Denn die warmen Temperaturen der vergangenen Monate ließen die Wirtstiere des Virus, die Blattläuse, so massenhaft überleben, dass Landwirte mit ernsthaften Ernteausfällen rechnen müssen.
In Niedersachsen sind einige Gerstenfelder bereits zu über 50 Prozent geschädigt, warnte die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) in Braunschweig Ende vergangener Woche. Aber auch anderes Getier profitiert vom warmen Winter. Dass er und die Klimaerwärmung generell in diesem Jahr zu Insektenplagen führen, ist gleichwohl noch längst nicht ausgemacht. Für die Entwicklung von vielen Schädlingen ist entscheidend, ob das Frühjahr nass-kühl oder trocken-warm wird, sagt die BBA-Sprecherin Gerlinde Nachtigall.
Unklar ist bislang, ob Nützlinge wie der blattlausfressende Marienkäfer unter der fehlenden Kälte gelitten haben: In einem warmen Winter läuft der Stoffwechsel der Tiere in höherem Tempo, sie verbrauchen mehr Energiereserven als üblich und können deshalb vorzeitig verhungern.
Andererseits finden Marienkäfer nun in der Blattlausplage viel Futter für ihren sogenannten Reifefraß vor der Eiablage. Populationsbiologen gehen deshalb davon aus, dass sich Schädlinge und Nützlinge in einer intakten Natur bald in einem Gleichgewicht einpendeln werden.
Dass es wegen des milden Winter zum Schnecken-Gau im Gartenbau kommen könnte, wenn dem schleimigen Getier kein Einhalt geboten wird, gilt unter Schrebergärtnern als ausgemacht. Sie stellen deshalb Schälchen mit Bier neben ihre jungen Triebe und finden darin schon jetzt Dutzendfach streichholzkopfgroße Schnecklein, die vom süßlich vergorenen Duft angelockt, einen frühen Tod sterben.
Und längst aktiv sind auch schon die Zecken. Diese blutsaugenden Milben breiten sich wegen der Klimaerwärmung immer weiter nach Norden aus und übertragen gefährliche Krankheiten. (AFP/ta)