Großkoschen. Das Arbeitspensum der Fischer und Naturschützer am amputierten Elsterarm bei Kleinkoschen ist an diesem Wochenende enorm. Seit wenigen Tagen fließt der Heimatfluss am schiffbaren Seenland-Überleiter zwischen dem Senftenberger und dem Geierswalder See jetzt durch einen ausgeschotterten Kanal über den neuen Schiffstunnel. Lebensraum für seltene Pflanzen und eine reiche Wassertierwelt wird geopfert, der Alt arm fällt schnell trocken.

Elektrisch auf Rettungsfang

Kreisgewässerwart Ralf Stephan aus Hosena und die Männer seines Bewirtschaftungskollektivs haben nur wenig Zeit für das Abfischen. Die Männer gehen elektrisch auf Fang. „Geglätteter Gleichstrom ermöglicht ein schonendes Abfischen“, erklärt der Kreisgewässerwart mit Blick auf das schwere Aggregat. Die Fische bekommen einen Muskelkrampf und schwimmen dadurch auf die Anode zu. Dort können sie schnell abgekeschert werden. Mit Netzen oder Reusen ist wegen des unebenen Grundes nichts zu machen. Plötze, Döbel, Rotfeder, Barsche, Schleie, Hecht und die im Bestand rückläufigen, aber für die Schwarze Elster flusstypischen Stichlinge und Gründlinge landen in den Wassereimern der ehrenamtlichen Fischer. „Die große Vielzahl der gewässertypischen Arten hat mich schon überrascht“, sagt Ralf Stephan. Wesentlich mehr Flossentiere als erwartet sind allein am Wochenende aus dem amputierten Elsterarm gefischt worden. Die Naturfreunde arbeiten sich im Elster-Altarm in Richtung Tätschwitz vor. Zwei Dämme stoppen das letzte Wasser, das noch in das alte Flussbett zurückzudrängen versucht. „Wir werden in der nächsten Woche noch einmal nachfischen“, kündigt Ralf Stephan an. Das Wetter spielt mit. Auf Frost reagieren Fische empfindlich. Die Flossentiere werden wieder in die Elster eingesetzt.

Muschel-Bestandsaufnahme

An der Böschung des Elster-Altarmes hantieren auch die Biologen Karin Kempe und Ingmar Landeck mit Keschern und Eimern. Die Mitarbeiter des Forschungsinstituts für Bergbaufolgelandschaften (FIB) in Finsterwalde, das mit der naturschutzfachlichen Begleitung der Flussumverlegung beauftragt ist, befördern aus dem Schlamm mehr als 1000 Muscheln zutage. Die Gemeine Malermuschel, die Gemeine und die Große Teichmuschel fischen die Experten ab. Zum Glück flüchten die Muscheln nicht schneller als im Schneckentempo. Die Biologen wissen um die Überlebensstrategie: ab in den Schlamm und Stoffwechsel runter. Auch die Muscheln werden wieder in den unteren natürlichen Flusslauf eingesetzt. Allerdings ginge es gegen die Forscher-Ehre der Wissenschaftler, dies zu tun, ohne die Funde zuvor zu bestimmen. „Die drei relativ anspruchslosen Arten sind Indikatoren für eine mäßige Wassergüte“, sagt Biologin Karin Kempe. Die Mengen charakterisieren die Elster als langsam fließendes, teilweise stehendes Gewässer. Die Größenklassen werden später darüber Aufschluss geben, wie sich die Muschelpopulation im Fluss entwickelt. Ökologische Aussagen versprechen sich die Experten beispielsweise zum Alter der Muscheln und ob der Bestand sich auch zukunftsträchtig genug selbst verjüngt.

Aus dem Deichvorland des nunmehr trocken fallenden Elster-Armes ist auch der Große Wiesenknopf auf neue Standorte am Koschener Kanal umgesiedelt worden. Die streng geschützte Pflanze, die einzige Nahrungsquelle für den Ameisenbläuling, ist in der Symbiose von Pflanze und Falter in Brandenburg nur in der Elsterniederung heimisch. Das Verpflanzen ist wegen der tiefen Pfahlwurzeln der Pflanzen schwierig. Erfahrungen gibt es nicht, sagt Karin Kempe. Auch Schwanenblume und Blutweiderich, die zwar nicht streng geschützt sind, aber sich im Elster-Vorland entfaltet haben, werden umgesetzt. „Diese Pflanzen sind im Biotop Ufersaum sehr selten geworden“, erklärt die Biologin.