Leiterin Manuela Magritz prophezeit: „Das kommt das Land teuer zu stehen.“

650 Erwachsene aus ganz Südbrandenburg und Nordsachsen besuchen derzeit die Berufliche Schule für Sozialwesen des DEB in Cottbus. Zu ihnen gehört der Forster Sebastian Noack. Er arbeitet als Betreuer in einer stationären Einrichtung für verhaltensauffällige Jugendliche. Nebenher drückt er die Schulbank, legt im nächsten Jahr seine Prüfung zum staatlich geprüften Erzieher ab. „Das ist mein Traumjob.“ Deshalb nimmt er auch die Extrabelastung auf sich: opfert Urlaub und Freizeit, zahlt monatlich 55 Euro Schulgeld und obendrauf die Kosten für Material und Sprit.

Wie sehr Fachleute wie Sebastian Noack gefragt sind, zeigt allein die Tatsache, dass immer mehr ihre Ausbildung neben ihrer Arbeit machen. So hat es im Jahr 2009 in Cottbus nur eine Klasse für die berufsbegleitende Ausbildung zum Erzieher gegeben. Mittlerweile sind es vier.

Doch sollte das Haushaltsbegleitgesetz mit seinen bislang angedachten Sparplänen im Privatschulsektor vom Landtag beschlossen werden, dann werden dem DEB schrittweise bis zu 46 Prozent der Zuwendungen gekürzt. „Das ist ein finanzielles Desaster“, sagt Manuela Magritz unumwunden. „Es bedroht unsere Existenz.“

Denn das DEB könne nur über Schulgeld gegensteuern. Damit würden die monatlichen Kosten für den Einzelnen aber auf etwa 200 Euro anwachsen. „Das könnte sich kaum noch jemand leisten.“ Die Konsequenz: Die Schule müsste ihr Angebot deutlich zurückfahren.

Dabei ist Manuela Magritz zufolge die geplante Kürzung gar keine Ersparnis für das Land. Im Gegenteil: Brandenburg zahlt drauf. Denn ein Platz an einer freien Schule sei für das Land um ein Drittel günstiger als an einer öffentlichen Schule. Denn Privatschulen erhalten weniger Zuschüsse und finanzieren den Rest über Schulgeld. „Deshalb ist dieser Vorstoß für mich eine reine Ohnmachtsreaktion.“

Gleichzeitig werden Fachleute im Sozialwesen händeringend gesucht. Genau das erlebt Sebastian Noack in seiner täglichen Arbeit. „Das Land sieht gar nicht, was es durch die Kürzungen an Fachkräften verlieren wird.“ Denn neben dem Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz sollen in Brandenburg künftig Behinderte am normalen Schulleben teilnehmen können. Dafür werden mehr Betreuer gebraucht.

Grit Meyer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband in Cottbus findet deutliche Worte für den drohenden Kahlschlag in der Ausbildung: „Furchtbar. Unerklärlich.“ Durch die Kürzungen würden attraktive Angebote freier Träger zerstört. Das betreffe nicht nur die Berufsausbildung, sondern auch die Betreuung. Ein gutes, vielseitiges Angebot in den Bereichen sei aber nötig, um Fachleute überhaupt in der Region zu halten. Das sei der Anfang eines Teufelskreises.