Es klingt verlockend Aspirin 60 Cent, Antibabypillen ab 1,60 Euro oder Viagra ab 25 Euro. Je nach Reiseziel können Medikamente nur ein Viertel des Preises kosten, den man hierzulande dafür zahlt. Manche Reiseportale zu Urlaubsregionen listen sogar im Internet als Werbung die Arzneimittelpreise der jeweiligen Region auf. Die Angebote sind nicht nur für den Sparfuchs reizvoll.

Doch die vermeintlichen Schnäppchen bergen oft Risiken. In EU-Ländern herrschen eigentlich einheitliche Standards und den offiziellen Apotheken kann man vertrauen, erklärt Doktor Jane Schröder von der unabhängigen Patientenberatung in Dresden. "Hier können aber vor allem sprachliche Barrieren, bei der Beratung problematisch sein", fügt sie hinzu. Dies gelte vor allem, wenn man Präparate erwerben will, die für einen neu sind und deren Wirkung man noch nicht kennt.

In Ländern außerhalb der EU würde es hier schon problematischer. "In Ländern wie der Türkei oder Ägypten würde ich dazu raten, sich im Hotel nach einer offiziellen Apotheke zu erkundigen", sagt Jane Schröder. Von Käufen auf Wochenmärkten oder bei fliegenden Händlern rät sie gänzlich ab. Gleiches gelte für Läden, in denen man Zweifel am offiziellen Charakter hat. Die Präparate an sich sollten eigentlich überall dieselben Wirkstoffe haben, trotzdem ist es ratsam auf der Verpackung nachzusehen. Es könne auch vorkommen, dass bekannte Präparate mit Wirkstoffen kombiniert würden, die in Deutschland nicht zugelassen sind oder die in der Kombination starke Nebenwirkungen haben. Auch deswegen sollten nur Arzneimittel gekauft werden, deren Packungsbeilage man im Notfall auch versteht. Um Komplikationen bei leichten Erkrankungen zu vermeiden, empfehle es sich grundsätzlich immer eine gut bestückte Reiseapotheke mitzunehmen.

Zudem werden in vielen Urlaubsländern Arzneimittel frei verkauft, die in Deutschland verschreibungspflichtig oder gar verboten sind. "Dass die Medikamente bei uns nicht erlaubt sind, hat einen guten Grund", stellt die Patientenberaterin Jane Schröder heraus. Solche Arzneimittel würden oft Risiken bergen, die man selbst nicht einschätzen kann oder im Fall von verbotenen Wirkstoffen können sie sogar lebensgefährlich sein. Diese Gefahr bestehe auch bei gefälschten Medikamenten. Hier kommt hinzu, dass der Zoll jene beschlagnahmen muss. "Bei Fälschungen wird das Arzneimittelgesetz und die Urheberrechte berührt", sagt Detlef Szesny vom Hauptzollamt Potsdam. Grundsätzlich rät er, vorsichtig beim Kauf in Ländern außerhalb der EU zu sein.

Auch ist die Menge der Einfuhr beschränkt. "Es ist wichtig das die Menge noch auf einen privaten Gebrauch schließen lässt", sagt Detlef Szesny. Je nach Arzneimittel ist das ein Vorrat für drei Monate. Für verschreibungspflichtige Medikamente sollte man immer sein Rezept oder eine Bescheinigung vom Arzt mit sich führen. Wer besonders viele Medikamente nehmen muss, sollte sich bei der Ausfuhr eine Bestätigung vom Zoll über Menge und Art geben lassen.

Zum Thema:
Medikamente gegen Fieber und Schmerzen sollten in keiner Reiseapotheke fehlen. Sinnvoll seien auch verschiedene Verbandsmaterialien sowie eine Splitterpinzette, Schere und Zeckenzange, erläutert die Landesapothekerkammer Niedersachsen. In tropischen Regionen sollte ein Sonnenschutzprodukt und ein Insektenschutzmittel dabei sein. Bei Reisen in ferne Länder empfiehlt sich der Kammer zufolge auch ein Mittel gegen Durchfall in Kombination mit einem Elektrolytpulver, das gegen Austrocknung hilft und dem Körper verloren gegangene Salze wieder zuführt. Darüber hinaus nützlich sein können Augen- und Nasentropfen sowie Desinfektionsmittel. dpa/ssr