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| 01:29 Uhr

Schönheits-OP für eine ganze Stadt

Cottbus. Cottbus ist mit seiner Innenstadtsanierung wortwörtlich zur Modellstadt geworden. Seit 1992 wurden rund 90 Millionen Euro dafür ausgegeben. Mehr als 8,4 Millionen Euro kommen von den Grundstückseigentümern selbst. Dabei gewährt die Stadt den Besitzern derzeit noch einen Rabatt für die Ausgleichsbeiträge. Das bringt der klammen Kommune einen großen Vorteil. Peggy Kompalla

Die groß angelegte Schönheits-Operation der Cottbuser Innenstadt sorgt nicht nur für einen hübschen Anblick. Sie steigert vor allem den Wert der Grundstücke im Sanierungsgebiet. Und das teilweise beachtlich. So belegt ein aktuelles Gutachten, dass die Grundstücke gegenüber dem Jahr 1993 zwischen 16 und 39 Euro je Quadratmeter an Wert zugelegt haben. Das berichtet Charlotte Schneider von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) mbH.

Für diesen Vorteil müssen die Grundstückseigentümer einen Ausgleichsbetrag zahlen. Fällig ist der zum Ende der Förderperiode. In Cottbus läuft sie laut Baudezernentin Marietta Tzschoppe (SPD) im Jahr 2015 aus. Trotzdem hat der überwiegende Teil der Eigentümer seine Beiträge bereits freiwillig überwiesen. Denn die Stadt gewährt Frühzahlern einen Verfahrensabschlag – also einen Rabatt. Am höchsten war der in den Jahren 2005 und 2006. Wer damals zahlte, sparte 15 Prozent. Derzeit beträgt er fünf Prozent und wird nur noch bis zum Jahresende ermöglicht.

Das klingt nach einem Minus-Geschäft für die Stadt. Doch das Gegenteil ist der Fall: Denn die Frühzahler-Beiträge fließen zu 100 Prozent in Sanierungsprojekte der Modellstadt. Beiträge, die erst mit Ablauf der Förderperiode bezahlt werden, müssen gedrittelt werden – die Fördermittelgeber Bund, Land und Kommune erhalten jeweils ihren Anteil. Es gibt also deutlich weniger für die Stadt.

„Deshalb wollen wir so viele Vereinbarungen zur vorzeitigen Ablösung wie möglich abschließen“, sagt die Baudezernentin. Seit dem Jahr 2005 macht die Stadt dafür verstärkt Werbung. „Gerade in der derzeitigen Haushaltslage ist das wichtig.“ Denn dieses Geld kann keine Finanzaufsicht einfrieren oder aber die Stadt zum Stopfen von Haushaltslöchern nutzen. „Genau das ist ein Argument für viele Eigentümer, selbst für die, die gar nicht in Cottbus leben“, sagt Charlotte Schneider von der DSK.

Tatsächlich habe sich Cottbus bei der Innenstadtsanierung zu einem Vorreiter entwickelt, erklärt Charlotte Schneider. „Und das nicht nur in den neuen Bundesländern.“ Die DSK betreut bundesweit derartige Projekte.

Das hat sich längst ausgezahlt. Fast zwei Modellstadt-Jahrzehnte haben das Image der Stadt allmählich verwandelt. Längst kommen den Menschen beim Wort Cottbus nicht mehr zu allererst Kohle und rauchende Schlote in den Sinn.

Zum Thema:

HintergrundDas Sanierungsgebiet Modellstadt Cottbus – Innenstadt umfasst 125 Hektar. In dem Gebiet liegen rund 1700 Grundstücke von 480 Eigentümern.Die freiwillige Ablösung des Ausgleichsbetrages haben bislang 298 Eigentümer genutzt. In der Modellstadt wurden bislang 95 Infrastrukturprojekte, 300 private Modernisierungen, 70 Ordnungsmaßnahmen und 23 Neugestaltungen von Grünanlagen realisiert. In der letzten Förderperiode liegt der Schwerpunkt auf dem öffentlichen Raum.