Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine bemerkt schon seit einiger Zeit deutlich mehr Anfragen von Rentnern, die sich nach der Besteuerung ihrer Alterseinkünfte erkundigen. "Warten Sie nicht auf die Aufforderung vom Finanzamt", rät der Experte. Denn die etwaige Steuerpflicht gilt seit 2005, unabhängig von der Änderung im Herbst. Je länger der Steuerzahler wartet, desto höher werden die möglichen Zinsen auf Nachzahlungen. Theoretisch kommt bei Säumigkeit sogar ein Strafverfahren wegen Steuerverkürzung oder Steuerhinterziehung in frage. Das werde laut Nöll aber nur selten passieren. Rentner, die sich noch nicht beim Finanzamt gemeldet haben, sollten trotzdem schnell aktiv werden.7664 Euro im Jahr "Auch Rentenempfänger müssen eine Einkommensteuererklärung abgeben, wenn der Gesamtbetrag der Einkünfte mehr als 7664 Euro im Jahr übersteigt", sagt Anita Käding vom Bund der Steuerzahler. Dieser Wert gilt für einzeln veranlagte Personen. Für gemeinsam veranlagende Ehepaare wird der doppelte Betrag zugrunde gelegt. Das bedeutet aber nicht, dass alle eine Erklärung abgeben müssen, die im Jahr Einkünfte von mehr als 7664 Euro haben. Das liegt zum einen daran, dass der Fiskus je nach dem Jahr des Renteneintritts einen prozentual unterschiedlichen Teil der Alterseinkünfte für die Besteuerung heranzieht. Zum anderen können auch Rentner Freibeträge geltend machen. Und sie haben die Möglichkeit, Ausgaben oder Verluste gegenzurechnen und so das zu versteuernde Einkommen zu verringern. Deshalb nennt die Bundessteuerberaterkammer eine Zahl weit über dem Grundfreibetrag von 7664 Euro: "Wer nur die gesetzliche Rente bis zu einem Betrag von 18 900 Euro jährlich bekommt und sonst keine weiteren Einkünfte hat, zahlt höchstwahrscheinlich keine Steuern", sagt Geschäftsführer Jörg Schwenker. Er müsse aber unter Umständen eine Steuererklärung abgeben, um nachzuweisen, dass er nicht zahlen muss.Geld zurücklegenOb also eine Einkommensteuererklärung abgegeben werden muss, kann nur individuell ausgerechnet werden. "Es kann sich durchaus lohnen, etwas Geld für eine eventuelle Steuerforderung zurückzulegen", sagt Nöll. Absetzbar sind Beiträge zur Haftpflicht-, Lebens- oder Unfallversicherung, zählt Schwenker auf. "Außerdem sollte jeder Rentner Belege über Arzt- und Krankheitskosten sammeln und sie als außergewöhnliche Belastungen geltend machen, sofern diese einen vom Einkommen abhängigen Selbstbehalt übersteigen." Senioren mit einem Nebenjob könnten zudem den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 920 Euro im Jahr gegenrechnen.Unter www.test.de/rechner finden Rentner eine Hilfe zur Einschätzung ihrer Steuerpflicht zum kostenlosen Herunterladen.