Im Moment sieht es ganz schlecht aus. Für ein längeres Gespräch findet Roland Kaiser an den Tagen vor seinem Auftritt in Spremberg leider keine Zeit. Ständig ist er im Auto unterwegs, und über die Freisprechanlage zu telefonieren, das behagt ihm nicht. Aber er muss keine Sekunde darüber nachdenken, warum er so gern die Perle der Lausitz besucht. "Der Kontakt zu Spremberg entstand über das Albert-Schweitzer-Familienwerk", erklärt er. "Kai Noack hatte mich eingeladen, dort zu spielen. Jetzt ist es umso schöner, dass ich auf der Freilichtbühne ein Konzert mit Band geben darf."

Verrückte Idee

Tatsächlich verbindet den berühmten Musiker eine langjährige Freundschaft mit dem Bereichsleiter der Spremberger Tafel. Dazu kam es aufgrund einer verrückten Idee. So erinnert sich Holger Wahl, der Chef des Albert-Schweitzer-Familienwerks in Brandenburg, zu dem die Spremberger Tafel gehört: "Zum Perle Cup suchten wir vor einigen Jahren einen Musiker, der dem breiten Publikum gefallen könnte - und da dachten wir an Roland Kaiser." Prompt pilgerte Kai Noack zu einem Konzert des Sängers, wo es ihm gelang, Roland Kaiser diesen Vorschlag zu unterbreiten. Dieser sagte sofort zu. Und nicht nur das: Inzwischen reist Roland Kaiser auch als Botschafter der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer durch Deutschland. "Die Kinder bekommen hier Sicherheit, Geborgenheit, Vertrauen und vor allem Liebe, das ist entscheidend."

Er selbst wuchs als Kind bei einer Pflegemutter auf: "Ich habe in meinem Leben selbst erfahren, wie wichtig es ist, den Rückhalt und die Unterstützung einer Familie zu haben."

Kai Noack von der Spremberger Tafel findet nur anerkennende Worte für Roland Kaiser. "Er hat keine Starallüren, eher trifft das Gegenteil zu: ein lieber, herzlicher Mensch, der seine Versprechen hält und nicht auf seinen Vorteil bedacht ist." Mittlerweile sei aus dem ersten Kontakt zum Sänger eine Freundschaft gewachsen, erklärt Kai Noack.

Vielleicht erklärt sich die Tatsache, dass Roland Kaiser ein bodenständiger Mensch geblieben ist, aus seiner Biografie, in der Erfolge neben Schicksalsschlägen stehen. Ganze fünf Wochen verweilte sein Hit "Santa Maria" im Jahr 1980 auf dem ersten Platz der deutschen Single-Charts. Ein Triumph, von dem andere Sänger vergeblich träumen.

20 Jahre später traf den Musiker die Diagnose einer schweren Lungenerkrankung, in deren Folge er sich für einige Zeit aus der Öffentlichkeit zurückzog.

Zwielichtig im Tatort

Doch nach einer geglückten Transplantation scheint er aktiver zu sein als je zuvor: So gibt er wieder mit großer Freude Konzerte.

Damit nicht genug: Sogar in einem Tatort wirkte er mit, als ein eitler, egozentrischer Schlagersänger namens Roman König. Und verkörperte dort einen Charakter, der seiner tatsächlichen Bescheidenheit völlig widerspricht.

In diesem Sinne erklärte Roland Kaiser auch nach den Dreharbeiten in einem Interview mit dem WDR: "Der Typ hat nicht viel mit mir zu tun. Er ist ein völlig anderer Charakter, als ich es bin. Roman König ist eine zwielichtige Gestalt. Es ist moralisch sehr fragwürdig, was er so treibt."

Bei einer Lesung vor 130 Kindern im Spremberger Erwin-Strittmatter-Gymnasium im Jahr 2007 zeigten sich die jungen Besucher überaus begeistert von Roland Kaiser. Später, als er wegen seiner Lungenkrankheit ans Bett gefesselt war, schickten ihm die Spremberger Kinder selbst gemalte Bilder. "Das hat ihn sehr gerührt", erzählt Kai Noack vom Albert-Schweitzer-Familienwerk.

Zum Thema:
Zur Verleihung des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen im Jahr 2012 erklärte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft: "Lieber Roland Kaiser, Sie haben Ihr Lied ,Alles ist möglich' in die Wirklichkeit umgesetzt. Sie haben in der Tat gezeigt, dass man scheinbar Unmögliches möglich machen kann, wenn man daran glaubt und die Hoffnung nicht verliert. Ich wünsche Ihnen weiterhin eine stabile Gesundheit."