Roter Planet statt roter Kontinent: Gunnar Prehl will zum Mars. Der Deutsche ist in der engeren Auswahl - unter den letzten hundert Kandidaten - für "Mars One". Für ihn ist es ein großes Abenteuer, sagt Prehl. Eine Reise zum Mars wäre seiner Meinung nach ein großer Schritt vorwärts für die Menschheit. "Die Menschheit fährt wegen unserer Denkweise mit angezogener Handbremse. Wir müssen raus aus unserer Höhle."

Die niederländische Stiftung "Mars One" will 24 bis 40 Siedler auf den Mars schicken. Die erste Vierergruppe soll ihre Reise in zehn Jahren antreten. Ein Rückflug ist nicht vorgesehen, weil dieser technisch zu aufwendig und zu teuer wäre, wie die Stiftung sagt. Mehr als 200 000 Menschen haben sich den Angaben zufolge beworben.

Koch in Queensland

Prehl, ein 41-jähriger Bautechniker aus Dresden, lebt in einem kleinen Ort im australischen Bundesstaat Queensland. Dort arbeitet er als Koch in einem Café. Vor mehr als zehn Jahren zog es ihn nach Australien. Die ersten Jahre schlug er sich mit Gelegenheitsjobs durch. Seine Erfahrungen in Australien, mit den Menschen und dem Umgang mit der Umwelt, will Prehl, der mittlerweile australischer Staatsbürger ist, bei "Mars One" einbringen. Nach einem Clip über das Projekt war er fasziniert. "Nachdem die Bewerbung abgeschickt war, dachte ich ,Was zum Henker hast du da eben gemacht?' Aber wenn es eine Reise zur Antarktis oder zum Mond gewesen wäre, hätte ich mich auch angemeldet."

Er sei sich bewusst, dass die Liste der Kritiker dieses Projekts lang sei, räumt Prehl ein. "Aber das stört mich weniger. Was mich viel mehr stört, sind die Leute, die sich nicht einmal die Mühe machen darüber nachzudenken, was so eine Mission für die Menschheit eigentlich bedeuten würde, was wir lernen könnten und wie wichtig es ist."

Sollte er ausgewählt werden, erwarten ihn acht Jahre Training für die Marsmission. "Wenn es geht, möchte ich zum Arzt ausgebildet werden." Auf dem Mars wäre natürlich alles anders. Trotzdem gibt es Dinge, die ihm fehlen würden: "Ein Hefeweizen zum Beispiel, das würde ich vermissen." Für seine Eltern sei es schwierig, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass ihr Sohn zum Mars fliegen könnte, erzählt er. Seine Freundin Anne hingegen unterstütze sein Vorhaben. "Ich hab sie gefragt, ob sie sich auch bewerben will, aber das tat sie nicht."

"Feindlicher Planet"

Was Prehl bei seiner möglichen Ankunft auf dem Mars erwartet? "Der Mars ist ein feindlicher Planet. Wir glauben derzeit, er ist ein toter Planet. Aber wir wissen nicht, was wir dort finden werden."

Dass es für den Trip keine Rückfahrkarte gibt, sei für ihn kein Problem, sagt der Dresdner. "Manche Leute sagen, es sei egoistisch, zum Mars zu fliegen. Aber das glaube ich nicht. Man hätte zehn Jahre, um sich von den Menschen zu verabschieden, die man liebt."