Richtig glücklich sieht Rolf Bothen aus, als er seinen Blick über das funkelnde Wasser des Senftenberger Sees schweifen lässt. Der 57-jährige Eigentümer der "Santa Barbara" ist heilfroh, dass die dicke Eisdecke endlich verschwunden ist und er zu Ostern mit seinem Ausflugsdampfer in See stechen kann. Denn pünktlich zum Saisonstart sind am Wochenende die letzten Eisschollen weggeschmolzen. Für seine Mitarbeiter und ihn gab es in der vorigen Woche am Wassersportzentrum in Großkoschen deshalb alle Hände voll zu tun. Mit einem Kran wird zügig ein Ponton nach dem anderen ins Wasser gelassen und zusammengesetzt. Der Chef hat sich die Gummistiefel übergezogen, denn der Zeitplan ist eng bemessen. In nur zwei Stunden soll die komplette Anlegestelle an der Koschener Südsee nach dem Baukastenprinzip aufgebaut sein. Von dem hektischen Treiben lässt sich die stolze "Santa Barbara" allerdings nicht beeindrucken. Ruhig wiegt das 28 Jahre alte Fahrgastschiff auf der einen Seite des Wassersportzentrums in den Wellen und lässt sich die Sonne aufs Außendeck scheinen. Und das ist gut so, denn auch in diesem Jahr hat sie einen frischen Anstrich bekommen. Durch den langen Winter sind viele wetterabhängige Schönheitsreparaturen an dem Fahrgastschiff liegen geblieben. "Wir streichen jedes Jahr ungefähr ein Drittel neu über, so dass man alle drei Jahre einmal komplett rum ist", erklärt Rolf Bothen. Darüber hinaus hat er mithilfe seines Schwagers die Antriebsmaschine komplett auseinandernehmen müssen. "Die Gummiringe waren porös und so ist Wasser ins Öl gelaufen", erklärt der Reeder. Fast täglich ist er in diesem Winter an der Santa Barbara gewesen, um die zugefrorene Eisdecke ums Schiff herum aufzubrechen. "Als es minus 20 Grad waren, musste ich sogar zweimal am Tag herkommen und mit einem Stab das Eis rings ums Schiff aufstochern", erzählt der Selbstständige. Zwischen drei und sechs Zentimeter sei die Eisdecke über Nacht zugefroren. Im Innenraum des Dampfers liegen die Rettungsringe aufgestapelt auf dem Tisch, die Menükarten sind noch eingestaubt und durch die trüben Fenster fällt die Sonne. Auch dem Unterdeck steht seine Schönheitskur offensichtlich noch bevor. Staubsauger und Putzmittel stehen bereit. "Bis zum Osterwochenende ist die Santa Barbara auf jeden Fall wieder schick", versichert der Reeder. Die ersten beiden Touren finden am Karfreitag statt. Um 13 und um 15 Uhr wird dann wieder Hauptschiffsführer Henri Gregor das Steuer übernehmen, während sein Chef die Gäste am Einlass empfängt und für Kaffee und Kuchen sorgt. Neben den Rund- und Linienfahrten wird es auch wieder Trauungen an Bord geben. "Drei Anmeldungen für grüne Hochzeiten gibt es bereits", sagt Rolf Bothen und freut sich auf den bevorstehenden Sommer.