Subang/Bangkok. Statt gefönter Löwenmähne tragen die Frauen Kopftücher, statt ausgeschnittenen T-Shirts lose Hemden mit langen Ärmeln. Sie wollen Miss Muslim World werden und müssen neben Schönheit auch Verstand und Frömmigkeit unter Beweis stellen.

"Mode ist nett, aber wichtig ist, was man im Herzen hat" , sagt die indonesische Studentin Balqis Faradiba (21). Wie sie wollen Frauen aus Nigeria, Bangladesch, Iran, Brunei und Malaysia Miss Muslim World werden. Sie wurden aus 100 Video-Bewerbungen ausgesucht. Unter ihnen sind Studentinnen, eine Umweltaktivistin, eine Dozentin, eine Architektin, eine Ärztin. "Ich will die Schönheit des Islams herausbringen und zeigen, dass muslimische Frauen eine Menge drauf haben", sagt Studentin Obabiyi Aishah Ajibola (21) aus Nigeria. Masoumeh Ebrahimi (27) aus dem Iran, mit Studienabschlüssen in Industriemanagement und Design, will das Kopftuch salonfähig machen. "Es gehört zu meiner Identität", sagt sie.

In der Finalrunde ist der Schönheitsschlaf um 3 Uhr zu Ende. Der Muezzin ruft zum Morgengebet. Es folgen Vorträge über das islamische Finanzwesen, islamische Erziehung und Koraninterpretation. Die Frauen sitzen mit dicken Büchern auf dem Schoß auf dem Boden und hören aufmerksam zu.

Tausend Kilometer weiter östlich in Bali findet gerade die Finalrunde des Miss-World-Wettbewerbs statt. Dort bringen sich die Teilnehmerinnen vor Hunderten Kameras im knappen Sportdress beim Beach-Volleyball in Pose, oder durchgestylt im Batik-Look beim Tempelausflug - fliegende Löwenmähne inklusive. Gegen dieses Miss-World-Finale am 28. September gehen seit Wochen tausende Demonstranten auf die Straße.