"Ich hab den Ringversand gern gemacht. Es war ein angenehmer Zeitvertreib", blickt Ingrid Luge auf ihren Job als Verteilerin von Bundes- und Jugendringen zurück. Auch mit dem Wissen, dass die Leitung der Ringverteilungsstelle viele Stunden beanspruchte. "In den letzten Dezembertagen und im Januar zog ich täglich mit rund 20 Paketen oder Umschlägen zur Post", erzählt sie. "Nachbestellungen aus ganz Brandenburg und Berlin gab es bis in den August hinein."

Seinerzeit hatte sie sich an der öffentlichen Ausschreibung des Landesverbandes beteiligt und den Zuschlag zum Führen der Ringverteilungsstelle erhalten. Fortan verließen jährlich rund 700 Sendungen die Südseite der Calauer Schweiz, einige Züchter hatten sich ihre Kunststoffringe sogar direkt bei Ingrid Luge abgeholt.

Die Bundesringe stammen von einem Produzenten aus Thüringen und sind je nach Geflügelrasse in 19 Größen von 3,5 bis 27 Millimetern Durchmesser erhältlich. "Puten und Wassergeflügel benötigen größere Ringe als zum Beispiel Tauben", erklärt sie und verweist auf rassebedingte Unterschiede: So stünden beim Beringen von Tauben, Wassergeflügel, Hähnen (Sporn) oder belatschten Tieren nur sehr enge Zeitspannen zur Verfügung. 2007 hatte Ingrid Luge mit Blauen Wyandotten (Hühner), Cröllwitzer Puten und Danziger Hochfliegern (Tauben) noch selbst Rassegeflügel gezüchtet bis ein Fuchs dem Hobby ein jähes Ende bereitete. Reineke hatte die Abwesenheit der Hofchefin genutzt und der Zucht irreparablen Schaden zugefügt.

Es war der zweite Schicksalstag binnen eines Jahres. Wenige Monate zuvor verstarb Ehemann Manfred Luge, Präsidiumsmitglied im Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter und Landesverbandsvorsitzender Berlin/Brandenburg. Ingrid Luge fand in der Ringverteilungsstelle willkommene Ablenkung. Bis in die Nachtstunden war sie mit dem Abzählen, Verpacken und Ausstellen von Ringausweisen beschäftigt.

Diese ermöglichen später eine genaue Zuordnung der Rassegeflügelzüchter. Ihren Job hat sie an Regine Graf aus Berlin-Reinickendorf abgetreten. "Wir stehen in Verbindung, ein reibungsloser Übergang liegt uns allen am Herzen", sagt die Luckaitztalerin.

Zum Thema:
Die vom Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter ausgegebenen Bundesringe dienen der Kennzeichnung des Einzeltieres. Der Bundesring enthält Angaben über den Jahrgang, die verwendete Ringgröße in Verbindung mit dem Herkunftsland (in Deutschland der Buchstabe "D") sowie eine fortlaufende Nummer, die sich aus Buchstaben und Zahlen zusammensetzt. Letztere werden im jeweiligen Jahr nur einmal vergeben. An der Farbe der Kunststoffringe (2013/grün) lässt sich zudem das Alter der Tiere ablesen. Bundesjugendringe sind lilafarbig und zusätzlich mit dem Buchstaben "J" für Jugend gekennzeichnet.