Immer mehr Tiere dürfen ihre Besitzer ins Büro begleiten. Die Akzeptanz für Tiere am Arbeitsplatz steige weiter, sagt der Deutsche Tierschutzbund mit Sitz in Bonn. Vor allem Hunde seien beliebt im Büroalltag. Allerdings liege es beim Chef, dies zu erlauben. Laut dem Anwalt für Arbeitsrecht, Jürgen Markowski, muss der Arbeitgeber entscheiden, ob dadurch zum Beispiel Probleme in Sachen Hygiene oder Arbeitssicherheit entstünden.

Seit Jahren steigt die Zahl der Hunde, Katzen, Nager und Vögel, die in deutsche Haushalte einziehen – vor allem in den Großstädten. Jeder dritte deutsche Single habe ein Tier, sagt Antje Schreiber vom Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands.

Vor allem die Zahl der Hunde sei bundesweit zwischen 2016 und 2017 sprunghaft um etwa 600 000 gestiegen. 9,2 Millionen Vierbeiner seien demnach in 18 Prozent der deutschen Haushalte zu Hause. In Berlin leben insgesamt rund 300 000.

In den hippen Start-ups der Hauptstadt ist es deshalb nicht mehr ungewöhnlich, außer den Kollegen morgens auch deren Vierbeiner zu begrüßen. Die Akzeptanz, sein Tier mit ins Büro zu bringen, sei in den letzten zehn Jahren merklich gestiegen, sagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Aus ihrer Sicht ein positiver Trend: „Dann ist das Tier nicht den ganzen Tag allein.“

Nicht jedes Tier sei jedoch für den Büroalltag geeignet. Kaninchen, Katzen oder Vögel, die weniger Aufmerksamkeit brauchen, können auch zu Hause bleiben. Das Transportieren und der Alltag im Büro sind für diese Tiere meist zu stressig.

Anders ist das bei Hunden. Vier bis fünf Stunden ohne Zuwendung ist für manche Vierbeiner schon zu viel. „Das kann sie aggressiv machen, weil sie nicht ausgelastet sind“, sagt Schmitz.

Wie das Zusammenleben mit einem Hund im Büro funktionieren kann, weiß Markus Beyer, Vorsitzender des Bundesverbands Bürohund. Hunde sorgten für Entspannung bei den Mitarbeitern. „Das Streicheln setzt Hormone frei, die Stress reduzieren“, sagt Beyer. Der Bürohund senke das Risiko für einen Burn-out.

Problematisch wird es allerdings, wenn Kollegen Angst vor Hunden haben. Es müsse klare Regeln geben, so Beyer. Zum Beispiel sollte es Bereiche mit Leinenpflicht oder hundefreie Zonen geben, damit sich die Kollegen sicher fühlen. Angst vor Hunden verschwindet nicht von heute auf morgen. Und auch Hunde brauchen ihre festen Rückzugsorte, um sich ungestört ausruhen zu können.

Herrchen und Frauchen sollten ihr Haustier aber nicht einfach so mit zur Arbeit bringen. Arbeitnehmer seien immer auf die Erlaubnis des Arbeitgebers angewiesen, betont der Anwalt für Arbeitsrecht, Jürgen Markowski. Diese Erlaubnis könne gegeben, aber auch verweigert werden – etwa wenn Gründe der Hygiene oder der Arbeitssicherheit dagegen sprechen. Fühlen sich andere gestört, bedroht oder in ihrer Gesundheit gefährdet, dann müsse der Arbeitgeber eine solche Erlaubnis sogar widerrufen.

Brandenburg

Nur wenige Menschen in Brandenburg nehmen ihr Haustier jedoch bisher mit zur Arbeit. Es gibt allerdings Arbeitgeber, die Hund, Katze und Co. im Büro zulassen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. „Wir wissen, dass Fachkräfte-Engpässe oft eine Rolle spielen“, sagt Oliver Panne von der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB). Haustiere am Arbeitsplatz könnten außerdem die Motivation der Mitarbeiter steigern.

Dabei verweist Panne auf eine bundesweite Studie, nach der 34 Prozent der Berufstätigen Arbeitgeber für attraktiver halten, wenn diese Haustiere am Arbeitsplatz erlauben. In einer weiteren Umfrage hätten sich rund 53 Prozent der befragten Firmen dazu bekannt, „pro Hund“ eingestellt zu sein.

