Früher, als er noch als Diplom-Ingenieur in der Wasserwirtschaft tätig war, musste der Sport hintenan stehen. Doch mit dem Alter kam Günter Schmidt so richtig in Fahrt. Nach einem Jahr Nordic Walking war ihm diese Fortbewegungsart zu langsam geworden. 2006 ging es mit Distanzen über fünf Kilometer weiter, jetzt ist kaum eine Runde kürzer als zehn Kilometer. Einen Halbmarathon möchte Günter Schmidt in diesem Jahr unbedingt noch in Angriff nehmen. Doch zuvor ist ein straffer Wettbewerbskalender abzuarbeiten, in dem meist Starts über zehn bis zwölf Kilometer angesagt sind.

Ein ganzer Stapel Urkunden kündet schon von meist siegreicher Teilnahme an diversen Läufen im Frühjahr 2013. Zwei Tage nach seinem 80. Geburtstag wollte es Günter Schmidt beim Lauf um die Schafsbergschanze in Großthiemig wissen. Beim Oberelbe-Marathon in Dresden blieb er über die zehn Kilometer mit 0:56,33 unter einer Stunde Laufzeit. Vereinsvorsitzender Lutz Jentzsch (56) zollt seinen Respekt: "Das ist Landesrekord in Brandenburg. Es ist mir jedenfalls niemand in diesem Alter bekannt, der schneller gelaufen ist", sagt er und schiebt nach: "Günter Schmidt ist sehr ehrgeizig, er ist ein Vorbild für uns alle."

Es ließe sich im Rückblick auf die zurückliegenden Jahre Wettbewerb an Wettbewerb reihen, von denen der gebürtige Thalberger meist mit einem 1. Platz als Ausbeute heimkam. Dass ihm mehr und mehr die Gegner in seiner Altersklasse fehlen, schmälert die Leistung des Sportsmannes nicht. Besonders gern misst er sich mit dem 79-jährigen Dr. Werner Jacobi aus Koßdorf. Aber der sei ja noch viel "verrückter", laufe Marathon und noch viel längere Strecken.

"Ohne Anstrengung, ohne zu schwitzen, lohnt es sich nicht zu laufen", ist Günter Schmidts Überzeugung. Drei Regeln hat er für Einsteiger parat. Laufen, laufen, laufen - das ist die erste Regel. "Zwischendurch gehen - daran sollte man den Körper nicht gewöhnen", sagt der Senior. Die zweite Regel: Ausdauer beweisen, das Ziel erreichen. Und die dritte: seinen Rhythmus finden.

An den Treffs mit Gleichgesinnten in seinem Verein - dem Lauf- und Walkingverein Bad Liebenwerda 05 - immer sonntags am Haus des Gastes führt kein Weg mehr vorbei. In der Gemeinschaft mache es mehr Spaß, als zweimal in der Woche allein den Schweinehund zu überwinden. "Wir freuen uns über Nachwuchs", wirbt der Senior. Und Lutz Jentzsch betont: "Neueinsteiger müssen keine Hemmungen haben. Wir betutteln sie."

Für den Alterspräsidenten im Verein ist ein Läufchen in der Natur "eine Sauerstoffdusche für Herz und Lunge". Außer etwas Magnesium und Eisen kennt der 80-Jährige keine Medikamente. "Ich bin so fit, wie es meine Ärzte sind", scherzt er. "An jedem Tag, an dem man läuft, wird man nicht älter", zitiert er ein Sprichwort und ist selbst augenfälliger Beweis dafür. Doch mit dem Laufen ist es nicht getan. Günter Schmidt greift auch schnell mal zu seinen zwei 5-Kilo-Hanteln. Für die Muskeln müsse man schon etwas tun.

Seit fünf Jahren in Folge legt der Kurstädter das Sportabzeichen ab. Im vorigen Jahr erfüllte er erstmals die Bedingungen für das Goldene. Im Jahr des 100. Geburtstages des Deutschen Sportabzeichens will er diesmal unbedingt wieder Gold. Kugelstoßen, Schwimmen, Laufen und der Standweitsprung gehören da zum Programm.

Bei all dem beeindruckenden Bewegungsdrang entgeht dem Gast im Hause Schmidt nicht, dass eigentlich schon der gepflegte Garten genügend Bewegung abverlangt. Und die Blumen gedeihen prächtig. Da hat der Volkssportler als ebenfalls gelernter Zierpflanzengärtner auch noch einen Tipp parat: Unten in den Topf kommt eine Schicht gut abgelegenen Pferdemists rein.

Zum Thema:
Lauftreff beim Lauf- und Walkingverein 05 Bad Liebenwerda ist immer sonntags um 9.30 Uhr am Haus des Gastes. Der Verein unter Leitung von Lutz Jentzsch zählt derzeit 24 Mitglieder und freut sich über jeden Neuzugang für die Läuferfamilie.Kontakt: Lutz Jentzsch Tel. 035341 12509; 0163 2063131.