Es war kurz nach 18 Uhr am Freitagabend. Ein 69-jähriger Jäger aus Freileben, so die Polizei, hat mit drei holländischen Jagdgästen während der Mais-ernte an einem Feld am Ortsausgang Körba eine Maisjagd durchgeführt. „Aus einem Maisstreifen kamen mehrere Frischlinge gelaufen. Wie Zeugen bestätigen, wurden zwei Schüsse abgegeben. Einer davon hat das Bein des Jägers aus Freileben durchschossen“, so Polizeisprecher Lutz Miersch. Wie der Tatortdienst der Polizei ermittelte, hat einer der Gastjäger die Schüsse abgegeben. Beide Schüsse, so Miersch, haben das Schwein getroffen. „Ein Schuss ist nach den Ermittlungen des Tatortdienstes dann aber abgelenkt worden und hat das Bein des Jägers getroffen“, sagt der Polizeisprecher. Die Ernte wurde daraufhin sofort beendet. Der Verletzte kam ins Herzberger Krankenhaus und wurde noch am gleichen Abend in die Unfallklinik nach Berlin verlegt, so Miersch. Die Polizei hat die Jagdwaffen und die Patronen sichergestellt. „Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Körperverletzung“, so der Polizeisprecher.

Strenge Vorschriften

Von dem Unfall hat auch der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes Herzberg, Dietrich Krill, gehört. „Solche Maisjagden sind in unserer Region üblich. Während der Ernte lässt sich viel Schwarzwild schießen. Durch das Häckseln wird das Wild aufgescheucht“, sagt er. Der Jäger erklärt, dass bei Maisjagden strenge Bestimmungen gelten. Das Gewehr dürfe nicht auf Personen, Erntemaschinen oder den Mais gerichtet sein. „Es darf nur vom Erntefeld weg geschossen werden, wenn es das Hinterland zulässt“, so Dietrich Krill. Die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft empfiehlt sogar, Ansitzhöhen zu verwenden, sagt der Vorsitzende. „Wenn der Jäger auf einer Ansitzhöhe steht, schießt er vorschriftsmäßig von oben nach unten. Der Erdboden dient als Kugelfang“, so Krill. Außerdem gebe es die klare Festlegung, dass, wenn mehr als vier Jäger an einer Erntejagd teilnehmen, einer von ihnen zum Jagdleiter bestimmt wird, der für die Sicherheit verantwortlich ist. „Das ist eine bundesweite Regelung, die der Sicherheit und dem Gesundheitsschutz bei der Jagd dient“, so der Kreisverbandsvorsitzende. Zu dem Vorfall in Körba wollte sich Dietrich Krill am gestrigen Dienstag nicht äußern. „Ich war nicht dabei und habe kaum Informationen. Jagdunfälle kommen immer mal vor. Bei uns aber eher selten“, sagt er.

Untersuchung abwarten

Gisela Polz aus Freileben ist eine erfahrene und anerkannte Jägerin in der Region. Die Jagd am Freitag fand in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft statt. „Auch wir jagen schon 20 Jahre beim Häckseln. In diesem Jahr haben wir schon zehn Tage am Maisfeld gestanden. Unfälle passieren dabei selten. Es kommt schon vor, dass Kugeln von einem Tier abgelenkt werden. Zur Ursache des Unfalls von Freitag kann man aber jetzt noch gar nichts sagen“, sagt Gisela Polz.