Damit hat Sir Christopher Lee den traurigen Beweis angetreten - er ist doch nicht Graf Dracula. Der Graf hätte weitergelebt, Christopher Lee ist im Alter von 93 Jahren verstorben. Lee war nicht nur einer der bekanntesten Dracula-Darsteller, sondern auch einer der fleißigsten Schauspieler überhaupt.

Es waren vermutlich sein furchterregender Blick, seine imposante Erscheinung - er war 1,96 Meter groß, seine feine englische Art, die Lee zu einem der wichtigsten Darsteller in europäischen Gruselfilmen der vergangenen Jahrzehnte gemacht hat. Und es waren seine Verdienste als Vampir, als Detektiv Sherlock Holmes, als Dr. Fu Man Chu in den 50er-, 60er- und 70er-Jahren, die Lee später - auch in hohem Alter - zu einer Art Gaststar in zahlreichen Filmen hat werden lassen - in "Star Wars", in "Herr der Ringe", in gleich mehreren Filmen von Kult-Regisseur Tim Burton, darunter "Sleepy Hollow" und "Charlie und die Schokoladenfabrik".

Dass Lee mehr als jeder andere Schauspieler mit der Figur des Vampirs Graf Dracula verbunden war, lag vor allem an der Anzahl der Dracula- und Vampirfilme, in denen er den Untoten gespielt hat. Neun waren es insgesamt. Lee war der erste europäische Dracula-Darsteller nach Max Schreck und Erbe des ersten Dracula-Darstellers in Hollywood, Bela Lugosi. Letzterer hat sich so mit seiner Vampirfigur identifiziert, dass er im Dracula-Kostüm beigesetzt werden wollte. Lee aber nannte immer seine Rolle als Widerstandskämpfer Muhammad Ali Jinnah Ende der 90er-Jahre als seine beste, wenn auch nicht bekannteste.

Mehr als 280 Filmrollen hat Lee in seiner langen Karriere gespielt - Rekord. Interviews mit Journalisten hat er oft in der Muttersprache des Fragenden geführt - acht Sprachen konnte Lee fließend, Deutsch war eine davon. Den Humor hat Lee trotz seiner oft makaberen Rollen nie vergessen - er lieh einer Raupe seine Stimme in Tim Burtons "Alice im Wunderland", er nahm mit über 90 Jahren noch eine Heavy-Metal-CD auf. Und er spielte immer wieder mit seinem Image als Fürst der Finsternis.

Dass Lee nicht nur ein äußerst geschäftiger Schauspieler war, sondern als Sänger bereits auf Opernbühnen stand, wissen wenige. Eine ganze Reihe von Musik-Alben hat er seit den 70er-Jahren veröffentlicht.

Christopher Lee starb bereits am Sonntag in einem Londoner Krankenhaus - offenbar an Herzversagen. Erst am gestrigen Donnerstag wurde der Tod des großen Mimen in den Medien öffentlich.