Wirtschaftsentwicklung und Investitionen werden vom Markt getrieben, die sogenannte große Politik ist bei den Rahmenbedingungen in die Pflicht genommen - was kann da Wirtschaftsförderung auf Kreisebene bewegen?
Bei einem Forum mit Wirtschaftsförderern kürzlich in Berlin habe ich von Kollegen aus dem ländlichen Raum erfahren, dass diese Frage überall und immer wieder gestellt wird. Auch bei Unternehmern der Region ist es mir schon passiert, dass sie an mich nur die eine Frage hatten - welche Fördermöglichkeiten ich ihnen zu bieten habe. Dass Wirtschaftsförderung weit über finanzielle Unterstützung hinausgeht, muss von uns mit viel Image- und Aufklärungsarbeit immer wieder deutlich gemacht werden. Wir können mit unserem Alleinstellungsmerkmal, als regional verankerter und mit vielen Partnern vernetzter Dienstleister zu agieren, einiges für die Wirtschaft tun.

Der Landrat sprach kürzlich vor dem Kreistag von Investitionen im Rahmen der regionalen Wirtschaftsförderung in Höhe von 17 Millionen Euro und 73 neuen Arbeits- und Ausbildungsplätzen allein im Jahr 2012.
Es ist ja nicht ganz einfach, Erfolg von Wirtschaftsförderung abzurechnen. Diesen Zahlen liegt zugrunde, dass wir die gewerbliche Wirtschaft im vorigen Jahr beraten und dabei unterstützt haben, Mittel in dieser Größenordnung von der Investitionsbank des Landes Brandenburg abzurufen und zu investieren. Sicher gibt es im Landkreis Unternehmen, die unsere Dienstleistung nicht in Anspruch nehmen. Aber es gibt auch - vor allem viele kleine - Betriebe, denen Zeit und Potenzial fehlt, sich neben der täglichen Arbeit mit Förderprogrammen und Behördenwegen zu beschäftigen, vielleicht sogar extra nach Potsdam fahren zu müssen. Ihnen bieten wir unsere Unterstützung an. Uns ist es ganz wichtig, mit dafür zu sorgen, dass sich Unternehmer in unserem Landkreis wohl fühlen.

Besondere Unterstützung bieten Sie Unternehmensgründern an?
Der Lotsendienst ist schon seit mehr als 15 Jahren ein Aushängeschild der regionalen Wirtschaftsförderung. Im vorigen Jahr sind 42 Gründungswillige in den sogenannten Assessment-Centern auf ihre Firmengründung vorbereitet worden. 35 Neugründungen gab es 2012. Da steckt noch Potenzial drin, hier können und müssen wir noch mehr tun. Ich wünschte mir mehr neue, innovative Ideen, um unsere Unternehmerlandschaft in Elbe-Elster auszubauen und zu erhalten. Und es gibt durchaus immer wieder größere Ansiedlungen und Gespräche mit Investoren.

Zum Beispiel?
Die RailTec GmbH, die sich zwischen Falkenberg und Uebigau angesiedelt hat und weitere Arbeitsplätze bei Dienstleistern in der Region zur Folge hat.

Ein weiteres Paradepferd der Regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft ist der Tag der Ausbildung und Beschäftigung des Landkreises. Wie steht es mit der Vorbereitung für 2013?
Der Tag der Ausbildung findet am 26. Oktober in Finsterwalde statt. Im Mittelpunkt steht diesmal das Handwerk. Gastgeberin ist die Verkehrsmanagement Elbe-Elster GmbH. Am Vorabend des Tages der Ausbildung werden wir wieder zu einem Auftakt mit Unternehmern und Akteuren der Region einladen. Das ist im vorigen Jahr gut angekommen. Die Übergabe des Ausbildungsstars und eine Podiumsdiskussion, bei der ein intensiver Austausch zustande kam, passten gut zusammen. Inhaltlich haben wir den Tag der Ausbildung eigentlich schon rund. Und bei der Vorbereitung kann ein Wirtschaftsförderer auch noch richtig positiv überrascht werden.

Sie verraten auch wie?
Von der Oberschule Finsterwalde kamen tolle Vorschläge, wie die Schülerinnen und Schüler bei der Ausbildungsmesse mitwirken könnten. Und beim Besuch des Landrates in Agrarbetrieben wurde angeregt, bei der Ausbildungsmesse 2014 die Landwirtschaft in den Fokus zu rücken.

Apropos 2014, die Landesausstellung in Doberlug-Kirchhain fordert Ihnen sicher Besonderes ab?
Gemeinsam mit dem Landkreis wollen wir natürlich viel für die Kommunikation dieses Ereignisses tun. Bei der Grünen Woche zu Beginn des Jahres wollen wir wie in diesem Jahr wieder mit einem eigenen Stand für den Landkreis Elbe-Elster aufwarten und kleineren Unternehmen die Möglichkeit geben, sich jeweils einen Tag lang zu präsentieren. Besucher der Grünen Woche sollen schon auf einen Markt regionaler Erzeuger während der Landesausstellung neugierig gemacht werden. Für unsere Präsentation in Berlin haben wir schon einige neue Ideen zusammengetragen.

Neu wird in diesem Jahr ebenfalls ein gemeinsames Wirtschaftsforum mit Unternehmern aus den polnischen Partnerkreisen sein?
Ja, wir haben bei gegenseitigen Besuchen im Frühjahr dieses Jahres erfahren, wie groß das Interesse am Thema erneuerbare Energien ist. Mit der Firma Uesa aus Uebigau hatten wir in Elbe-Elster auch einen hervorragenden Gesprächspartner für unsere Gäste aus Polen. Wirtschaftsförderung hat für mich viel mit positiver Kommunikation zu tun. Ergebnisse sind nicht immer sofort und in statistischen Daten messbar. Vieles muss sich über längere Zeit entwickeln. Damit meine ich auch eine Willkommenskultur in Elbe-Elster, die auf unseren Stärken aufbaut. Ideen wie die Rückkehrerinitiative "Comeback Elbe-Elster" oder die Ausbildung von Jugendlichen aus anderen Ländern Europas zähle ich dazu.

Den Landkreis und seine Unternehmen zu stärken, erfordert immer wieder auch, die eigenen Stärken und Dienstleistungen bekannt zu machen.
Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation sind für mich ganz wichtig. Ich bin froh, seit dem 1. Mai in Bianca Tilch Verstärkung für Aufgaben des Standortmarketings und der Wirtschaftsförderung zu haben. Sie ist wie ich in den Unternehmen unterwegs. Und sie betreut unsere Homepage, die wir ständig mit neuen Informationen aktualisieren. Für Unternehmer soll es selbstverständlich werden, bei uns solche Hinweise wie die auf neue Fördermöglichkeiten für einen Innovationsassistenten zu erhalten.

Mit Jens Zwanzig sprach

Gabi Böttcher.

Zum Thema:
Das Team der Regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Elbe-Elster mbH:Jens Zwanzig (Geschäftsführer) , Bianca Tilch, Sabine Münster, Regina Veik und Michael Lehmann. www.wfg-elbe-elster.de