Ein Fahrfehler des verantwortlichen Lotsen hat zu einem dramatischen Schiffsunglück auf dem Rhein geführt. In der Morgendämmerung wurden viele der fast 160 Menschen an Bord jäh aus ihren Betten gerissen, als das Kreuzfahrtschiff "Bellriva" am Dienstag bei Karlsruhe eine Buhne rammte, leckschlug und zu sinken drohte. 115 Passagiere und 43 Mann Besatzung konnten unverletzt aus dem Schiff gerettet werden.

Der Leiter der Wasserschutzpolizei Karlsruhe, Robert Hellmann, nannte einen Fehler des Personals auf der Brücke als Ursache: Die Fahrrinne sei an der Unglücksstelle 90 Meter breit. Das Schiff sei in der Morgendämmerung und bei nebligem Wetter zu weit nach rechts geraten, bestätigte auch ein Polizeisprecher.

Die Buhne war wegen des höheren Wasserstandes von etwa fünf Metern überspült und nicht sichtbar. In Schifffahrtskarten seien Buhnen -Wälle zur Regulierung eines Wasserstroms - allerdings verzeichnet. Außerdem sei die Fahrrinne klar definiert und breit genug gewesen, sagte Hellmann weiter. Das Personal sowie die Passagiere wurden zu dem Unfallhergang befragt, hieß es. Zwei Menschen mussten wegen Kreislaufbeschwerden und anderen Vorerkrankungen ins Krankenhaus gebracht werden.

Schreck am frühen Morgen

"Wir wurden um halb vier wachgerüttelt", schildert die Passagierin Marianne Sorsak (54). "Erst dachte ich, wir seien in eine Schleuse gefahren, aber das Geräusch kam von unten, da hatte ich schon ein komisches Gefühl im Bauch", erzählte die Belgierin. "Die Crew hat uns beruhigt. Etwa um 4 Uhr kam die erste Durchsage, wir mussten alle nach oben", sagte der 75-jährige Siegfried Schmitz. "Panik hatten wir keine, keiner hat geweint oder geschrien.

" Die Crew habe ruhig und besonnen reagiert. Das Wasser in dem havarierten Schiff stand nach Polizeiangaben "bis zum unteren Fensterrand etwa 1,50 bis 1,70 Meter hoch".

Taucher entdeckten am Morgen drei Lecks und einen Haarriss auf einer Seite des Schiffes, wie die Polizei am Dienstag im Hafen von Karlsruhe weiter mitteilte. Dort hatte der Havarist festgemacht, nach dem er in Höhe Rastatt-Plittersdorf leckgeschlagen war. Die Löcher seien zwischen 10 und 15 Zentimeter groß und wurden zunächst provisorisch verschlossen, um sie im Laufe des Tages von Spezialisten zu verschweißen zu lassen.

Der Treibstoff wurde auf die unversehrte Seite des Schiffes verlagert, um es zu stabilisieren. Außerdem wurde ständig Wasser abgepumpt, hieß es. "Durch Lecks in dieser Größe strömt ordentlich was durch", sagte Wasserschutzpolizei-Leiter Hellmann. Bis zu 6000 Liter Wasser pro Minute seien von einem Hafenschlepper und sechs Pumpen der Feuerwehr abgesaugt worden. Spezialschiffe sollten auch ein Wasser-Öl-Gemisch abpumpen, das sich im Bauch des Schiffes angesammelt hatte.

Im Bus weiter nach Köln

Treibstoff oder andere Schadstoffe seien nicht ausgetreten. Das Schiff fuhr für eine holländische Reederei und war auf dem Weg von Basel nach Köln.

Die Passagiere waren per Bus vom Unglückskreuzer in das im Rheinhafen liegende Ausflugsschiff "MS Karlsruhe" gebracht und dort versorgt worden. Mit Bussen fuhren sie weiter nach Köln.