Rückzugsorte und Gassigehen in der Pause sowie ausreichend Platz sind laut Landestierschutzverbands, wichtige Voraussetzungen, ein Tier am Arbeitsplatz halten zu können. „In vielen Fällen kann das Tier auch dazu beitragen, das Betriebsklima zu verbessern“, sagt dessen Vorsitzende Ellen Schütze. Sie verweist vor allem auf den Hund als Sozialpartner.

In der Stadtverwaltung Potsdam gibt es keinen einzigen Paragrafen, der es Mitarbeitern verbietet, Tiere mit an den Arbeitsplatz zu nehmen. „Mir ist aber auch nicht bekannt, dass das jemals eine Rolle gespielt hat“, sagt Stadtsprecher Stefan Schulz.

Die Universität Potsdam hingegen verbietet Tiere am Arbeitsplatz, zumindest in den Lehr- und Arbeitsräumen. So sei es vor 20 Jahren verfügt worden, sagte Uni-Sprecherin Silke Engel. Im vergangenen Jahr sei jedoch die Ausnahme hinzugefügt worden, dass Therapie- und Blindenhunde am Arbeitsplatz gestattet sind. „Dafür muss allerdings ein Zertifikat über die Ausbildung der Tiere vorliegen“, betont die Sprecherin. Zudem seien Assistenzhunde erkennbar mitzuführen und dem Lehrpersonal vor der Veranstaltung anzuzeigen. In chemischen, biologischen Laboren und zu Experimentalvorträgen sei ihr Mitführen aus Tierschutzgründen aber nicht gestattet.

Berlin

Genaue Zahlen, wie viele Tiere in Berliner Unternehmen mit zur Arbeit kommen, gibt es nicht. Laut der Webseite des Bundesverbands Bürohund, sind 28 Arbeitgeber in der Hauptstadt zertifizierte Bürohund-Unternehmen. Vom Seniorenheim bis zur Steuerberatung ist alles dabei.

Es gibt aber auch Unternehmen, die einfach eine lockere Tierpolitik führen, wie das AdTech-Unternehmen Webtrekk. „Bei über 100 Mitarbeitern kommt es in unserem Berliner Büro regelmäßig vor, dass jemand mal den Hund für einen Tag mitbringt“, sagt Michael Diestelberg von Webtrekk. Manchmal seien fünf Hunde gleichzeitig dort. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Tiere die Arbeitsatmosphäre immer auflockern.“

In den Senatsverwaltungen, die meist Mieter in den Gebäuden der Berliner Immobilienmanagement GmbH sind, sind Tiere am Arbeitsplatz hingegen verboten. In der Vergangenheit sei mal versucht worden, einen Hund mit ins Haus zu nehmen, berichtet Michael Reis, Pressesprecher der Senatsverwaltung für Justiz. Das sei aber nicht unbemerkt geblieben und untersagt worden.

Sachsen

In den Rathäusern von Dresden, Leipzig und Chemnitz ist es den Bediensteten untersagt, in städtische Diensträume Hunde mitzubringen. „Das ist in der Hausordnung geregelt“, heißt es aus Chemnitz. In Leipzig wurde die Entscheidung laut einer Sprecherin „unter sorgsamer Abwägung der Vor- und Nachteile“ getroffen. Ausnahmen gebe es nur für Beschäftigte, die im Alltag auf ein Tier angewiesen seien wie etwa einen Blindenhund. Dem Personalamt sei hier aber nur ein Fall bekannt.

„Der Hund ist oft der Erste, der den Kunden begrüßt“, sagt Ronny Scheiding von der September Werbeagentur in Dresden. Die Französische Bulldogge etwa vertrage sich mit allen, sei verspielt und alle würden sie mögen. „Sie ist kein Beller.“ Im Raum steht ein Hundekörbchen. Auch andere Mitarbeiter hätten schon Hunde mitgebracht. „Das war völlig unproblematisch.“

Schon mehr als sechs Jahre begleitet wiederum der Cocker Spaniel „Bonnie“ die Zahntechniker-Meisterin Nadine Ebel in ihr Dresdner Labor. „Er ist gut für die Gesundheit“, sagt sie. „Ich bin so gezwungen, mittags Pause zu machen, schon um mit dem Hund an die frische Luft zu gehen.“ (mit dpa)