Eine Waschbärenfamilie ist am helllichten Tag am Baumschulenweg dabei beobachtet worden, wie die Fähe mit ihren Jungen die reifen Früchte in einem Kirschbaum abgefressen hat. Auf einem Grundstück in der Torgauer Straße sind aus einem Gartenteich sämtliche wertvollen Kois verschwunden.

Als die Lausitzer Rundschau davon berichtete, dass vermutlich Waschbären nahezu alle Entenküken von Hans-Jürgen Bielawnys Grundstück geholt und getötet haben und der Doberlug-Kirchhainer daraufhin aus Frust sein langjähriges Hobby aufgegeben hat – „da ist uns das als Jäger an die Ehre gegangen“, sagt Dirk Töpfer.

Der 49-Jährige aus Rückersdorf geht seit mehr als 30 Jahren zur Jagd und unterstützt dabei den Jagdpächter Maik Brühl, der im Buchwald sein Revier hat. Bis zu acht Kastenfallen hat der Jäger, der beruflich als Revierpolizist im Amt Elsterland tätig ist, hier bis November aufgestellt. „Jeden Morgen bin ich vor meinem Dienst die Fallen abgegangen, weil gefangene Tiere wegen des Tierschutzes so schnell wie möglich der Falle entnommen werden, dann sofort getötet oder wieder freigelassen werden müssen, wenn geschützte Tiere in die Falle gingen.“

Mehr als 50 Kreaturen, darunter Füchse, Marder und Dachse, aber vor allem Waschbären hat Dirk Töpfer in dem Vierteljahr gefangen - geködert vor allem mit leckeren Nutella-Broten. „Waschbären fressen praktisch alles – das macht sie so überlebensfähig“, sagt der Jäger. „Mit ihrem Fressverhalten und der starken Zunahme bringen Waschbären, die bei uns keine natürlichen Feinde haben, aber auch das biologische Gleichgewicht in der Natur durcheinander.“

Besorgt stellt Dirk Töpfer fest, dass die Zahl der Enten auf dem Hammerteich dramatisch abgenommen hat. „Vor 20 Jahren schwammen hier noch 800 Enten herum – jetzt zählt man vielleicht noch acht. Schuld sind vor allem die Waschbären, die die Gelege ausfressen.“ Außerdem, so beobachtet der Polizist, habe die Zahl der überfahrenen Waschbären auf den Straßen deutlich zugenommen – „das macht deutlich, dass es viel mehr Waschbären gibt, als man sieht“.

Mit seinen 40 gefangenen Tieren habe er im Buchwald höchstens ein Viertel des Bestandes dezimiert – mehr als 200 Waschbären leben hier noch, vermutet er. Doch der Nachwuchs, so Dirk Töpfer, sei durch seine Fänge stark dezimiert worden. Hans-Jürgen Bielawny, der sich doch wieder einige Enten hält, hat in letzter Zeit jedenfalls keine Verluste mehr zu beklagen gehabt.

Das Fleisch der gefangenen Waschbären bekommt Töpfers Hund. Der adlige Dachs aus dem Königswald, wie der Vorstehhund heißt, wird damit gefüttert. Die Felle gehen zum Kürschner – doch die Nachfrage sei nicht so groß.

Dass Dirk Töpfer dafür, dass er sich mit dem Fang von Waschbären viel Freizeit ans Bein bindet, einen wichtigen Beitrag für den Artenschutz leistet und jetzt dafür „belohnt“ wird, dass man ihm die teuren Fallen geklaut hat, empört den Jäger. Er stellt 50 Euro für Hinweise zur Verfügung, um den Dieben auf die Schliche zu kommen.