An diesem Wochenende führen die „Lebensspuren“ von Uta Kilian Moes nach Schlieben. Wohin genau? Nach Schlieben-Berga. „Dorthin, wo ich aufgewachsen bin, wo das Thema Arbeit durch das Kombinat Holzindustrie überall präsent war. Wo es auch heute noch die ,Straße der Arbeit‘ gibt, weil einst darauf täglich Hunderte Menschen unterwegs waren, hin zum Betrieb, zu den Kollegen in die Brigaden – und wieder nach Hause. In den Ferien habe ich dort selbst einmal gearbeitet.“

Nach vielen Jahren kehrt die Frau erstmals mit dem Fotoapparat in der Hand zurück und fragt sich, ob es noch Spuren jener Menschen gibt, an einem Ort, der so lange schon verlassen ist – verwaist von jeglichem Werktätigsein.

Lebensspuren entdeckt

„Da war ein großes Loch im Zaun, ich kroch hindurch und stolperte bereits auf den vergrasten Pfaden über solche Spuren. Auch die verwitterten Gebäude waren voll davon: verlassene Spinde, abgerissene Tapeten, verwitterte Zeitungen, eine Wodkaflasche hinter vergilbten Gardinen, ein Aktfoto.“ Von diesen Dingen hat Uta Kilian Moes Aufnahmen gemacht, eigentümliche Stillleben. Sie erzählen dem Betrachter bewegte Geschichten – zeigen Lebensspuren auf. Ergänzt wird die Exposition von außergewöhnlichen Arbeiten, die Hobbyfotograf Peter Wolf zusammenstellte: Bildnisse von Schliebener Originalen: Gassel, Hermann etwa, der legendäre Milchkutscher.

Künstlerin Moes, mit Mädchennamen Kölling, ist Mutter zweier erwachsener Kinder und lebt seit vielen Jahren im kleinen Flämingdorf Mark Zwuschen bei Seyda. Ihre Festanstellung hat die 52-Jährige im Diesthof, einer Wohn- und Lebensgemeinschaft für Behinderte, vor einiger Zeit aufgegeben. Einst hatte sie die Förderwerkstatt für Geistigbehinderte mit aufgebaut und später geleitet.

So eine Arbeit bleibt nicht ohne Nachwirkungen. „Ich bin in die Selbstständigkeit gegangen, um das Potenzial an Kreativität in mir besser rauslassen zu können“, beschreibt sie ihre Motivation. Frei von mancherlei Zwängen will sie hauptsächlich das tun, was sie schon lange umtreibt – und auch innere Ruhe gibt: Malen, künstlerisch Fotografieren, plastisch Gestalten, sich wieder dem geliebten Puppen- und Theaterspiel widmen.

Diese Leidenschaften nutzt sie auch, um als Ausbilderin kreative Entwicklungsprozesse von Menschen zu begleiten, die ihre eigene Schöpferkraft entdecken wollen.

Bekannte hatten ihr abgeraten, die berufliche Sicherheit aufzugeben. Ihre Schwester Katrin zuckte jedoch mit den Schultern und kommentierte: „Uta hatte schon immer die Kunst im Kopf – und jede Menge Mut.“

Auf der Suche nach Gesichtern Uta Kilian Moes braucht etwa eine Stunde, um von Mark Zwuschen nach Schlieben zu fahren, wo ihre Mutter und ihre Schwester mit Familie wohnen. Mindestens einmal im Monat ist sie dort. Oft nimmt sie den Weg über Lebusa. Von dort stammen die Großeltern her. Dort war Uta Kilian Moes auch schon mit künstlerischem Ansinnen unterwegs – auf der Suche nach Gesichtern, die immer seltener werden: „Menschen auf den Höfen – Frauen mit Kittelschürzen und Kopftüchern. Es wird Zeit zu zeigen, wie einzigartig sie sind und wie ihr Umfeld sie geprägt hat.“

Das klingt zwar auch nach „Lebensspuren“, gehört jedoch zu einem anderen Projekt, das Kilian Moes „Menschen – Farben – Räume“ nennt und zu dem sie in Brandenburg, in Sachsen-Anhalt und im Saarland unterwegs war. Mit einem Teil dieser Arbeiten hatte sie im Sommer bereits eine Ausstellung in Paris – im „Au Relais“, 48 Rue Lamarck. „Es ist ein Lokal, das als Galerie begehrt ist, weil dort ein an Kunst interessiertes Publikum ein- und ausgeht.“ Und vielleicht gibt es demnächst in Paris auch noch weitere Räume für ihre Arbeiten.

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Zum Thema Die Ausstellung Lebensspuren von Uta Kilian Moes ist an beiden Weihnachtsmarkttagen, am Samstag und am Sonntag, jeweils von 15 bis 18 Uhr im Schliebener Pfarrhaus geöffnet.