Draußen, da genießen die Menschen ihr Leben. Junge Leute lachen, sie tanzen und knutschen auf der Straße im Berliner Neonlicht. Bea Kröger (Gisa Zach, 40, „Forsthaus Falkenau“) verfolgt das alles nur noch durch die Gitter eines rollenden Knastes. „Kiek Dir noch mal allet jut an“, sagt die Frau in der anderen Kabine des Busses zum Gefängnis und grinst danach noch etwas schadenfroh.

„Dein erstes Mal, wa Süße!?“, hakt die Blondine im Halbdunkel nach. Die junge Dame hat offensichtlich deutlich mehr Halbwelt-Routine als die geschockte Bea. Denn sie verkauft sich noch im Bus an einen Wachtmeister. Der Preis: eine Stange Zigaretten. Der Freier in Uniform hat sofort auch Interesse an Bea: „Rauchst Du?“

Willkommen zurück in der Knastwelt von RTL! Fast ein Jahrzehnt nach Ende des Dauerbrenners „Hinter Gittern - Der Frauenknast“ geht „Block B - Unter Arrest“ an den Start. Die erste Episode läuft an diesem Donnerstag um 21.15 Uhr. Das bekannteste Gefängnisgesicht des Senders, Katy Karrenbauer, ist dieses Mal allerdings nicht mit dabei.

Zu einem düsteren elektronischen Beat schließen sich in der fiktiven Justizvollzugsanstalt (JVA) Tempelhof viele quietschende Schlösser hinter der wortkargen Heldin mit den großen blauen Augen. „Freunden sie sich mit den Frauen an, aber vertrauen sie ihnen nicht!“, mahnt Schließerin Vera Böhme (Winnie Böwe). „Und das ist der Alarmknopf, den drücken Sie, wenn es Probleme gibt.“ Die Großaufnahme, mit der die Kamera über den Knopf gleitet, verheißt gewiss nichts Gutes. Bea ist von Erinnerungen und der Sehnsucht nach der Tochter geplagt.

„Ich werde nicht lang hier sein“, sagt Bea zunächst hoffnungsfroh, die schüchterne Friseurin wartet auf ihren Prozess. Sie sitzt wegen versuchten Totschlags an ihrem gewalttätigen Ehemann in Haft. „Hast Du den roten Knopf am Eingang gesehen? Drück den niemals!“, schärft ihr Mitinsassin Gabi Reimers (Nina Hoger) ein. Gabi betont, sie wolle Bea vor Ärger bewahren. Lebenshilfen: „Leih Dir nie etwas aus, ohne zu fragen. Aber wenn Chris etwas von Dir will, dann gibst Du es ihr.“ Chris, das ist Christine Wuttke (Claudia Gaebel), Drahtzieherin mit Nasenring und Punk-Frisur, die Bea in krumme Geschäfte ziehen will.

Man kann bei „Block B“ eine kleine Frauenknastfilm-Liste nacheinander abhaken. Eine redliche Heldin. Ein lüsterner Wächter. Zwei attraktive nackte Knastfrauen beim lesbischen Sex. Eine unterschwellige Stimmung der Gewalt. Fehlt noch was? Ach ja, die tyrannische Anstaltsleiterin. „Wir brauchen härtere Maßnahmen“, zischt die extrem streng gekämmte JVA-Chefin Petra Weissner (Claudia Michelsen, „Honig im Kopf“). Sie will die Drogendeals stoppen. „Ich verhandele nicht mit Gefangenen.“

Härte hat die Anstaltsleiterin bereits bewiesen, als sie die eigentliche Patin des Knastes in Isolationshaft steckte: Katrin Sass („Good Bye, Lenin!“) spielt Rita Plattner, die wegen Mordes lebenslang einsitzt. Als machtbesessene Anführerin herrscht sie über die JVA Tempelhof mit Gewalt und Einschüchterung.

Die 58-jährige Sass hatte laut RTL auf den ersten Blick wohl etwas Skepsis: „Ich habe meiner Agentur erstmal gesagt: RTL, zehn Teile, im Knast, wenn jetzt "Hinter Gittern" auf mich zukommt, bitte absagen. Generell ist Serie nicht meins. Aber diese Serie ist spannend, brutal und undeutsch. Und ich bin der Boss. Sonst hätte ich es nicht gemacht.“

Die Serie hat ein australisches Vorbild. Nicht nur die hochkarätige Schauspieler-Schar fällt dabei ins Auge. Musik, Kameraführung und Lichteffekte verleihen „Block B“ viel Wertigkeit. Jede Folge stellt eine Figur ins Zentrum, deren Geschichte im Rückblick erzählt wird.

„"Block B" ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich: schonungslos, radikal, ohne Kompromisse“, schildert Philipp Steffens, bei RTL für Fiction-Stoffe zuständig. „RTL“, so Steffens, „ist hier einen komplett neuen Weg gegangen und hat das Setting Frauenknast mit großer Emotionalität und Dramatik ganz neu bearbeitet. Bei "Block B" kann alles passieren: Wenn es wehtut, drehen wir die Schraube noch eine Umdrehung weiter.“