"Es ist das gute Recht der Mitarbeiter hier zu streiken", sagte Gewerkschaftssekretär Ralf Franke bei der Kundgebung. Er rief die Arbeitgeberseite dazu auf, auf die Forderungen der verdi-Mitglieder einzugehen. Die Gewerkschaften kämpfen seit der Übernahme durch den neuen Betreiber Falck für einen Tarifvertrag, den sie vor der Betriebsübergabe an Falck mit dem vorherigen Betreiber ausgehandelt hatten. Strittig sind auch weitere Punkte, wie die Überstundenregelung.

Der Warnstreik hatte begonnen, nachdem das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg bisher nicht über den Antrag des Rettungsdienstbetreibers Falck auf eine einstweilige Verfügung entschieden hatte. "Das Gericht hat keine Entscheidung gefällt, damit ist für uns weiter das Urteil des Cottbuser Arbeitsgerichtes bindend und dieses hatte den Warnstreik erlaubt", meint Franke. Das Landesarbeitsgericht hatte am Mittwoch beschlossen, verdi die Möglichkeit zu einer Stellungnahme binnen der kommenden drei Tage zu geben.

Jedoch fühlt sich auch Falck mit seinem Antrag auf einstweilige Verfügung bestätigt. "Bisher ist kein Urteil gefallen", sagte Lukas Schmitt, Pressesprecher von Falck. "Ohne die Zusicherung der Änderung der Notabsicherung hätte das Gericht gestern schon entschieden", ist sich Schmitt sicher. Laut seiner Ansicht wäre der Verfügung unter den vorherigen Bedingungen stattgegeben worden. "Wir machen das auch für die Bürger, damit ein ordnungsgemäßer Rettungsdienst gewährleistet ist."

Das Gericht hatte unterdessen in seinem Beschluss festgehalten, dass die Beschwerde von Falck "überwiegend die erstinstanzlichen vorgebrachten Einwände wiederholt". Für eine sofortige Änderung sah das Gericht daher "keine Veranlassung".

Am Mittwochnachmittag informierte Landrat Harald Altekrüger (CDU) den Kreisausschuss über den Streik. "Es bestand keine Gefahr für die Bürgerinnen und Bürger", sagte er. Er forderte die Tarifparteien auf, "schnellstmöglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren". Die nächsten Gespräche zwischen den Tarifparteien sind für den 13. September geplant. Zumindest bis einschließlich Sonntag soll es laut verdi keine weiteren Aktionen geben.

Streiks sind niemals eine schöne Sache, bringen sie doch für die Bevölkerung oft Nachteile. Beim Rettungsdienst mag man das auf den ersten Blick kaum merken. Dennoch haben besonders die Bürger ein Interesse an einer gesicherten Versorgung. Bisher verliefen die Gesprächsrunden zwischen den Tarifparteien zäh und wurden seit April immer wieder ergebnislos abgebrochen. Man hat das Gefühl, beide Seiten befinden sich in einem Hamsterrad. Vielleicht bringt dieser "Warnstreik" wieder Bewegung in die Sache. Das wäre immerhin ein Anfang. Schön wäre es auch, wenn sich dann nicht mehr nur ein Hamsterrad dreht.