Es erscheint inzwischen wie ein sorgsam eingeübtes Ritual. Wird bei einem solchen Treffen die Motorhaube eines Trabant geöffnet, finden sich sofort einige Zuschauer zusammen und blicken hinein. Der vergleichsweise einfache und robuste Aufbau fasziniert noch immer und natürlich sind viele Schaulustige neugierig, in welchen Zustand sich der Motor und andere Teile befinden.

So war es auch am Samstag und Sonntag wieder, als sich die unverwüstlichen Boliden auf Einladung Petra Orthmann, Marktleiterin von Möbel Boss und der Cottbuser Trabantfreunde zum jährlichen Treffen zusammenfanden. Zwischen Einzel- und Gruppentouren und der gemeinsamen Ausfahrt zur neuen Umgehungsstraße wurde viel gefachsimpelt, Erfahrungen und Tipps ausgetauscht. Besucher nahmen nach langer Pause in dem früher heiß begehrten Gefährt Platz.

Dass der Trabi noch immer gut für Überraschungen ist, bewies das knallblaue Grillmobil des Ahorn-Hotels. 5,05 Meter lang nimmt es zwischen Lenkrad und Kofferraum eine kleine Gasgrillstation und eine Theke samt Bierhähnen auf. Mit dem gleichfalls aus einem Trabant entstandenen Grillanhänger sind es sogar 7,60 Meter. In fünfjähriger Bauzeit entstand so das längste fahrfähige Grillgespann Deutschlands. Bei den Touren überall hin nach Deutschland ist mit dem Originalmotor Tempo 90 drin. Bei einer Bratwurst und einem Bier wurde das Gefährt intensiv in Augenschein genommen. Einige hartgesottene Fans waren wegen des spektakulären Umbaus etwas traurig, wurden dafür doch zwei Fahrzeuge genutzt.

Manch Familie war gleich mit zwei Gefährten zum Treffen gekommen. Andere hatten für das Wochenende passend, möglichst originale Wohnanhänger als Unterkunft mitgebracht.

So interessant wie die Autos, waren oft auch die Geschichten, die ihre Eigentümer zu erzählen wussten. Vorjahressieger und Titelverteidiger Ulf Nowka hatte seinen 500er 1991 für die Tochter gekauft. Da sie das Fahrzeug Baujahr 1962 kaum nutzte, verliebte er sich selbst in das schmucke Gefährt und ist seit Jahren Dauergast und Preisträger bei Oldtimertreffen. "Alles im Originalzustand erhalten, auch der Lack", betonte Ulf Nowka. Daher ist sich der Cottbuser sicher, dass Trabant noch lange Jahre als Liebhaberstücke in erheblicher Zahl auf Lausitzer Straßen rollen werden.

Zur Siegerehrung erschien der Cottbuser wie die Platzierten im IFA-T-Shirt, sehr zur Freude von "Erich", einem Double. Der würdigte lautstark die Errungenschaft Trabant und die Anstrengungen der Besitzer. Längst sind Trabibesitzer nicht mehr nur ältere Herren mit nostalgischen Erinnerungen an Urlaubstouren, Familienausflüge und andere Erlebnisse im Trabant. Auch Jüngere haben sich dem Kultauto verschrieben, hegen und pflegen es. Auch das Treffen hat Zukunft. "Die Teilnahme ist stabil, die Atmosphäre toll und das Interesse groß, natürlich machen wir weiter", sagte Petra Orthmann.