Einen "sehr schönen Duft nach schwarzer Kirsche und Waldfrüchten, sehr harmonisch eingebunden die Tannine des Barrique und der Rebsorte" bescheinigt Volker Freytag dem Großräschener Pinotin aus dem Eichenholzfass. Der "weiche Rotwein" lasse nicht vermuten, "dass er so weit nördlich gewachsen ist". Das Urteil der ersten Geschmacksprobe des Lieferanten der Rebstöcke, deren Trauben hier im Herbst 2014 erstmals gelesen worden waren, lautet schlicht: "wirklich toll".

Ein Teil des Rotweins dieses Jahrganges ist bei stabilen zwölf Grad Celsius im Meißner Weinkeller länger als ein Jahr im Eichenfass gereift. "Auf diesen rubinroten, sanften Tropfen kann Großräschen stolz sein", war Qualitätsmanager Reiner Christoph vom Weingut Prinz zur Lippe, die rechte Hand von Kellermeister Jacques du Preez auf Schloss Proschwitz, in diesem Frühjahr bei der ersten Weinprobe schon des Lobes voll. Jetzt hat Volker Freytag, der Inhaber der Rebschule in Neustadt an der Weinstraße, der die neue pilzwiderstandsfähige Rebsorte für den Großräschener Weinberg geliefert hatte, den Pinotin aus dem Barrique gekostet und sofort für die Intervitis in Stuttgart geordert. Sein Pioniergeist sprüht. Neue Rebsorten halten in den nördlichen Anbaugebieten im nach wie vor eher konservativen deutschen Weinbau jetzt immer stärker Einzug und werden inzwischen sogar nach Schweden und England geliefert. Der Lausitzer Winzer Dr. Andreas Wobar hat mit dem ersten Aufreben des in Brandenburg einmaligen Steilhanges am Großräschener See bewusst auch auf den Pinotin gesetzt. Denn die Trauben hängen lockerbeerig an der Rebe. Das sorgt für eine gute Durchlüftung der Früchte. Für Rotweine ist das besonders wichtig. Während die Trauben für den Weißwein lediglich vom Stielgerüst befreit, dann entsaftet und vergärt werden, ist Rotwein eine weit größere Herausforderung. Das übrigens auch weiße Fruchtfleisch der Rotweintrauben wird mit Schalen und Kernen zunächst zu einer Maische verarbeitet. Denn allein die Schale ist für den roten Farbstoff verantwortlich. "Deshalb ist es für die Qualität des Weines sehr wichtig, dass die Trauben kerngesund sind und besonders schonend verarbeitet werden", erklärt der Weinbauer. Und der Kellermeister muss sein Handwerk gut verstehen. Denn die Kerne dürfen nicht zerdückt werden, weil sonst die Gerbstoffe (Tannine) vordergründig hervorschmecken. Gut in den fruchtigen Tropfen eingebunden müssen sie indes bleiben. Eine zu lange Maischestandzeit lässt den Wein pelzig auf der Zunge werden. Und der Ruf eilt deutschen Rotweinen noch immer voraus. Auf dem internationalen Markt wird zudem auch Roter aus dem Barrique angeboten, der nie mit einem Holzfass in Berührung kam. Billigen Herstellungsverfahren mit Holzspänen oder Plastikfässern mit eingelegten Eichenbalken ist das geschuldet.

Davon ist der Großräschener Pinotin aus dem echten Eichenholzfass weit entfernt. "Einer der besten Weine, die ich je getrunken habe", lobt Volker Freytag, der seit 35 Jahren Weinreben züchtet, in die ganze Welt verkauft und deren Weine auch verkostet. "Bemerkenswert ist diese hohe Qualität auch, weil dies der Großräschener Jungfernjahrgang ist", sagt er. So ein Volltreffer werde nur selten gelandet.

Das haben inzwischen vor allem heimische Kunden, aber auch schon Weinliebhaber bis in die Schweiz schätzen gelernt. Und die Rewe-Gruppe hat für den ersten Testmarkt in der Bundeshauptstadt für regionale Produkte aus Berlin und Brandenburg um die neuen Großräschener Weine gebeten.

Zum Thema:
Der Schweizer Valentin Blattner hatte die Rebsorte Pinotin, eine Kreuzung zwischen Blauem Spätburgunder und Resistenzpartnern, erst im Jahr 1991 gezüchtet. Die Selektion ist in der Rebschule Freytag in der Pfalz erfolgt. 2002 wurde die Sorte geschützt und 2010 zur Klassifizierung angemeldet.