Nachfahre des Königs Salomon. Er lebte in Pomp, während die Landbevölkerung Hunger litt, er wurde geliebt und verachtet, hat seinem Heimatland viel Gutes getan, aber auf die drohenden Katastrophen zu spät reagiert. Sicher ist: Dem Charisma des Kaisers mit den stolzen Gesichtszügen konnte sich niemand entziehen. Heute vor 40 Jahren starb Haile Selassie unrühmlich: Er wurde von putschenden Militärs mit einem Kissen erstickt.

Im Süden Äthiopiens wird der Monarch noch immer wie ein Gott verehrt: In dem Örtchen Shashemene haben sich seit 1963 Tausende Rastafarians aus allen Teilen der Welt niedergelassen. Der Name leitet sich von Haile Selassies Prinzennamen ab: Ras Tafari. Als er 1930 zum Kaiser gekrönt wurde, sah eine kleine Sekte aus Jamaika dies als Zeichen für die Wiederkunft eines schwarzen Gottes.

"Kaiser Haile Selassie war wohl der größte afrikanische Staatsmann des 20. Jahrhunderts, ein Mann mit einer Aura, der sich nur wenige entziehen konnten", sagt sein in Deutschland lebender Großneffe, der Bestsellerautor Asfa-Wossen Asserate (66). "Sein großes Verdienst war die Tatsache, dass er Äthiopien in seiner fast 60-jährigen Herrschaft vom tiefsten Mittelalter in das 20. Jahrhundert hinaufkatapultiert hat." Auch habe er den Vielvölkerstaat Äthiopien geeint - ethnische Konflikte gab es damals nicht. Gleichzeitig habe er es versäumt, die Zeichen der Zeit zu erkennen und dringend notwendige Reformen einzuleiten, sagt Asfa-Wossen.

Unvergessen ist Haile Selassies Rede vor der Generalversammlung des Völkerbundes in Genf im Juni 1936. Die Faschisten des italienischen Diktators Benito Mussolini waren damals in Äthiopien einmarschiert, und der mittlerweile im Exil lebende Kaiser appellierte an die Welt: "Die Katastrophen sind unausbleiblich, wenn die großen Staaten der Vergewaltigung eines kleinen Landes zusehen." Nicht lange danach brach der Zweite Weltkrieg aus.