab Oktober 2000 für einige Jahre gebraut, aber auch dieses Kapitel ist Geschichte.

Bleibt die Frage, wie Pupen-Schultze zu seinem Spitznamen gekommen ist. Namensgeber ist das dunkle süße Malzbier, das in Wagen durch die Stadt gefahren und Pupe genannt wurde, erklärt Hans-Joachim Schulze. "Es hatte nur 0,2 bis 0,3 Prozent Alkohol und war ein wunderbares Erfrischungsgetränk."

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Nach der Ersterwähnung des Cottbuser Brautums im Jahr 1385 erhielt die Stadt 1501 eine Biermeile. Das heißt, dass im Umkreis von einer Meile nur Cottbuser Bier ausgeschenkt werden durfte. Größte Brauerei des vergangenen Jahrhunderts war die Merkur-Brauerei in der Bautzener Straße, die seit 1918 als Vereins-Brauerei, ab 1925 als Kurmärkische und später als Merkur-Brauerei geführt wurde. 1898 begründete Anton Kircher die jetzt in Drebkau beheimatete Kircher-Brauerei. 1901 wurde der Familienbetrieb Gustav Schultze und Söhne gegründet. Das letzte Bier wurde in der Bautzener Straße Anfang 1992 gebraut.