Ludwig Schmidt war nie der Mann großer Worte. "Anpacken, etwas bewegen, etwas schaffen können, das ist es, womit ich meine Tätigkeit in der Sparkasse Elbe-Elster am meisten verbinde", sagt er auf die Frage, was hängen geblieben ist. Bis 2004 war er der Kapitän auf der Brücke. Und dabei vieles zugleich: Visionär, Planer, Bauherr - und natürlich Betriebs- und Kreditwirtschaftler. Nach der Fusion der drei Altkreis-Sparkassen Bad Liebenwerda, Finsterwalde und Herzberg wählten die damals sechs Vorstandsmitglieder (zwei aus jedem Institut) den Bad Liebenwerdaer Sparkassenchef zum Vorstandsvorsitzenden. Er erinnert sich: "Natürlich hat am Anfang jeder noch für seine Ecke das meiste herausholen wollen. Die Erkenntnis, dass man nun eins ist, musste wachsen." Da war zum Beispiel die Festlegung des Sparkassenhauptsitzes. "Alle wollten den haben. Und ich sage Ihnen, wenn es mir damals vor der Fusion gelungen wäre, die Sparkasse in Bad Liebenwerda an der Stelle der Reiss-Häuser in der Mittelstraße neu zu bauen, wäre der Hauptsitz jetzt in Bad Liebenwerda", so Schmidt. Schließlich habe der Vorstand mit dem damaligen Verwaltungsratsvorsitzenden und Landrat Walter Kroker, den Schmidt sehr schätzt, abgewogen und sich für die größte Stadt im Kreis entschieden. "Eine Entscheidung, die Finsterwalde bis heute hohe Gewerbesteuereinnahmen bringt", macht der 71-Jährige, der noch immer in Bad Liebenwerda wohnt, deutlich.

Schmidt, der Bauherr: Es gibt kaum eine Filiale, die in der Schmidt-Ära nicht neu gebaut oder modernisiert wurde. Zum Glück ist der Vorstandsvorsitzende dabei nicht arm geworden, denn wie berichtete die RUNDSCHAU doch gleich 2001 vom Baugeschick des Chefs beim Richtfest am neuen Sparkassen-Hauptsitz in Finsterwalde? "Pro Hammerschlag, so sei es Tradition, müsse der Bauherr einen Kasten Bier für die Zimmerleute spendieren. Bei über 50 Schlägen aber hörte selbst Andreas Görner auf zu zählen."

Wesentlich treffsicherer waren die Produkte, die Schmidt an den Markt brachte. Die Krönung: der bundesweite Ausbildungs-Oskar 2003. Für jeden neu geschaffenen Ausbildungsplatz in der Region hatte die Sparkasse Elbe-Elster genau in jener Zeit, als das Land die "Wegzugsprämie" lobpries, zinslose Kredite in Höhe von 15 000 Euro ausgereicht. 28 Betriebe beteiligten sich und gaben 36 Azubis eine Chance. Oder als das regionale Handwerk 1998 über mangelnde Aufträge und schlechte Zahlungsmoral klagte: Die Sparkasse legte ein Sonderkreditprogramm auf, das Kunden binnen 24 Stunden bis zu 50 000 Mark zinsgünstig für die Heizungs- oder Badmodernisierung beziehungsweise Energiesparmaßnahmen gewährte. Es war der regionale Vorläufer des heutigen bundesweiten Konjunkturpaketes.

Im gleichen Jahr wurde die Sparkassenstiftung gegründet. "Das war mein Baby", sagt Schmidt nicht ohne Stolz und freut sich, dass sein damaliger Vorstandskollege und späterer Nachfolger Manfred Schäfer dieser Stiftung, mit der Kunst, Kultur, Bildung, Tourismus und Gesundheit gefördert werden, weiter hohe Beachtung schenkte. "Wir beide haben immer auf Augenhöhe gearbeitet und sind heute noch befreundet", so Schmidt.

Die Einführung des Euro am 1. Januar 1999 ist Schmidt ebenso im Gedächtnis geblieben. "Wenn es mit dem Euro vorangeht, sind alle Wege ins nächste Jahrhundert, ja sogar Jahrtausend, offen", hatte er gesagt. Zu euphorisch? "Nein, wir hatten damals die festgelegten Stabilitätskriterien der Bundesbank zugrunde gelegt. Doch die sind ja immer wieder unterhöhlt worden. Griechenland, Portugal, Spanien hätten unter diesen Gesichtspunkten den Euro gar nicht bekommen dürfen", so Schmidt, der heute von der Euro-Entwicklung sagt, dass sie "durchaus kritisch zu betrachten" ist.

Noch eins macht ihn stolz, wenn er durch die Kurstadt schlendert: "Können Sie sich vorstellen, wie der Burgplatz ohne Bürgerhaus aussehen würde?" Um etwas verärgert nachzuschieben: "Schade, dass die öffentliche Hand nicht wie erhofft mitgezogen hat und nicht noch mehr Veranstaltungen dort stattfinden." Die Konkurrenz zum städtischen Haus des Gastes, "das natürlich auch Veranstaltungen anbieten muss, um sich zu tragen", erweise sich als Handicap.

Und was macht der Banker heute? "Auf jeden Fall verfolge ich aufmerksam, was passiert." Dass er auf der Höhe der Zeit bleibt, dafür sorgt unter anderem ein Stammtisch von Unternehmern, Politikern und Verwaltungsfachleuten in Bad Liebenwerda, der im nächsten Jahr 20 Jahre alt wird. "Da haben wir ganz spezifische Vortragsthemen und spezielle Gäste." Dann sind da noch die Jagd und das Ferienhaus an der Costa Blanca, das er seit Ende der 70er- Jahre besitzt. Mit seiner Frau zieht es ihn im Winter dorthin. "Wir werden das erste Mal über Weihnachten und Silvester hier bleiben", sagt er und berichtet beim Telefonat aus dem Internetcafé von blühenden Mandelbäumen im Februar im Tal und einer leichten Schneedecke auf den gut 1600 Meter hohen Gipfeln. "Es ist ein Ort mit speziellem Klima, besonders für Leute, die es mit den Bronchien haben." Im Sommer freuen sich beide auf den Besuch ihrer inzwischen sechs Enkel in Spanien.

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Zur PersonLudwig Schmidt kam Anfang 1991 nach Bad Liebenwerda und leitete zunächst die dortige Sparkasse. Am 9. Januar 1995 wurde er Vorstandsvorsitzender der fusionierten Sparkasse Elbe-Elster. Dieses Amt übte er bis zum 1. März 2004 aus. Der 71-Jährige stammt aus Bückeburg im Schaumburger Land (Niedersachen), ist verheiratet und hat seinen Hauptwohnsitz in Bad Liebenwerda.