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Schnäppchen-Fallen im Internet

Wenn Markenartikel im Internet deutlich unter dem normalen Preis angeboten werden, sollten Kunden hellhörig werden.
Wenn Markenartikel im Internet deutlich unter dem normalen Preis angeboten werden, sollten Kunden hellhörig werden. FOTO: Büttner/dpa
COTTBUS. Immer häufiger werden Verbraucher Opfer von gefälschten Internet-Läden, die Top-Produkte zu Tiefstpreisen anbieten. Falls nach dem Kauf überhaupt etwas geliefert wird, dann handelt es sich meist um billige Kopien. Nina Scheid

Im Internet lauern viele Gefahren: Neben Schadsoftware, die den Computer verseuchen kann, ist Betrug beim Online-Shopping ein häufiges Phänomen. Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts wurden in Deutschland allein 2016 über 70 000 Fälle von Warenbetrug im Internet erfasst. Bei den Tätern handelt es sich dabei längst nicht mehr nur um Privatpersonen, die auf Online-Marktplätzen den Versand bereits bezahlter Ware verweigern: Betrug wird mittlerweile auch im großen Stil durch gefälschte Online-Shops betrieben.

Das Prinzip ist denkbar einfach: In einem Online-Shop bieten Betrüger Ware an. Um Kunden anzulocken, werden Artikel oft billiger angepriesen: Die teuren Markenschuhe für 80 anstatt 150 Euro, eine Designer-Tasche für 200 anstatt 300 Euro oder eine Küchenmaschine zum Schnäppchenpreis. Der Kunde bestellt und soll meist per Vorkasse oder Direktüberweisung bezahlen. Die Shop-Betreiber stecken das Geld ein, versenden die Ware aber nie. Oder Sie versenden minderwertige Produkte.

Oft merken die Betrogenen erst nach missglückter Kontaktaufnahme, dass sie Opfer eines Internet-Betrügers geworden sind. Vor allem dann, wenn der Online-Shop den Auftritt eines seriösen Anbieters exakt kopiert hat. Deshalb sollten Verbraucher die Webseite, auf der sie bestellen wollen, genau in Augenschein nehmen: Oft gibt es nämlich Indizien, die sich schon im Vorfeld erkennen lassen.

Laut der Verbraucherzentrale Niedersachsen sollten Nutzer zunächst das Impressum des Online-Shops überprüfen. Ist es unvollständig oder fehlt gar komplett, sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um ein unseriöses Angebot handelt. Ist beispielsweise nur ein Postfach anstatt einer vollständigen Adresse angegeben, sollte dort nicht bestellt werden. Auch wenn die Identität des Shop-Betreibers unklar ist oder kaum Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme angegeben sind, sollten die Alarmglocken läuten. Eine kostenpflichtige Rufnummer ist demnach ebenfalls ein Hinweis auf ein unseriöses Angebot. Weitere Anzeichen seien ausschließlich oder überwiegend positive Kundenbewertungen auf der Webseite selbst und eine fehlende oder unvollständige Bestellbestätigung. Nutzer sollten im Zweifel auf anderen Webseiten, Foren oder sozialen Medien nach Kundenmeinungen suchen. Oft finden sich so Hinweise von Menschen, die dort bereits bestellt haben und entweder Gutes zu berichten haben oder aus bestimmten Gründen vom Kauf abraten.

Außerdem sollten Verbraucher die Bezahlmöglichkeiten im Auge behalten. Oft werden anfangs sichere Optionen angeboten, wie beispielsweise Kauf auf Rechnung, im Laufe des Bestellvorgangs bleiben dann aber nur die Optionen Vorkasse oder Direktüberweisung übrig. Laut der Internet-Plattform Watchlist, die über Fälle von Online-Betrug informiert, sollten Nutzer auch bei sehr günstigen Angeboten hellhörig werden. Erscheint ein Angebot zu gut, um wahr zu sein, ist es wahrscheinlich gefälscht. Außerdem sollte auf eine gesicherte Verbindung beim Bezahlvorgang geachtet werden. Dies erkenne man daran, dass https statt nur http in der Adresszeile steht und ein kleines Vorhängeschloss in der Adressleiste der Webseite zu sehen ist. Auch Rechtschreibfehler könnten ein Zeichen für unseriöse Anbieter sein. Verbraucher sollten daher auf ihren ersten Eindruck vertrauen: Erscheint ihnen etwas am Online-Shop suspekt, sollte besser nicht bestellt werden.

Vertrauenssiegel, beispielsweise das Trusted Shop-Siegel, erwecken oft den Eindruck, es handele sich bei einem Online-Shop um ein seriöses und geprüftes Angebot. Betrüger kopieren diese Siegel jedoch oft einfach auf die eigene Seite. Laut der Verbraucherzentrale sollten Nutzer auf das Siegel klicken. Leite dies auf das Zertifikat des jeweiligen Shops weiter, könne man dem Angebot vertrauen. Auch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) können einen Hinweis auf unseriöse Anbieter geben: Oft fehlt hier beispielsweise der Verweis auf das gesetzliche Widerrufsrecht.

Wenn der Kauf bei einem zweifelhaften Anbieter bereits abgeschlossen ist, sollten Geschädigte laut der Watchlist-Plattform schnellstmöglich vom Kaufvertrag zurücktreten und gezahltes Geld zurückverlangen. Dies könne formlos per E-Mail geschehen. Auch die eigene Bank sollte kontaktiert werden. Selbst wenn meist kein Rechtsanspruch auf Rückerstattung bestehe, zeigten sich Banken bei Betrugsfällen oft kulant. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik rät Geschädigten, in jedem Fall Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Auch sollten sie eine Verbraucherzentrale kontaktieren. Diese könne beratend zur Seite stehen sowie eine Einschätzung dazu abgeben, ob Geschädigte eine Chance haben, ihr Geld zurückzuerhalten.

Für die Anzeige sollten alle Belege des Online-Shops oder der eigentlichen Bestellung aufbewahrt werden, beispielsweise die Adresse der Webseite, E-Mails, Screenshots, Bestellbestätigungen, Überweisungsbelege und Rechnungen.

www.verbraucherzentrale-

niedersachsen.de/

checkliste-fake-shops.pdf

www.watchlist-internet.at