Mit Jonglagen und akrobatischen Übungen stimmten Schülerinnen und Schüler der Grund- und Oberschule Elsterwerda die mehr als 100 Teilnehmer an der 8. Bildungskonferenz des Landkreises Elbe-Elster am gestrigen Mittwoch in der Aula ihrer Schule auf den Tag ein. Sie lieferten damit ein Sinnbild für abgestimmtes, partnerschaftliches Miteinander, das letztlich zum Erfolg führt. Die Herausforderungen an die Bildungsregion Elbe-Elster in gemeinsamer Verantwortung zu meistern, führte auch die Akteure aus den unterschiedlichsten Verantwortungsbereichen zusammen, die im Leben eines Menschen in Aktion treten.

Damit sich niemand verläuft

Landrat Christian Jaschinski (CDU) beschwor den gemeinsamen Blick auf die Bildungslandschaft. Dies sei die Voraussetzung dafür, "dass sich niemand bei uns verläuft". Bildung sollte dort entschieden werden, wo sie stattfindet, plädierte Jaschinski für die weitere Entwicklung kommunalen Bildungsmanagements.

Heinz-Wilhelm Müller, der Vorsitzende des Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Cottbus, charakterisierte eine neue Herausforderung an die Bildungspraxis. Erstmals seit der Wende habe es über viele Monate eine größere Zahl unbesetzter Ausbildungsstellen als unversorgter Bewerber gegeben. "Bildung lohnt sich. Das ist eine gute Nachricht", so Müller an die Adresse aller, die in der Region bleiben und hier arbeiten möchten. Die Agentur für Arbeit sei zu allem Möglichen bereit, um in einem Netzwerk als Dienstleister zu fungieren.

Lob für Ergebnisse

Für ein Netzwerk, in das Schule eingebunden sein müsse, plädierte auch Bildungsministerin Martina Münch (SPD). Sie beglückwünschte den Landkreis Elbe-Elster zu seinen Ergebnissen bei der Entwicklung einer kommunalen Bildungslandschaft, die immer mehr Aufmerksamkeit finde. Das erfolgreich mit Leben erfüllte Projekt "Lernen vor Ort" führte sie als Beispiel an. Die Ministerin nutzte das Podium, um für das im Lande angestrebte inklusive Bildungssystem zu werben. Es habe die Chancengleichheit für alle zum Ziel und sei eine Herausforderung für die ganze Gesellschaft, die gemeinsam und in kleinen Schritten umzusetzen sei. "Dazu gehören Systeme kommunaler Bildungslandschaften", so Martina Münch. Beispiele wie die Zusammenarbeit mit der Stiftung "Haus der kleinen Forscher" bei der frühkindlichen Erziehung fanden ihr Lob. Den Übergängen von einer Lebensetappe zur anderen kommt bei der Betrachtung der Bildungslandschaft zunehmende Bedeutung zu. Intensiv zu befördern, so Münch, sei der Übergang Schule - Wirtschaft. Fachkräfte und die zum Teil händeringend nach Fachkräften suchende Wirtschaft könnten nur in Zusammenarbeit Lösungen finden.

Leitbild entwickeln

"Wie können durch Bildung kommunale Probleme gelöst werden?", stellte Dr. Joachim Borner vom Kolleg für Management und Gestaltung nachhaltiger Entwicklung nach dieser Minister-Vorlage eine entscheidende Frage. Notwendig sei es aus seiner Sicht, ein Leitbild zu entwickeln und darin festzuhalten, was Bildung in der Kommune bewirken soll. "Bildung und Lernen sind nicht mehr nur arbeitsmarktpolitisch wichtig", so Borner. Und es gehe auch nicht mehr um die Organisation formaler Bildung, von der jeder einen Anteil erhalte, der sich melde. Es gehe um Handlungskompetenzen.

Prof. Dr. Kai Maaz von der Universität Potsdam lieferte mit seiner wissenschaftlichen Betrachtung, wie und wo soziale Ungleichheiten und damit Bildungsungerechtigkeit zu Tage treten, weitere Ansatzpunkte für die anschließende Diskussion in den Arbeitsgruppen. Er betonte diese inzwischen weithin vertretene Erkenntnis: Es ist wichtig, stark in die frühkindliche Förderung zu investieren, um die Unterschiede der Kinder beim Start ins Leben zu reduzieren, die auf ihre soziale Herkunft zurückgehen. Dr. Joachim Borner, Kolleg für Management und Gestaltung nachhaltiger Entwicklung gGmbH Berlin: Bisherige Kulturtechniken genügen nicht mehr zur Bewältigung von Umbrüchen wie den heutigen. Die Komplexität von Veränderungen und deren Geschwindigkeit, wechselnde Berufsbilder, Flexibilität und anderes mehr verlangen neue Kulturtechniken. Eine davon ist die Benimm- oder Spielregel Governance. Sie bedeutet, dass es gesellschaftlich eine ständige, kontinuierliche Kommunikation zwischen Verwaltungseinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Akteuren geben muss. Die Bildungslandschaft ist ein Organismus, der sich ständig anpasst an Veränderungsprozesse in der Region. Es geht nicht um standardisierte Lösungen, sondern um permanente Innovation.Prof. Dr. Kai Maaz, Universität Potsdam: Der vorschulische Bereich und die Grundschule sind deutlich ins Blickfeld zu rücken, damit Startunterschiede, die aus der sozialen Herkunft resultieren, weiter verringert werden können. Späteres Intervenieren bei Defiziten ist nur bedingt erfolgreich. Bei Übergangsentscheidungen zu den folgenden Bildungsgängen spielt die soziale Herkunft ebenfalls eine Rolle. Der Effekt der sozialen Herkunft ist unerfreulich groß. Der Übergang zur Sekundarstufe I wird zu 47 Prozent über die Leistung bestimmt. Das soziale Umfeld prägt Übergangsentscheidungen. So sind bei Eltern Überlegungen zu einer Kosten-Nutzen-Rechnung zu beobachten. Kinder aus benachteiligten Familien werden schlechter benotet, wechseln seltener aufs Gymnasium.